Der Computer in der Kunst

Geschrieben am 27.10.2016 von

Seit Mittwoch dieser Woche zeigt das HNF Werke des Frankfurter Künstlers Peter Schönwandt. Er setzt alte Computertasten zu neuen Pixelbildern zusammen. Das bringt uns zur Frage, wie der Computer in der Kunst dargestellt wurde. Dass Digitalrechner mit dem richtigen Programm Bilder erschaffen, ist bekannt. Aber wie haben Maler, Grafiker, Fotografen und Bildhauer die Maschinen gesehen?

Eines ist sicher: Rechenmaschinen und Computer zählen nicht zu den großen Kunstmotiven. Wer aber genauer hinschaut, findet durchaus Darstellungen der Informatik – oder im Geiste der Informatik – in Bildern, Skulpturen und anderen künstlerischen Formen. Dabei sollen Mathematik, Geometrie, Roboter und Maschinenmenschen draußen bleiben und ebenso Zeichnungen, die mit Computerprogrammen erzeugt und gedruckt wurden.

Das wohl erste Ölgemälde mit einer Rechenmaschine entstand 1823. Urheber war der deutsch-polnische Porträtist Anton Blank. Es zeigt den Uhrmacher Abraham Stern mit einer seiner Erfindungen. Danach kam eine ganze Weile nichts mehr zum Thema. Erst in der Nachkriegszeit schuf der Düsseldorfer Konrad Klapheck gleich mehrere Bilder mit stilisierten Addiermaschinen. Weitere Künstler nennt das Rechnerlexikon. Schöne Fotos von Rechenmaschine nahm Heinrich Heidersberger auf, die bereits in unserem Blog behandelt wurden.

Abraham Stern und seine Rechenmaschine

Abraham Stern und seine Rechenmaschine

Wie sieht es nun bei Computern aus? In den 1960er-Jahren malte der Amerikaner Lowell Nesbitt IBM-Systeme wie den Plattenspeicher-Rechner RAMAC von 1956. Der Kanadier William Fisk brachte 2005 einen hyperrealistischen TRS-80 aus den Siebzigern auf die Leinwand. Der englische Graffiti-Artist Banksy trug 2015 Steve Jobs mit Macintosh in einem Flüchtlingslager in Calais auf. Das sollte daran erinnern, dass Jobs‘ leiblicher Vater aus Syrien in die USA einwanderte. Und im Jahr 2000 schuf der italoschottische Künstler Edoardo Paolozzi seine acht Farbdrucke umfassende Turing-Suite.

Daneben blühte die Satire. Eine weite Verbreitung erfuhren in den 1950er- und 1960er-Jahren die Grafiken von Boris Artzybasheff. Der 1899 in der Ukraine geborene Artzybasheff emigrierte 1919 in die USA. Hier schuf er Illustrationen, die Technik und Computer liebevoll vermenschlichten. Der Mensch, wie er wirklich ist und den Computer liebt, ist Thema des Holländers Marius van Dokkum. Er zeigt alle Altersgruppen vor dem Monitor, Smartphone oder Notebook. Und natürlich gibt es die tollen Nixdorf-Anzeigen von Tomi Ungerer, auf die wir schon im März hinwiesen.

Collagen von Ludwig Fromm im Computermuseum der FH Kiel

Collagen von Ludwig Fromm im Computermuseum der Fachhochschule Kiel

Zu beachten sind auch meisterhafte Fotografien von Computern. Die Amerikanerin Berenice Abbott knipste um 1960 eine Technikerin, die einen IBM-Computer verkabelt. Ihr Kollege Leonard Freed besuchte 1965 Fabriken der IBM Deutschland GmbH in Mainz und Sindelfingen. 1967 reiste der französische Fotograf Henri Cartier-Bresson im Auftrag von IBM um die Welt. Das Resultat war das Buch Mensch und Maschine. Von Heinrich Heidersberger sind ebenfalls IT-Fotos überliefert. Das Silicon Valley und seine Bewohner lichtete der Amerikaner Douglas Menuez ab.

Nach den Gemälden und Fotos kommen wir jetzt zu den Skulpturen. In diese Kategorie fällt der Freundliche graue Computer von Edward Kienholz aus dem Jahr 1965. Man beachte die kleinen Beine am großen Kasten. Das Kunstwerk konnte nicht rechnen, besaß aber eine rudimentäre Intelligenz. Der Betrachter konnte eine Frage in den aufgehängten Telefonhörer sprechen, und die Antwort erfolgte durch Aufleuchten der Ja- oder der Nein-Lampe. Der graue Computer wird im Museum of Modern Art in New York verwahrt, aber nicht ausgestellt.

