Auch Laptops haben klein angefangen

Geschrieben am 29.01.2016 von

Die frühen 1980-er Jahre brachten uns den PC und den C64, aber auch den Taschencomputer, eine Erweiterung des schon länger bekannten Taschenrechners. Der „pocket computer“ führte in der Folgezeit zum Notebook oder Laptop. Dabei wuchs das Display vom einzeiligen Fenster des Ur-Modells Sharp PC-1210 Schritt für Schritt zum großen LCD-Monitor, der nach oben aufgeklappt wird.    

Der erste Taschencomputer kam von Nixdorf. Das berichtete jedenfalls am 24. September 1979 die amerikanische Computerworld in einem Artikel über den neuen Nixdorf LK 3000. Mit ihm plane das Unternehmen, so die Zeitung, den Einstieg in den Markt der Personal Computer, und zitierte Vertriebsdirektor Klaus Luft: „The Nixdorf LK 3000 is a small pocket computer for general-purpose use.“ Und Luft ergänzte: „It is not a translator.“

Sharp OC-1210

Sharp PC-1210

Der Verweis auf den “translator“ hatte seinen Grund. Der LK 3000 basierte auf dem gleichnamigen Übersetzungscomputer der US-Firma Lexicon, in den man für jede Sprache ein kleines Modul mit Mikrochip und Wortspeicher steckte. Für zweieinhalb Millionen Dollar erwarb Nixdorf Fertigungs-, Vertriebs- und Namensrechte und fügte ein Modul für mathematische Zwecke hinzu. Und schuf so, wenn man beide Augen zudrückt, den ersten pocket computer der Welt – der Ausdruck lehnt sich natürlich an den „pocket calculator“ oder Taschenrechner an.

Epson HX-20

Epson HX-20 (Foto Hannes Grobe, CC BY 3.0)

Wer genauer hinschaut, wird den Lorbeer für den ersten Taschencomputer einem anderen Gerät umhängen, nämlich dem Sharp PC-1210, der 1980 auf dem Markt erschien. Er besaß einen 4-bit-Mikroprozessor und einen freien Arbeitsspeicher von 400 Byte; darüber hinaus konnte er mit einer abgespeckten Version von BASIC programmiert werden. Im Versandhaus kostete er nur 328 DM; gegen Aufpreis gab es einen 16-stelligen Drucker oder den Anschluss zum Kassettenrekorder.

Tandy Model 100, US-Version des Kyotronic 85

Outputs zeigte der PC-1210 auf einem einzeiligen Display. Gleich vier Zeilen bot das Fensterchen des japanischen Epson HX-20. Vorgestellt 1981 in den USA und 1982 auf der Hannover Messe, gilt er als erster Laptop. Im Inneren des BASIC-fähigen Kleinrechners steckten zwei 8-bit-Chips von Hitachi und ein Arbeitsspeicher mit 16 Kilobyte. Integriert waren ein Drucker; ein Laufwerk für Magnetbänder ließ sich einsetzen. 1983 präsentierte Kyocera den Kyotronic 85, dessen Display acht Zeilen wiedergab. Nachbauten von NEC, Tandy und Olivetti machten ihn zu einem weltweiten Erfolg.

Epson PX-8

Das Display des Epson PX-8 von 1984 wies gleichfalls acht Zeilen auf und ließ sich nach oben kippen. Der Toshiba-Prozessor war kompatibel zum Z80 von Zilog. Neben 64 Kilobyte Arbeitsspeicher nahm der PX-8 noch Kassetten auf. Die Software umfasste einen BASIC-Interpreter, Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sowie das Betriebssystem CP/M. Richtig hochklappen konnte man das Display des Sharp PC-5000 von 1983. Eine weitere Neuerung war der exotische Magnetblasenspeicher.

Auch Firmen in den USA und Australien brachten Rechner mit Klapp-Monitoren heraus, allen voran die GRiD Systems Corporation im Silicon Valley. Ihr Compass 1101 war 1982 der erste Computer, bei dem die Haube mit dem 320 x 240 Pixel großen Display die Tastatur abdeckte, eine Idee des englischen Designers Bill Moggridge. Der Compass lief mit einem Intel-8086-Chip, besaß ein Modem und ließ sich an diverse Peripheriegeräte anschließen. Er kostete aber mehr als 8.000 Dollar und wurde vor allem von der Regierung, der NASA und den Streitkräften angeschafft.

