„Schnell und unsauber“ zum Erfolg

Geschrieben am 01.06.2016 von

Tim Paterson ist der Schöpfer des „Quick and Dirty Operating System“ QDOS. Bill Gates erwarb 1980 sein Betriebssystem, und als DOS wurde es zum Grundstein des Microsoft-Erfolgs. Paterson stammt wie Gates aus Seattle, der Metropole im Nordwesten der USA. Seine Software machte ihn aber nicht zum Milliardär. Am 1. Juni feiert er seinen 60. Geburtstag.

Bücher haben ihre Schicksale, sagten die alten Römer. Das Gleiche gilt für Software, ein schönes Beispiel ist das Betriebssystem QDOS. Es prägte tiefgreifend die Welt der Mikrocomputer. Sein Urheber, der Amerikaner Tim Paterson, wird am 1. Juni sechzig Jahre alt.

Paterson wuchs in Seattle im nordwestlichen Bundesstaat Washington auf und ging im gleichen Stadtteil zur Schule wie der wenig ältere Bill Gates. Allerdings besuchte er kein teures Privatgymnasium, sondern eine normale High School, die in der Vergangenheit vor allem Sportskanonen hervorbrachte. Nach dem Schulabschluss studierte Paterson bis 1978 an der Universität von Washington Informatik und erwarb einen Bachelor. Im Juni des Jahres nahm er eine Tätigkeit als Ingenieur in der Hardwarefirma Seattle Computer Products SCP auf.

SCP bot primär Speicherkarten für die erste Generation von 8-bit-Computern an. Kurz nach seinem Arbeitsbeginn erfuhr Tim Paterson vom neuen Mikroprozessor Intel 8086, der mit 16 bit rechnete. Er schlug seinem Chef eine Prozessorkarte mit diesem Chip vor, sozusagen einen kleinen Computer zum Einschrauben. Im Mai 1979 fertigte Paterson den ersten Prototypen, im November kam die Karte in den Handel. Die einzige dafür erhältliche Software war eine 16-bit-Version der Programmiersprache BASIC von der Firma Microsoft.

Als Nächstes entwickelte Tim Paterson zusammen mit Microsoft die Z80 SoftCard. Die Karte enthielt den 8-bit-Pozessor Z80 von Zilog und wurde in den Computer Apple II eingesteckt. Auf diese Weise konnte er mit dem populären Betriebssystem CP/M und dafür angebotene Programmen operieren. CP/M ging auf den Informatiker Gary Kildall zurück, der in Kalifornien mit seiner Ehefrau Dorothy die Firma Digital Research leitete. In der Mikrocomputerszene galt er als Autorität für Software.

Was Digital Research nicht lieferte, war ein Betriebssystem für die Intel-8086-Karte von SCP. Das schrieb Tim Paterson dann selbst zwischen April und August 1980. Es hieß zunächst Quick and Dirty Operating System, kurz QDOS, was das deutsche „schnell und unsauber erstellte Betriebssystem“ nur unvollkommen wiedergibt. QDOS erinnert auch an das englische kudos, das ein dickes Lob bedeutet. Ende 1980 bekam die Software aber den Namen 86-DOS. Die letzte von SCP ausgelieferte Version umfasste rund 4.000 Programmzeilen; sie erschien im Herbst 1981.

Zu diesem Zeitpunkt hatten sich einige Dinge ereignet, die Computergeschichte schrieben. Ende 1980 erwarb Microsoft für 25.000 Dollar eine Lizenz zur Nutzung von 86-DOS. Am 27. Juli 1981 kaufte man die komplette Software für 50.000 Dollar. Am 12. August enthüllte IBM den Personal Computer. Er enthielt einen Intel-Chip vom Typ 8088, einem Abkömmling des Intel 8086, und lief mit dem Betriebssystem PC-DOS, das auf 86-DOS basierte. Denn der Software-Lieferant des IBM PC hieß Microsoft.

Tim Paterson verließ Seattle Computer Products im April 1981 und arbeitete von Juli bis zum folgenden April für Microsoft. Man kann sich denken, womit er sich dort beschäftigte. Der IBM PC wurde zu einem Verkaufsschlager und führte zu neuen kompatiblen Computermarken, die mit einem Microsoft-Betriebssystem namens MS-DOS liefen. Der Hauptgewinn fiel Bill Gates zu, der bei den Verträgen mit IBM aufgepasst und sich alle Rechte für die Weiterentwicklung von 86-DOS gesichert hatte.

Ab 1982 war Paterson teils bei Microsoft, teils bei SPC und teils beim eigenen Unternehmen Falcon Technology tätig. 1998 startete er die Firma Paterson Technology, die er bis heute betreibt. Auf der Homepage findet sich ein Link zu Artikeln über die DOS-Geschichte. Von 2007 bis 2011 unterhielt er auch einen Blog. In der Freizeit fuhr er Rallyes mit Autos der Marke Mazda, die von Wankelmotoren angetrieben wurden. Was ihn mit Heinz Nixdorf verbindet, der bekanntlich einen NSU Ro 80 besaß.

Paterson wurde nicht Milliardär, leitete aber in der nuller Jahren das Team WhoopAss aus siegreichen Kampfrobotern, was Bill Gates nie schaffte. Bestes Pferd im Stall war der HexaDecimator, der mit seinem starken Arm die Gegner aushebelte. In unserem Video sieht man auch den glücklichen Teamchef. Die Battlebots haben ausgekämpft, Tim Paterson wünschen wir aber noch viel Erfolg in der Computertechnik und alles Gute zum 60. Geburtstag.

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