50 Jahre Taschenrechner

Geschrieben am 21.03.2017 von

Am 29. März 1967 übergab der Ingenieur Jack Kilby seinem Chef, dem Direktor der Elektronikfirma Texas Instruments, den von ihm entwickelten Cal Tech. Er war der erste kleine Rechner für die Grundrechenarten, der mit Mikrochips arbeitete. Die Ergebnisse erschienen auf einem Papierstreifen. 1970 brachte die japanische Firma Canon eine Serienversion des Rechners heraus, den Pocketronic.

Die Mikroelektonik beginnt mit der integrierten Schaltung. Sie verschmilzt eine Anzahl Transistoren, die wichtigsten elektronischen Schaltelemente, zu einem einzigen Bauteil. Dieses kann Daten speichern oder logische Operationen ausführen. Es besteht vor allem aus Silizium und heißt Chip. Die Chips werden mit chemischen und physikalischen Techniken gefertigt, die im Lauf der Zeit immer mehr Transistoren auf der gleichen kleinen Fläche unterbrachten. Inzwischen passen Milliarden auf wenige Quadratzentimeter.

Die erste integrierte Schaltung bastelte der Ingenieur Jack Kilby 1958 im Labor von Texas Instruments in Dallas; auf einem Glasplättchen saß ein Stück Germanium mit Drähten dran. 1959 fertigte der Physiker Robert Noyce in der kalifornischen Firma Fairchild eine Schaltung aus Silizium. Die „monolithische“ Bauweise mit mehreren Schichten ermöglichte eine stetige Verkleinerung und die immense Massenproduktion. Noyce zählte 1968 zu den Gründern des Chipunternehmens Intel. Kilby erhielt im Jahr 2000 den Nobelpreis.

Jack Kilby (Foto Texas Instruments)

In den 1960er-Jahren suchte die Elektronikindustrie noch Käufer ihrer neuen Schaltungen. Patrick Haggerty, der Direktor von Texas Instrument, kam 1965 auf die Idee, sie in einem Minirechner einzusetzen. Damals gab es bereits Rechenmaschinen mit elektronischen Schaltelementen, doch wurden diese einzeln montiert. 1961 erschien die englische Anita auf dem Markt; sie operierte mit kleinen Röhren. Die Canola der japanischen Firma Canon, die IME aus Italien und andere Geräte rechneten ab 1964 mit Transistoren. Ihre Resultate wurden mit Leuchtziffern angezeigt.

Nach dem Auftrag von Pat Haggerty machten sich Jack Kilby und sein Team im TI-Labor an die Arbeit. Im Frühjahr 1967 lag das Resultat vor. Cal Tech bestand aus Aluminium, war 10,8 cm breit, 15,6 cm lang und 4,4 cm dick und wog zweieinhalb Pfund. Der Name war eine reine Projektbezeichnung und hatte nichts mit der Hochschule in Kalifornien zu tun. Der Rechner beherrschte die vier Grundrechenarten mit maximal sechsstelligen Eingaben. Die Ausgabe geschah auf einem Papierstreifen, auf den ein Thermodrucker Ziffern einbrannte.

Beim Öffnen erkennt man die vier integrierten Schaltungen (Foto Texas Instruments)

Im Inneren des Cal Tech saßen vier integrierte Schaltungen und ein kleiner Akku. Am 29. März 1967 wurde dem Texas-Instruments-Chef der Prototyp übergeben, der im Eingangsbild oben zu sehen ist. Er befindet sich heute in der Sammlung der Smithsonian Institution in Washington. Die Serienproduktion des Cal Tech übernahm die Firma Canon; im April 1970 brachte sie in Japan den Pocketronic heraus, siehe unten. Auf den amerikanischen Markt kam der Rechner Anfang 1971. Hier kostete er knapp 400 Dollar.

Der Cal Tech war das erste Versuchsmodell eines Taschenrechner. Man kann sich streiten, ob der Pocketronic schon ein richtiger war. So klein war er ja nicht, und es fehlten die LED-Ziffern. Die leuchtete 1971 im HANDY-LE des japanischen Herstellers Busicom.  In Japan kamen beinahe zeitgleich der Sanyo ICC-82D – die ersten Modelle der Serie besaßen noch Nixie-Röhren für die Zahlen – und der Sharp EL-8 auf den Markt. In Deutschland kosteten sie jeweils rund 2.000 DM.

Canon Pocketronic (Foto Mister rf, CC BY-SA 4.0)

1972 führte Texas Instruments den ersten Taschenrechner eigener Fertigung ein. Den TI-2500 gab es für 119,95 Dollar; die Zahlen zeigte er mit Leuchtdioden an. Im gleichen Jahr erschien der HP-35 von Hewlett-Packard. Er war der erste wissenschaftliche Taschenrechner mit trigonometrischen, logarithmischen und Exponentialfunktionen. Der HP-65 von 1974 ließ sich programmieren. Daneben hielten sich die japanischen Hersteller. Aber auch deutsche Firmen mischten im Taschenrechnergeschäft mit wie die Hamburger Aristo-Werke.

50 Jahre nach Jack Kilbys Cal Tech sehen viele Taschenrechner noch so aus wie damals. Einige nähern sich mit der schmalen Form und einem Display, auf dem Funktionsgraphen Platz haben, dem Handy-Design an. Wer noch mehr sehen möchte, findet über 700 Geräte in einer großen Vitrine im HNF. Der Aufstieg des Taschenrechners, das sei nicht verschwiegen, beendete die Karriere eines anderen handlichen Rechengeräts, des Rechenschiebers. Aber manchmal gibt es leider auch Verlierer in der Evolution der Technik.

Eingangsbild: National Museum of American History

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