GRiD Compass 1101

GRiD Compass 1101

Vergessen sind heute der australische Dulmont Magnum und der amerikanische Gavilan SC, die 1983 erschienen. Der HP 110 von 1984 ist wohl nur Hewlett-Packard-Freunden ein Begriff. Im selben Jahr brachte der bekannte Minicomputer-Bauer Data General seinen Data General/One heraus. Das 11-Zoll-Display stellte 25 Textzeilen dar, die aber kaum zu lesen waren. Die Flops im Marktsegment veranlassten die New York Times Ende 1985 zu einem pessimistischen Artikel und dem Urteil, dass der Laptop eine „dream machine for the few“ wäre.

Toshiba T1100

Toshiba T1100 (Foto Johann H. Addicks / addicks@gmx.net , GFDL, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Toshiba_T1100_In_Betrieb.jpg)

Im April 1985 kam eine Traummaschine aus Japan auf den europäischen Markt – in den USA erschien sie 1986 – und rettete die Technologie. Der Toshiba T1100 enthielt einen Intel-80C88-Chip, einen Arbeitsspeicher von 256 Kilobyte, lief mit Betriebssystem MS-DOS 2.11 und war voll kompatibel zum populären IBM PC. Er wog wenig mehr als 4 Kilo und verbrauchte so wenig Strom, dass der Akku für einen Betrieb von acht Stunden reichte. Der LCD-Monitor mit 25 Zeilen war unbeleuchtet, doch gut lesbar. Bis zum Jahresende 1985 konnte Toshiba schon 10.000 Exemplare absetzen.

Nixdorf 8810 M15

Nixdorf 8810 M15

Mit dem Toshiba nahm der Laptop-Zug Fahrt auf, und auch Nixdorf stieg ein, nunmehr mit einem richtigen Computer, dessen Technik aber aus Fernost stammte. Der Nixdorf 8810 M15 besaß einen Arbeitsspeicher von 640 Kilobyte und war PC-verträglich. Die Akkus machten ihn sieben Kilo schwer, 1988 kostete er von 6.325 DM (zwei Floppy-Laufwerke) bis 8.785 DM (ein Laufwerk, eine 20-MB-Festplatte). Siemens trat mit einen Laptop namens PCD-2 an, der bereits in der Grundausstattung eine Festplatte dieser Größe mitbrachte. Der Preis betrug stolze 11.680 DM.

Macintosh PowerBook 100

Im Oktober 1991 stellte Apple in Las Vegas die ersten Modelle seiner PowerBook-100-Serie vor, das PowerBook 100, 140 und 170. Mit ihnen schufen die Apple-Designer den vertrauten Stil das Laptops mit der Abdeckung, die genau auf das Chassis passt, und den Ruheplatz für die Hand neben dem Trackball bzw. dem Touchpad. Damit endete eine erstaunliche technische Evolution, die von einem aufgepeppten Taschenrechner zur wohl populärsten Form des persönlichen Computers führte.

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4 Kommentare auf “Auch Laptops haben klein angefangen”

  1. Ulrich Klotz sagt:

    Hier fehlt der Hinweis auf den ersten Apple Portable von 1989 https://de.wikipedia.org/wiki/Macintosh_Portable und auch der Hinweis, dass das erwähnte Powerbook 100 nicht von Apple, sondern von Sony gebaut wurde.

    1. HNF sagt:

      Stimmt, vielen Dank für den Hinweis!

  2. Malte Steckmeister sagt:

    Auch nicht den IBM „portable“ personal computer 5155 vergessen, der nur schlappe 13-14 kg wog! 🙂

    https://www.flickr.com/photos/stecki/albums/72157623135927064

    1. HNF sagt:

      Ein wirklich gewichtiges Teil! Aber nicht unbedingt ein Urahn der Laptops.

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