Das Milliardending

Geschrieben am 04.01.2017 von

Vor zehn Jahren, am 9. Januar 2007, stellte Apple-Chef Steve Jobs in San Francisco das iPhone vor. Es war nicht das erste internetfähige Mobiltelefon. Die technischen Innovationen und das elegante Design setzten aber Maßstäbe im Feld der Smartphones. Bis heute wurden mehr als eine Milliarde iPhones gefertigt. Sie machten Apple zur wertvollsten Firma der Welt.

„Heute ist ein Tag, auf den ich mich seit zweieinhalb Jahren gefreut habe. Von Zeit zu Zeit kommt ein revolutionäres Produkt, das alles über den Haufen wirft.“ Mit diesen Worten leitete Steve Jobs am 9. Januar 2007 die Vorstellung der neuesten Attraktion der Firma Apple ein. Es war das iPhone, und nach der Präsentation des Geräts war die Welt der Smartphones nicht mehr dieselbe.

Mobiltelefone, mit denen man fotografieren und im Internet surfen konnte, gab es schon vorher; in unserem Blog haben wir sie beschrieben. Im Jahr 2006 wurden weltweit 64 Millionen Smartphones verkauft. Etwa die Hälfte kam vom finnischen Hersteller Nokia. Apple im kalifornischen Cupertino hatte zu jener Zeit neben Computern nur den MP3-Player iPod herausgebracht. Außerdem kooperierte man mit der Firma Motorola beim Mobiltelefon Rokr, mit dem niemand recht zufrieden war.

Hinter verschlossenen Türen saßen jedoch in Cupertino zweihundert Ingenieure an der Entwicklung eines Smartphones. Das Projekt lief seit 2005 unter dem Namen Purple 2 oder P2. Die Projektteams waren über das Apple-Gelände verstreut; Hardware- und Software-Ingenieure wussten nicht, dass sie am gleichen System arbeiteten. Eingeweiht waren Topmanager der Kommunikationfirma Cingular, die für das Smartphone die Netze bereitstellen sollte. (Seit 2007 heißt die Firma AT&T Mobility.)

Ganz geheim blieben die Aktivitäten nicht. Gegen Ende des Jahres 2006 kochte die Gerüchteküche über. Mitte Dezember legte die Apple-Aktie an der Börse um mehr als drei Prozent zu. Am 8. Januar des Folgejahres begann in San Francisco die Macworld-Messe, die den gleichnamigen Apple-Computern gewidmet war. Für den 9. Januar stand ein Vortrag von Steve Jobs im Programm. Jobs war seit 1997 wieder oberster Apple-Chef, nachdem er 1985 aus der Firma gedrängt worden war.

In den Jahren zuvor hatte Jobs die sogenannte Keynote gerne für wichtige Produktvorstellungen genutzt. Diese wickelte er jedes Mal in Jeans und dunklem Rollkragenpullover ab; dabei sprach er frei und mit unnachahmlicher Rhetorik. Eine Stevenote erinnerte mehr an eine religiöse Versammlung als an ein technisches Referat. Jobs hatte sein Publikum völlig in der Hand. Manche Zuhörer brachen ab und zu in verzückte Schreie aus. Am 9. Januar 2007 sollte es ähnlich sein.

Der Apple-Direktor startete die Keynote mit einem harmlosen Thema, der Apple-TV-Box. Diese wurde auf den heimischen Fernseher gesetzt und führte ihm Inhalte aus dem Internet zu. Nach 22 Minuten begann dann der Hauptteil – die Präsentation des iPhone. Wir lasen bereits die einführenden Worte. Die Enthüllung kleidete Jobs in ein Rätsel, indem er drei neue Gerätschaften ankündigte: einen iPod mit Breitbild, ein revolutionäres Mobiltelefon und ein nie dagewesenes Internet-System. Und bei der zweiten Wiederholung – „Are you getting it?“ – war es allen im Saal klar.

Die drei Geräte waren nur ein einziges, das neue iPhone, mit dem Apple laut Steve Jobs das Telefon neu erfand. In der nächsten Stunde erläuterte er die Details des Systems. Startpunkt war der Touchscreen-Bildschirm, ein „giant screen“ mit 160 Pixel pro Zoll. Es folgten die Zwei-Megapixel-Kamera, der Lautsprecher und das Mikrofon und die raffinierten Sensoren, die unter anderem erkennen, ob das iPhone hochkant oder quer gehalten wird. Das Betriebssystem hieß noch nicht iOS, sondern OS X und basierte auf der gleichnamigen Software für die Mac-Computer.

Der Mikroprozessor des iPhone wurde von Samsung gefertigt, ging aber auf eine Entwicklung der Firma ARM zurück. Deren Wurzeln lassen sich bis zum Mikrocomputerhersteller Acorn zurückverfolgen, der 1978 in Cambridge gegründet wurde. Auch das Design des Geräts hatte einen englischen Vater, den 1967 in London geborenen Jonathan Ive. Die Summe von Technik, Programmierung und Design ergab einen völlig neuen Smartphone-Stil, den nach und nach auch die Konkurrenz übernahm.

Der Verkauf des iPhone begann in den USA am 29. Juni 2007. Die Version mit 4 Gigabyte Speichervolumen kostete 499 Dollar, für 8 Gigabyte musste der Kunde 599 Dollar bezahlen. In Deutschland war das Smartphone ab dem 9. November 2007 für 399 Euro aufwärts erhältlich. Den Vertrieb übernahm die Telekom, die ebenso für das Netz sorgte. Im Juli 2008 eröffnete dann ein wichtiges Element der iPhone-Welt, der App Store für Anwendungsprogramme. Ganz ähnliche Vertriebsplattformen bieten inzwischen auch andere Smartphone-Dienste an.

Bis heute wurden mehr als eine Milliarde iPhones der verschiedenen Generationen verkauft. Man darf wohl sagen, dass es das Vermächtnis von Steve Jobs an die High-Tech-Welt bedeutet. Zugleich schuf er mit seinem Smartphone die vorläufig letzte Evolutionsstufe des Computers. Bis zu seinem Tod im Jahr 2011 nahm Jobs noch mehrere Produktpräsentationen vor. Die „Stevenote“ vom 9. Januar 2007 gilt aber als vorbildlich und beste seines Lebens.

Eingangsbild: Dan Farber, CC BY-NC 2.0

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Ein Kommentar auf “Das Milliardending”

  1. Heinz Rösner sagt:

    Wenn man das Ausmaß der Veränderungen betrachtet, die letztlich durch das iPhone angestoßen wurden, dann hat Steve wahrlich die Welt verändert. Das Smartphone ist zu einem unverzichtbaren, universell einsetzbaren Gerät geworden, dessen Potenzial Steve damals sicher nicht geahnt hat. Ich denke, das ist nur mit der Erfindung der Dampfmaschine, der Elektrizität oder auch des Computers an sich vergleichbar. Warten wir noch einmal 10 oder 20 Jahre ab und sehen, ob der 8.1.2007 zu einem Glückstag oder zum Fluch in der Menschheitsgeschichte wird.

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