Der Videorekorder – ein Rückblick

Geschrieben am 16.08.2016 von

Über mehr als 50 Jahre erstreckt sich die Geschichte des privaten Videorekorders. Philips stellte 1964 ein Gerät vor, das für einen Einsatz außerhalb von TV-Sendern gedacht war. Ab 1969 kamen andere Systeme hinzu. Im Krieg der Formate siegte dann VHS. Ende Juli 2016 schloss die japanische Firma Funai, der letzte Hersteller von VHS-Rekordern, ihre Produktion.

Vermisst hatte sie kaum noch jemand, dennoch verbreitete sich die Meldung schnell. Die japanische Firma Funai, so hieß es am 21. Juli, würde die Fertigung von Videorekordern für die private Nutzung am Monatsende beenden. Funai war der letzte Hersteller solcher Geräte. In den besten Zeiten hatte man 15 Millionen pro Jahr verkauft. 2015 sank der Absatz aber auf 750.000 Stück.

Damit endete die Karriere einer Technik, die vor 52 Jahren mit den Worten „Gestern Utopie – heute Wirklichkeit!“ begonnen hatte. Sie leiteten eine Pressemitteilung des holländischen Philips-Konzern vom 18. September 1964 ein. Ihr Thema war der video-recorder 3400, den Philips auf der Deutschen Industrie-Ausstellung in Berlin vorstellte. Das Gerät wog 45 Kilo und maß 63 x 38,4 x 42 cm. Es konnte eine 45 Minuten lange Fernsehsendung oder ein selbst aufgenommenes Video speichern und später auf einem angeschlossenen Fernseher wiedergeben.

Der Rekorder kostete knapp 7.000 DM. Er leistete im Prinzip das gleiche wie die sündteuren Aufzeichnungsmaschinen der TV-Sender. Sie verbreiteten sich in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren. Das Urmodell, der Ampex VRX-1000, war 1956 in den USA konstruiert worden. Das Grundprinzip der Videoaufzeichnung, das Schrägspurverfahren, geht auf den deutschen Ingenieur Eduard Schüller zurück. In England entstand 1962 ein Videorekorder mit Audio-Tonband und Normalspur, der Telcan, der aber schnell vom Markt verschwand.

Philips zögerte noch, sein neues Produkt für das heimische Wohnzimmer anzupreisen. Lieber wies man auf Schulen und Theater sowie auf Forschung, Industrie und Geschäftsleben hin. Man dachte auch an die Nutzung in Kliniken, teils für das Aufnehmen von Operationen, teils für das Abspielen von TV-Sendungen in Krankenzimmern. Der SPIEGEL malte sich dagegen schon aus, wie die Zuschauer „Kopfballtore deutscher Balltreter wie mahnende Worte zum Sonntag“ konservieren könnten.

PhilipsPM+

Foto: www2.philips.de

Der Philips 3400 verwendete ein Magnetband mit der Breite 2,54 cm alias einem Zoll. Die Nachfolger Philips LDL 1000 und 1002 kamen 1969 heraus und arbeiteten mit einem halbzölligen Band. Das galt auch für das Schwestermodell BK 100 von Grundig, das nur noch 1.900 DM kostete. 1971 erschienen dann die VCR-Geräte der beiden Firmen. Sie bildeten das erste erfolgreiche Heimvideosystem. Die Videobänder steckten jetzt in Kassetten, auf die Schwarzweiß- und Farbsendungen von einer Stunde passten. Später folgten sogenannte Longplay-Modelle.

Doch die Konkurrenz im Fernen Osten schlief nicht. 1971 präsentierte Sony das U-matic-System; es benutzte ein Band mit einer Breite von dreiviertel Zoll. Den Einstieg in den Konsumentenmarkt schaffte Sony 1975 mit den Betamax-Geräten, die ab 1978 in Westdeutschland verkauft wurden. Schon 1977 konnten die Bundesbürger das VHS-System von Panasonic testen. Die japanischen Videorecorder spielten Kassetten ab, die einen kompletten Kinofilm speicherten. Grundig und Philips antworten 1979 mit dem neuen Standard Video 2000, der vergleichbare Leistungen anbot.

Nun entwickelte sich der Krieg der Formate, den VHS gewann. 1980 hielten Panasonic und seine japanischen und deutschen Partnerfirmen die Hälfte des Marktes. 1986 beherrschten sie 93 Prozent, und das System etablierte sich als Standard für private Nutzer. Nach den goldenen Jahrzehnten des analogen Videorekorders – den Achtzigern und Neunzigern – begann im 21. Jahrhundert ein neuer Formatkrieg gegen die digitale DVD. Das Ergebnis ist bekannt.

In den Fotos unten stellen wir herausragende Hardware aus der Evolution des Videorekorders vor. Unser Eingangsbild zeigt den N1500 von Philips, das erste Mitglied der VCR-Familie. Einen guten Eindruck von der Erwartungen jener Zeit vermittelt eine SPIEGEL-Titelgeschichte vom Juli 1971.

 

Das Ampex-Team mit seinem Rekorder; Zweiter von links ist Ray Dolby (Foto Ampex)

Das Ampex-Team mit seinem Rekorder; Zweiter von links ist Ray Dolby (Foto Ampex)

video-recorder 3400 von Philips aus dem Jahr 1964 (Foto Philips)

video-recorder 3400 von 1964 (Foto www2.philips.de)

Philips LDL 1002 aus dem Jahr 1969 (Foto Philips)

Philips LDL 1002 aus dem Jahr 1969 (Foto www2.philips.de)

Philips N1500 aus den frühen Siebzigern (Foto Philips)

Philips N1500 aus den frühen Siebzigern (Foto www2.philips.de)

Sony Betamax C7 für die französische SECAM-Norm

Sony Betamax C7 für die französische SECAM-Norm

VHS-Videorekorder vom japanischen Hersteller JVC

VHS-Videorekorder vom japanischen Hersteller JVC (Foto Groink, CC BY-SA 3.0 )

Video-2000-Gerät von Philips von 1979 (Foto Philips)

Video-2000-Gerät von 1979 (Foto www2.philips.de)

Eingangsbild: www2.philips.de

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2 Kommentare auf “Der Videorekorder – ein Rückblick”

  1. werner sagt:

    ich vermisse den Sony pv 100 . der soll auch für heimanwender gedacht sein

    http://www.labguysworld.com/Cat_Sony002.htm

    der wurde schon 1962 vorgestellt

    https://blog.sony.com/2015/05/flashback-friday-vtr-pv-100-2/

    1. HNF sagt:

      Stimmt, haben wir übersehen. Vielen Dank für den Hinweis!

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