Der Computer am Handgelenk

Geschrieben am 30.04.2015 von

Im jüngster Zeit bieten immer mehr IT-Firmen kleine vernetzte Computer an, die man sich ums Handgelenk schnallen kann. Die „Smartwatch“ wurde aber schon vor über 70 Jahren geboren, als Schweizer Firmen Armbanduhren mit analogen Rechenscheiben auf den Markt brachten, und die Geschichte der digitalen Verwandten ist verwickelter als es die Botschaften der Werbung glauben machen.

James-Bond-Fans kennen die Szene: Im Film „Der Spion, der mich liebte“ erhält 007 auf der Skihütte eine vom Geheimdienst gefunkte Nachricht, die von seiner Digitaluhr empfangen und ausgedruckt wird. Worauf sich der Superagent sofort anzieht, der Freundin Lebewohl sagt („James, ich brauche Dich.“ – „England auch!“) und zu neuen Taten aufbricht.

Das war 1977, doch sind Armbanduhren mit Zusatzfunktionen einige Jahre älter. 1942 verkaufte die Schweizer Firma Breitling ihren Chronomat, dessen Ziffernblatt von logarithmischen Skalen umgeben war. Im Laufe der Zeit brachten weitere Hersteller solche Uhren heraus, die alle wie ein kreisförmiger analoger Rechenstab funktionieren – hier gibt es ein Java-Applet zum Ausprobieren. Zu beachten ist dabei, dass manche Modelle eine invertierte Log-Skala besitzen.

Die ersten Armbanduhren mit eingebautem Digitalrechner waren die Pulsar und die Uranus, die beide 1975 in den USA herauskamen. Zwei Jahre später stellte dann die kalifornische High-Technology- und Taschenrechnerschmiede Hewlett Packard ihr „wrist instrument“ HP-01 vor, das oben auf unserem Foto zu sehen ist. Es wird wie die Pulsar mit einem Stift bedient, womit man die Knöpfchen drückt. Die HP-01 verkaufte sich schlecht, die Produktion endete schon 1979.

1977 erschien die erste japanische Uhr mit digitalen Rechenfähigkeiten, bald kamen andere Typen mit Speicher- und Spielfunktionen hinzu. Und vergessen wir nicht den integrierten Fernseher von Seiko, der 1983 im James-Bond-Streifen „Octopussy“ auftauchte, siehe das Ende dieses Clips. Im Folgejahr beglückte Seiko die Uhrmacherwelt mit der UC-2000, die man mit der Datenbank UC-2100 oder dem druckenden 8-bit-Mikrocomputer UC-2200 kurzschließen konnte.

1994 erlaubte die Timex Datalink mit einer optischen Übertragung zum ersten Mal eine drahtlose Kommunikation zwischen Uhr und Computer auf kurze Distanz. 1998 erfand der kanadische Wearable-Spezialist Steve Mann eine videofähige Smartwatch, von der IBM sogar einen Prototyp erstellte. 2001 stellten Mother Blue und eine japanische Partnerfirma den WatchPad mit einem 320×240-Pixel-Display und Bluetooth-Schnittstelle vor, doch kam es zu keiner Markteinführung.

Der Urknall der neuen Smartwatch-Generation fand vor rund fünf Jahren statt und bescherte uns über dreißig Modelle, bei denen die Uhr zumeist die Außenstation eines Smartphones ist. Ob eine solche Symbiose auf die Dauer sinnvoll ist, muss die Zukunft zeigen. Erinnern wollen wir an den deutschen Beitrag zu den vielen Geräten, die das Handgelenk schmücken. Das war die Kamera A-B-C, die 1949 in Tutzing am Starnberger See entstand. Sie eignete sich mangels Uhrwerk nur zum Fotografieren, doch das ist eine Funktion, die die Apple Watch noch nicht kann.

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