Computer im Museum (II)

Geschrieben am 10.02.2017 von

Im Juni 2016 brachten wir im Blog bereits einen Beitrag über größere Museen und Museumsabteilungen zur Geschichte des Computers. Seitdem hat sich in der Branche einiges getan. So wurde im sächsischen Hoyerswerda das Zuse-Computer-Museum oder ZCOM wiedereröffnet. In der zweiten Folge unserer kleinen Museumsreihe berichten wir über historische Sammlungen in acht Universitäten und drei Fachhochschulen.

Wer unseren Blog liest, der weiß, dass mancher historische Computer sein aktives Leben an einer Hochschule begann. Das galt besonders für die Zeit, als solche Geräte noch selten waren. Es ist also kein Wunder, dass sich alte Rechentechnik in Universitätssammlungen findet. Im Folgenden haben wir eine Übersicht zusammengestellt. Wie in der ersten Folge unserer kleinen Museumsreihe sind die einzelnen Orte nach Postleitzahlen geordnet.

01069 Dresden. Das Institut für Wissenschaftliches Rechnen der Technischen Universität sitzt im sogenannten Willersbau am Zelleschen Weg 12-14. Es hat zwei Sammlungen. Die erste umfasst 145 Objekte zur Entwicklung mechanischer Rechenmaschinen. Die zweite widmet sich den Digitalrechnern D1, D2 und D4a, die der Computerpionier Nikolaus Lehmann in den 1950er- und 1960er-Jahren konstruierte. Details liefert diese Seite.

10117 Berlin. Gegenüber dem Pergamonmuseum liegt im Haus Am Kupfergraben 5 der medienarchäologische Fundus des Lehrstuhls für Medientheorien der Humboldt-Universität. Wie die Inventarliste verrät, birgt er neben viel analoger Technik auch kleine Computer. Besichtigen kann man sie während der Vorlesungszeit mittwochs von 16 bis 17 Uhr  oder nach Vereinbarung. Noch mehr Informationstechnik findet sich um die Ecke im Signallabor Georgenstraße 47. Es ist aber nur zu Lehr- und anderen Veranstaltungen zugänglich.

10178 Berlin. Früher hieß es interdisziplinäres Forschungszentrum der Humboldt-Universität, heute auf Neudeutsch Center for Applied Statistics and Economics. Es liegt unweit vom Hackeschen Markt in der Spandauer Straße 1 und verfügt über ein Computermuseum. Schwerpunkte sind Apple-Rechner und Notenbücher, Besuche sind nach Vereinbarung möglich. Wer keine Zeit hat, kann sich die im Netz versammelten Videos anschauen.

Kleincomputer D4a in der Sammlung der Technischen Universität Dresden

14770 Brandenburg an der Havel. Ein Computermuseum hat auch der Fachbereich Informatik und Medien der Technischen Hochschule Brandenburg in der Magdeburger Straße 50. Die zuständige Internetseite ist schon älter, klar wird jedenfalls, dass die Sammlung vor allem DDR-Rechner enthält. Von den drei Ansprechpartnern sind offenbar Friedhelm Mündemann und Helmut Kanthack noch erreichbar.

17487 Greifswald. Die rechentechnischen Sammlung der Universität Greifswald und ihre Besucher betreut Holger Irrgang. Ein umfangreicher Katalog von 2008 findet sich hier, ein kürzerer aus jüngerer Zeit hier, ein neuer ist in Vorbereitung. Die meisten Exponate wurden seit 1980 von Professor Werner Schmidt zusammen mit Werner Girbardt in der DDR aufgespürt. Nach 1990 kamen Computer aus Westdeutschland hinzu. In den 2000er-Jahren fanden vor Ort diverse Tagungen zur Geschichte der Rechentechnik statt.

30167 Hannover und 37077 Göttingen. Das geodätische Institut der Leibniz Universität Hannover besitzt historische Sammlungen zur Landvermessung und zur Rechentechnik. Letztere erschließt ein wunderschöner pdf-Katalog. Eine Besichtigung in der Nienburger Straße 1 bitte selbst vereinbaren. Mit der Georg-August-Universität Göttingen ist die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung am Faßberg verknüpft. Ihr Rechnermuseum kann während der normalen Öffnungszeiten inspiziert werden.