Skulptur von Petrus Wandrey in Norderstedt

Skulptur von Petrus Wandrey in Norderstedt (Foto Petrus Wandrey, CC BY-SA 3.0 )

Die Arbeit von Kienholz eröffnete eine technikbegeisterte Strömung in der US-Kulturszene. 1967 gründeten Künstler und Ingenieur die Gruppe Experiments in Art and Technology E.A.T. Sie befasste sich mit kinetischen, elektrischen, optischen, netz- und videobasierten Kunstaktionen. 1968 baute E.A.T. im New Yorker Brooklyn Museum eine Ausstellung Some More Beginnings auf, 1970 bespielte sie den Pepsi-Pavillon auf der Weltausstellung in Osaka. Das Archiv der Gruppe ist online. 2015 zeigte das Museum der Moderne in Salzburg eine große Retrospektive; das Bildmaterial gibt es hier.

Aus jüngster Zeit stammt das Steve-Jobs-Mosaik des kalifornischen Künstlers Jason Mercier. Die Grundlage des Werks bildete das Porträt, das der amerikanische Fotograf Albert Watson 2006 aufnahm. Wie ein begeisterter Netz-Reporter schrieb, zerstückelte Mercier dafür 20 (amerikanische) Pfund Hardware. Etwas ordentlicher wirken die Computercollagen des Kieler Kunstprofessors Ludwig Fromm. Sie hängen seit 2011 im Foyer des Computermuseums der örtlichen Fachhochschule.

PixelKunst von Peter Schönwandt - erkennen Sie die dargestellte Person?

PixelKunst von Peter Schönwandt – erkennen Sie die dargestellte Persönlichkeit?

Der bekannteste deutsche Computerkünstler war Petrus Wandrey. 1939 in Dresden geboren, lebte er bis zu seinem Tod im Jahre 2012 in Hamburg. 1978 erfand er den Digitalismus, den in vielen Spielarten realisierte. Wandrey blieb nicht der einzige Vertreter jener Kunstform. In der Schweiz wirkt der Digitalmaler Matthias Zimmermann und in Frankfurt der PixelKünstler Peter Schönwandt. Seine Werke kann man bis zum 27. November – bei freiem Eintritt – im Foyer des HNF bewundern.

Zum Schluss unseres computertechnischen Galeriebesuchs bleibt noch der Hinweis auf den US-Maler Brian Alfred, der Computer klassisch-realistisch erfasste. Ihm verdanken wir unser Eingangsbild. Wer es kaufen möchte: hier geht es zur Homepage des Künstlers.

Teilen:Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on Google+Email this to someone

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

3 Kommentare auf “Der Computer in der Kunst”

  1. Simone Guski sagt:

    Der „freundliche graue Computer“ mit seinen Boxen als Augenpartien von Edward Kienholz erinnert mich an den Affen von Picasso, eine Skulptur, die sich aus lauter Gerätschaften zusammensetzt und dessen Mundpartie von dem Vorderteil einer Spielzeugkarosse gebildet wird. Eine Aneignung der Technik eigener Art. – Technophagie als Methode!

  2. Inzwischen gibt es noch mehr Kunst im Computermuseum der Fachhochschule Kiel.
    Schauen Sie doch mal rein – Sa+So 14-18 Uhr oder bei
    http://www.fh-kiel.de/index.php?id=kunstimmuseum

  3. Das Heinz Nixdorf MuseumsForum präsentierte im Jahr 2005 eine künstlerische Auseinandersetzung mit den Herzstücken des Informationszeitalters. „Chips of History“ hieß die Ausstellung mit Werken von Emil Schult, einem Schüler von Joseph Beuys und Gerhard Richter.

    Schult hat sich seit Jahren künstlerisch mit der Ästhetik und Technik von Computerchips auseinander gesetzt. Als Hinterglasmalerei in großen Formaten vermitteln die Bilder und Objekte einen hyperrealistischen Eindruck zwischen Computergrafik und Fotorealismus. Die Hinterglasbilder bestechen gleichzeitig durch ihre Präsenz und Unantastbarkeit. Das HNF erwarb zwei Werke von Schult für seinen Forumsbereich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code