Das ZCOM ist da

Geschrieben am 31.01.2017 von

In jungen Jahren lebte Konrad Zuse in Hoyerswerda. 1995 erhielt er die Ehrenbürgerschaft der Stadt. Sie zeigte damals eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Computers. Daraus entstand am Stadtrand ein Museum, das 2013 wieder schloss. Vor wenigen Tagen wurde es größer und schöner an einem neuen Standort wiedereröffnet. Es heißt jetzt Zuse-Computer-Museum oder kurz ZCOM.

Konrad Zuse wurde 1910 in Berlin geboren. Aufgewachsen ist er aber im ostpreußischen Braunsberg und in Hoyerswerda in der Lausitz. Hier besuchte er in den 1920er-Jahren das Gymnasium und machte 1928 das Abitur. In der Umgebung erhielt er bleibende Eindrücke durch großtechnische Anlagen, besonders durch den Braunkohletagebau mit riesigen Baggern und Förderbrücken.

Am 19. September 1995 erhielt Zuse die Ehrenbürgerschaft von Hoyerswerda. Zu diesem Anlass wurde in der Stadt eine kleine Ausstellung zur Geschichte der Rechentechnik aufgebaut. Sie führte zu einer größeren Schau in einem Gewerbegebiet am östlichen Stadtrand. Das Konrad-Zuse-Computermuseum belegte im Erdgeschoss eines Bürogebäudes 350 Quadratmeter; im Obergeschoss entstand ein Archiv für Bücher, Druckschriften und andere Dokumente. Dazu kamen Depots in anderen Häusern.

Das Museum zeigte nach den Rechenhilfsmitteln und der Lochkartentechnik Computer der Zuse KG und des DDR-Kombinats Robotron. Darauf folgten Systeme, die auf den Computerpionier Nikolaus Lehmann zurückgingen; er stammte aus der Oberlausitz und lehrte später in Dresden. Danach sah der Besucher Mikrocomputer aus Ost und West mit einem Schwerpunkt der Firma Apple. Den Abschluss bildeten Nixdorf-Produkte, darunter ein Magnetkontenrechner Nixdorf 820 und ein Terminalsystem Nixdorf 8820.

Nixdorf 8820 im alten Konrad-Zuse-Computermuseum

Terminalsystem Nixdorf 8820 im früheren Konrad-Zuse-Computermuseum

Das Konrad-Zuse-Computermuseum schloss am 1. Juli 2013 seine Pforten. Schon vorher begann die Planung für den Umzug der Sammlung an einen anderen Standort. Dieser liegt im Erdgeschoss eines elfstöckigen Hochhauses in der Neustadt von Hoyerswerda. Hier wurden leerstehende Ladenflächen zu einem Ausstellungsareal von 1.400 Quadratmetern verbunden. Der so geschaffene Raum erhielt neue Glasfassaden und ein Vordach am Eingang. Im gleichen Gebäude sitzt auch die Stadtbibliothek.

Das Haus entstand zu einer Zeit, als Hoyerswerda zu den Zukunftsstädten der DDR zählte. Die Neustadt wurde seit den 1950er-Jahren im Osten der Altstadt angelegt; sie umfasste vor allem Wohnungen für die Arbeiter des Gaskombinats Schwarze Pumpe und ihre Familien. Das Kombinat befand sich zehn Kilometer nordöstlich von Hoyerswerda; es verwertete und veredelte die Braunkohle der Lausitz. Zu ihm gehörten Gaswerke, Kokereien, Heizkraftwerke und Brikettfabriken.

Das neue Zuse-Computer-Museum oder ZCOM eröffnete am 28. Januar diesen Jahres. Wie man sich denken kann, übernahm es viele Exponate vom alten Ort, zum Beispiel die Zuse-Computer Z11, Z22, Z23 und Z25 sowie den Plotter Z64. Es gibt aber auch Neuzugänge, etwa Smartphones und Tablets aus jüngster Zeit. Aus dem Jahr 1959 stammt der Großrechner Siemens 2002. Er lief einst in der RWTH Aachen und stand später im – nicht mehr existierenden – Computermuseum der Hochschule.

Die Kosten des neuen ZCOM belaufen sich auf 3,3 Millionen Euro. Finanzielle Hilfe leisteten die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Klaus Tschira Stiftung, die Firmen Nemetschek SE und Primacom sowie Unternehmen aus der Stadt und ihrer Umgebung. Die Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda stellte die Räumlichkeiten im Hochhaus zur Verfügung. Träger des Museums ist die ZCOM-Stiftung. Geleitet wird es von der jungen Museologin Andrea Prittmann.

Neben dem Museum in der Neustadt kann der Zuse-Freund weitere Erinnerungsorte in der Altstadt von Hoyerswerda entdecken. In der Friedrichstraße Ecke Schulstraße steht die alte Hauptpost, wo die Familie Zuse in den 1920er-Jahren wohnte. In der Braugasse am Markt erhebt sich Konrads ehemaliges Gymnasium. Das Gebäude dient inzwischen als Bürgerzentrum. Nun folgen aber Fotos aus dem ganz neuen ZCOM; aufgenommen hat sie vor Ort HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff.

Das ZCOM-Hochhaus in Hoyerswerda

 

Hardware aus Konrad Zuses Nachbau der Z1

 

Relaisrechner Zuse Z11

 

Transistorcomputer Siemens 2002 von 1959

 

Magnetkontencomputer Nixdorf 820 vor einer Zuse Z25

 

Tschechischer Analogrechner vom Typ MEDA

 

Robotron-Kleinrechenanlage Cellatron C8201

 

Robotron-Supermini K 1840, freie Kopie der VAX 11/780 von Digital Equipment

 

Vitrine der Mikrocomputer aus Ost und West

 

Die Smartphone-Wand…

 

…und die MP3-Welt

 

Konrad-Zuse-Kunstausstellung

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Ein Kommentar auf “Das ZCOM ist da”

  1. Verdient gemacht um die Entstehung des ZCOM hat sich auch der Technikhistoriker, Ausstellungsmacher und heutige HNF-Blogger Dr. Ralf Bülow bei seinem Einsatz im Museumsprojekt in Hoyerswerda. Frau Prittmann und ihren Kolleginnen und Kollegen sei ein guter Start gewünscht!
    Aber dann ist es auch genug mit den Konrad Zuse-„Gedenkstätten“ in Hünfeld, Berlin, Paderborn, München, Kiel, Hoyerswerda, Bautzen.

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