64295 Darmstadt. 1928 eröffnete der Mathematiker Alwin Walther in der Technischen Hochschule Darmstadt das Institut für Praktische Mathematik, das erste deutsche Informatik-Institut. Nach seine Tod Anfang 1967 wurde es in Rekordzeit abgewickelt. Das Andenken an Walther hält die Informatiksammlung der 1971 gegründeten Hochschule Darmstadt wach. Sie zeigt auch Lehrmittel, die er einst benutzte. Die Sammlung befindet sich im Fachbereich Informatik in der Schöfferstraße 8b. Besuch nach Vereinbarung.

Ein Abschnitt der Informatik-Sammlung Erlangen

70569 Stuttgart. Raum 0.148 des Informatikneubaus in der Universitätsstraße 38 im Stadtteil Vaihingen belegt das Computermuseum der Fakultät Informatik. Leiter ist Klemens Krause. Die Sammlung ist jeden Dienstag zwischen 16.15 und 18.30 Uhr sowie nach Vereinbarung zugänglich. Zu den Exponaten steht mehr im Online-Katalog. Die meisten Geräte laufen noch. Zu den Schmuckstücken zählen Rollkugeln des Rechners AEG-Telefunkten TR 440, über die wir bereits im Blog berichteten. Auf einem Server der Uni Stuttgart liegen auch Kopien der bekannten Bitsavers-Dokumente zur Computergeschichte.

72076 Tübingen. Die schwäbische Stadt ist der Geburtsort der Informatik, denn hier baute Wilhelm Schickard anno 1623 die erste Rechenmaschine. Nach ihm wurde dann auch das Informatik-Institut der Universität benannt, das sich in den Bergen am Stadtrand erhebt. Das Computermuseum des Instituts liegt auf der 2. Etage am Schnittpunkt der Gebäude Sand 1, 13 und 14. Es ist unter der Woche zwischen 8 und 18 Uhr zugänglich und zeigt Digital-Equipment- und Mikrocomputer. Es können Führungen arrangiert werden.

78120 Furtwangen. Das Rechnermuseum der Hochschule Furtwangen steht laut Homepage nicht nur im idyllischen Schwarzwald, sondern auch neben dem berühmten Uhrenmuseum am Robert-Gerwig-Platz 1. Es zeigt Analog- und Digitalrechner, Rechenmaschinen und ebenso Plexiglasmodelle von ihnen, die in den 1960er-Jahren von Diplomanden der Hochschule entwickelt wurden. Die Türen des Museums öffnen sich aber erst nach Anmeldung – bitte etwas scrollen, dann kommt die genaue Kontaktadresse.

91052 Erlangen. Die letzte Adresse unserer Übersicht haben wir schon vor zwei Jahre besucht, als sie einen Zuse-Computer wieder zum Leben erweckte. Die Informatik-Sammlung Erlangen ISER liegt im Südosten der Stadt und feiert in diesem Jahr den 20. Geburtstag. Die Objekte verteilen sich über das Wolfgang-Händler-Hochhaus, das nach dem gleichnamigen Erlanger Computerpionier benannt ist, sind aber durch den Online-Katalog mustergültig erschlossen. Einen Besuch bitte bei Museumsleiter Guido Nockemann anmelden.

Nachtragen möchten wir noch ein brandneues Computermuseum, das mit keiner Universität oder Fachhochschule verbunden ist – das Dortmunder Binarium. Das „Deutsche Museum der digitalen Kultur“ eröffnete kurz vor Weihnachten; es zeigt mit mehr als 250 Exponaten die Evolution der Spielkonsolen. Bis Ende 2017 soll im Obergeschoss die Mikrocomputer-Geschichte folgen. Eine Übersicht über den Objektbestand liefert das Internet.

Eingangsbild: Signallabor, Medienwissenschaft, HU-Berlin

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