Der Mann des Jahrtausends

Geschrieben am 02.02.2018 von

1997 erklärte das Magazin TIME die Druckkunst zur größten Erfindung des zu Ende gehenden Jahrtausends. Im Jahr 2000 feierte Deutschland den 600. Geburtstag ihres Erfinders Johannes Gutenberg. Auch 2018 ist ein Gutenberg-Jahr. Am 3. Februar 1468, vor 550 Jahren, starb er in seiner Vaterstadt Mainz. Seine Schöpfung veränderte wie kaum eine andere Technik die Welt.

Eigentlich hieß er Henne Gensfleisch; die Welt kennt ihn als Johannes Gutenberg. So nannte er sich in den 1430er-Jahren, als er in Straßburg lebte. Jener Name stammt vom Hof zum Gutenberg in Mainz, wo er um 1400 geboren wurde. Sein Vater Friele – was Friedrich heißt – Gensfleisch gehörte zur besseren Gesellschaft der Stadt. Wahrscheinlich besuchte Henne eine Klosterschule, vielleicht auch die Universität. In Straßburg arbeitete er später als Goldschmied oder als Schleifer von Halbedelsteinen.

Um 1448 kehrte Gutenberg nach Mainz zurück. Nun vollendete er seine Erfindung: die Druckpresse und die metallenen Drucktypen. Geld erhielt er unter anderem vom Kaufmann Johannes Fust. 1450 klappte das Verfahren, ab 1452 entstanden die berühmten Bibeln. 1455 war der Erfinder aber bankrott, und Fust übernahm die Werkstatt. Ein neuer Gönner verhalf Gutenberg zur zweiten Druckerei. 1465 trat er in den Dienst des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Adolf von Nassau. Er starb am 3. Februar 1468 in seiner Geburtsstadt.

Der Erstdruck ist geglückt: Johannes Gutenberg in seiner Werkstatt

Johannes Gutenberg gilt mit Recht als Schöpfer der neuzeitlichen Druckkunst. Sie erlaubte die Massenproduktion von Büchern, Zeitungen und Flugschriften. Sie revolutionierte die Verbreitung von menschlichem Wissen wie auch von politischen und religiösen Inhalten. Damit leistete sie oft entscheidende Hilfe bei gesellschaftlichen Veränderungen aller Art. Bestes Beispiel dafür ist die Reformation. Ohne die gedruckten Bibelübersetzungen, Broschüren und Flugblätter wäre sie nicht möglich gewesen.

Schon im 9. Jahrhundert wurden in China buddhistische Texte mit Holzblöcken gedruckt. 1377 verwendeten Buddhisten in Korea Lettern aus Metall. Das Verfahren war jedoch umständlich und die Auflage gering. Eine Gutenberg-Druckerei benötigte zwar einiges Startkapital, konnte aber zu nachhaltigen finanziellen Erträgen führen. Seine Technik eroberte in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts Westeuropa, Italien und Spanien. 1539 arbeitete eine Druckpresse in Mexiko, 1638 lief die erste in Nordamerika.

Finger weg! Die dreibändige Gutenberg-Bibel der Library of Congress in Washington

Der Erfolg des Buchdrucks verdankt sich auch der Tatsache, dass das Verfahren von Anfang an funktionierte. Für den Guss der Drucktypen entwickelte Gutenberg eine Legierung aus Blei, Zinn, Antimon und Wismut. Die erforderliche Gussform, die Matrize, wurde zuvor durch Einschlagen von Stahlstempeln in ein weiches Metall erzeugt. Eine Paste aus Leinölfirnis und Ruß erwies sich als praktikable Druckerschwärze. Eine Vorform der Druckpresse fand Gutenberg schon in der Papierherstellung oder beim Keltern von Wein.

Das erste größere Druckwerk Gutenbergs war bereits perfekt. Die lateinische Bibel mit 42 Zeilen pro Seite kam zwischen 1452 und 1454 heraus; sie zählt zu den schönsten Büchern aller Zeiten. Von den 180 Exemplaren der Erstauflage sind noch 49 erhalten. Platz zwei in der ewigen Bestenliste der gedruckten Bücher dürfte die First Folio belegen. Die komplette Ausgabe der Werke William Shakespeares im Folio-Format erschien 1623. Von den 750 Sammlungen haben 235 bis heute überlebt.

Gott grüß die Kunst – die Druckabteilung des HNF

Von Johannes Gutenberg sind weder handschriftliche Zeugnisse noch authentische Portraits bekannt. Unsere Zeichnung vom ersten geglückten Druck ist also rein fiktiv. 2017 strahlten das deutsche und das französischen Fernsehen den langen Film „Gutenberg – Genie und Geschäftsmann“ aus; er liegt auch auf YouTube vor. Auf www.gutenberg.de weist die Stadt Mainz auf Veranstaltungen hin, die im Umfeld des 550. Todestags ihres größten Sohnes stattfinden. Dort steht ebenso das Gutenberg-Museum mit zwei Gutenberg-Bibeln.

Das HNF besitzt leider keine einzige, aber immerhin ein Reprint und einen kleinen Bereich zu Meister Gensfleisch und seinen Nachfolgern. Er umfasst Setzkästen für den Handsatz und eine gusseiserne Albion-Press-Buchdruckpresse aus London, Baujahr 1843. Unser Eingangsbild oben zeigt die rechte Seite eines Gutenbergschen Winkelhakens, auch Kelle genannt. Er hält die Lettern für eine Zeile auf dem Papier. Erkennen Sie, wessen Name gedruckt werden soll?

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