Zum 90. Geburtstag von Heinz Nixdorf

Geschrieben am 09.04.2015 von

Am 9. April 1925 wurde in Paderborn Heinz Nixdorf geboren, der spätere Gründer und Leiter des Labors für Impulstechnik und der Nixdorf Computer AG, in den 1980er Jahren viertgrößter Computerhersteller Europas. Er starb am 17. März 1986; zehn Jahre später, am 24. Oktober 1996, eröffnete in der früheren Zentrale seiner Firma das Heinz Nixdorf MuseumsForum.

Heinz Nixdorf stammte aus kleinen Verhältnissen. Am 9. April 1925 wurde er als erstes von fünf Kindern von Änne und Walter Nixdorf geboren, der sein Geld als Geschäftsreisender verdiente. Seit 1931 oft arbeitslos, erhielt er erst 1939 eine feste Stelle bei der Reichsbahn in Paderborn. Er fiel 1944 im Krieg. Die Armut der Familie und der 2. Weltkrieg, an dem auch Heinz Nixdorf noch teilnahm, führten dazu, dass er erst 1947 sein Abitur machen konnte.

Danach studierte Nixdorf in Frankfurt Physik und BWL. In einem Praktikum beim deutschen Zweig der amerikanischen Firma Remington-Rand, die auch Lochkartenmaschinen vertrieb, traf er 1951 den Physiker Walter Sprick, der zuvor in Kiel einen Elektronenrechner für Multiplikationen entwickelt hatte. Nixdorf beschloss daraufhin, sein Studium abzubrechen und eine kleine Elektronikfirma zu gründen, wobei er auf das Fachwissen von Sprick zurückgreifen konnte.

Das Labor für Impulstechnik startete am 1. Juli 1952 in Kellerräumen der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG in Essen. Nach Fertigstellung des ersten elektronischen Rechengeräts für die RWE 1954 erweiterte sich der Kundenkreis, und 1959 zog die aufstrebende Firma nach Paderborn um. Sie arbeitete primär als Zulieferer; Hauptabnehmer für Heinz Nixdorfs Recheneinheiten und Büromaschinenkerne war die Kölner Firma Exacta, die ab 1963 den Namen Wanderer Werke trug.

1968 übernahm Heinz Nixdorf, der über genügend Kapital sowie Rückhalt bei den Banken verfügte, die Wanderer Werke und fusionierte sie am 1. Oktober 1968 mit dem Labor für Impulstechnik zur Nixdorf Computer AG. Der für seinen alten Kunden entwickelte Bürocomputer Wanderer Logatronic wurde als Nixdorf 820 zum ersten Erfolgsmodell der neuen Firma. Ein anderes Wanderer-Modell, der druckende Tischrechner Conti, brachte Heinz Nixdorf zum ersten Mal in den SPIEGEL.

Die Nixdorf 820 und die in den 1970er Jahren folgende 88xx-Serie von Minicomputern – hierzulande sprach man auch von „Mittlerer Datentechnik“ – führten zu einem beispiellosen Wachstum der Firma, die 1971 ein neues Verwaltungsgebäude an der Fürstenallee bezog. 1977 kletterte der Umsatz über eine Milliarde DM, 1986 lag er weltweit bei 4,5 Milliarden DM. Damit war Nixdorf der viertgrößte Computerbauer Europas mit Tochtergesellschaften in 44 Ländern und insgesamt 25.500 Mitarbeitern.

Heinz Nixdorf, Vater von drei Söhnen, starb am 17. März 1986 bei einer Veranstaltung seiner Firma auf der CeBIT. Nachfolger an der Firmenspitze wurde sein Vertrauensmann Klaus Luft, der aber nicht verhindern konnte, dass die NCAG 1990 die Eigenständigkeit verlor und mit der Computersparte von Siemens in der Siemens Nixdorf Informationssysteme AG aufging. Nach weiteren Schrumpfungen, Schließungen und Neuordnungen entwickelte sich daraus die erfolgreiche Wincor Nixdorf AG, die Hard- und Software für Banken und Handelsunternehmer produziert.

Das wichtigste Erbe von Heinz Nixdorf ist sein Beitrag zur „Computerisierung“ der Bundesrepublik und von Westeuropa; dazu kommen die vielfältigen Initiativen und Impulse für die Stadt und den Kreis Paderborn, die er – hier sei das Stereotyp gestattet – in die Zukunft führte. Erinnern wollen wir aber auch an die von ihm begonnene Sammlung von historischen Schreibmaschinen, Rechengeräten und Computern, die am 24. Oktober 1996 den Start des Heinz Nixdorf MuseumsForum ermöglichte.

Wer Genaueres zu seinem Leben wissen will, muss im Moment noch zur älteren Vita von Klaus Kemper greifen, die es im HNF-Museumsshop gibt; eine neue Biographie ist in Vorbereitung. „Heinz Nixdorf – Lebensbilder“ stehen zum Download bereit, empfehlen können wir außerdem den Heinz-Nixdorf-Text der Neuen Deutschen Biographie sowie den charmanten Artikel der ZEIT aus dem Jahr 1984, „Der knorrige Patriarch der Elektronik“. Eine bislang unbekannte Seite von Heinz Nixdorf wird zu den Paderborner Fototagen erstmals sichtbar: Heinz Nixdorf als Fotograf, der nicht nur seine private Umgebung im Bild festgehalten hat, sondern auch die Entwicklung seines Unternehmens und der Firmengebäude abgelichtet hat. Und am Freitag, 5. Juni wird das WDR Fernsehen zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr Heinz Nixdorf mit der brandneuen Dokumentation „Der Computerkönig aus Paderborn“ würdigen.

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