Kommunistische Computer
Geschrieben am 17.03.2026 von HNF
„Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz“ heißt eine künstlerische Ausstellung, die man seit dem Wochenende im Kulturzentrum Dortmunder U besuchen kann. Sie war vorher vier Monate lang in Leipzig zu sehen. Die Schau umfasst Bilder, Fotos, Filme und Installationen, die im weitesten Sinne mit den Computern der DDR zu tun haben oder durch sie inspiriert wurden.
Wer mit der Eisenbahn von Westen kommend nach Dortmund fährt und kurz vor der Ankunft nach rechts aus dem Fenster schaut, sieht es: das weiß-gelbe U auf dem Hochhaus der ehemaligen Union-Brauerei. Bier wird nicht mehr produziert, inzwischen dient das Gebäude der Kultur und beherbergt u. a. das Museum am Ostwall. Es zeigt außerdem Ausstellungen des Hartware – mit „t“ – MedienKunstVereins HMKV, der sich eben diesem Felde widmet.
Die jüngste HMKV-Ausstellung trägt den Titel Robotron. Arbeiterklasse und Intelligenz. Sie ist seit dem 14. März täglich außer montags zugänglich, liegt auf Ebene 3 des Dortmunder U und behandelt das ostdeutsche Computerwesen. Das Wort Informatik passt eher schlecht, da es in der DDR meist die Bibliothekswissenschaft meinte. Die Schau bringt Werke von 24 Künstlern, Künstlerinnen und Designern aus mehreren Ländern. Sie entstanden ab den 1960er-Jahren, eine ganze Anzahl natürlich in der DDR. Die Schau endet am 26. Juli.
Das Kombinat Robotron schilderten wir bereits im Blog, Arbeiterklasse und Intelligenz ist ein fast vierzehn Meter langes Bild des Malers Werner Tübke, das ab 1973 im Hauptgebäude der Universität Leipzig hing. Im realistischen Stil vereinte es Professoren der Hochschule, Studierende und Bauarbeiter sowie ein paar SED-Funktionäre. Links im Bild erkennt man Klaus Apitzsch, Leiter des Uni-Rechenzentrums, und einen Robotron-300-Computer. Die Ausstellung enthält eine Ölskizze, die Tübke bei den Vorarbeiten zum Gemälde anfertigte.

Klaus Apitzsch 1963 am Computer ZRA 1 – 1973 landete er in einem Monumentalgemälde. (Foto Heinz Koch, Bundesarchiv, Bild 183-B0314-0091-002 CC-BY-SA 3.0)
Das „Key Visual“, wie man auf Neudeutsch sagt, schuf Nadja Buttendorf (Foto HMKV). Es ist im Eingangsbild zu sehen und stammt aus der Internet-Serie Robotron – a tech opera. Die Freunde der DDR-Computergeschichte kennen das Foto dahinter, die PC-1715-Parade beim Festumzug zum 750. Geburtstag von Berlin 1987. Ein anderer Fotoklassiker, der sich unter dem U versteckt, ist die Aufnahme von Erich Höhne zum 20. DDR-Geburtstag 1969. Sie zeigt ebenfalls eine Robotron 300, der Spruch an der Wand bezog sich auf das weit verbreitete Buch Falsch programmiert von Karl Steinbuch.
Man kann in Dortmund also Entdeckungen machen wie die Gittersee-Affäre. Am Rand von Dresden wurde im November 1989 der Bau einer Siliziumfabrik gestoppt – sechs Tage vor dem Fall der Berliner Mauer. Kaum bekannt waren im Westen auch die geometrische Kunst von Karl-Heinz Adler und die Schreibmaschinen-Bilder von Ruth Rolf-Rehfeldt. Der IT-Historiker bestaunt die zeichnerische Darstellung der Ostblock-Kybernetik durch die Engländerin Suzanne Treister. Vom Computer erzeugte Grafiken kamen in der DDR von Horst Bartnig, die Arbeiten von Horst Völz fehlen leider in Dortmund.
Vom 25. Oktober bis zum 22. Februar war die Robotron-Schau bereits in der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig zu sehen; dort lautete der Untertitel Code und Utopie. Das erspart uns eine genaue Beschreibung, denn sie findet sich hier. Der Zeitung der Freitag verdanken wir eine Übersicht und dem Computerhistoriker und -sammler René Meyer einen Bildbericht. Kürzlich erschien auch der Katalog. Es folgen nun Fotos zur Ausstellung, für die wir uns beim HMKV bedanken, sowie weitere Bilder zum Thema.

Es leuchtet seit 1968: das Dortmunder U (Foto Lukas Kaufmann CC BY-SA 4.0)

Das bekannteste Robotron-Bild, aufgenommen am 4. Juli 1987 (Foto Thomas Uhlemann, Bundesarchiv, Bild 183-1987-0704-077 CC-BY-SA 3.0)

Computergrafik nach einem Siebdruck von Horst Bartnig (Foto Horst Bartnig, Roderich Kahn CC BY-SA 4.0)

Operation Zwiebelmuster nannte Antye Guenther ihr Collage zum CoCom-Embargo (Foto HMKV); das Bild links oben knipste Erich Höhne 1969. Bitte zum Vergrößern anklicken!

Die Videokünstlerin Su Yu Hsin aus Taiwan beleuchtet Umweltprobleme der Chip-Industrie. Das Standbild zeigt die Region Gittersee, der ein Siliziumwerk erspart blieb (Foto HMKV).

Der Bildhauer Klaus Schwabe schuf 1970 ein Relief für das Robotron-Haus in Leipzig, das Margret Hoppe 2012 aufnahm (Foto HMKV, Ausschnitt). Man beachte die Lochungen rechts.

Irma Markulin versah historische Fotos von Robotron-Arbeiterinnen mit Mustern, die an perforierte Lochkarten erinnern (Foto HMKV, Ausschnitt).

Von Ruth Wolf-Rehfeld getipptes Bild wohl aus den 1970er-Jahren (Foto HMKV, Ausschnitt). Wir schließen mit der Kybernetik-Geschichte der Londoner Künstlerin Suzanne Treister. Bitte zweimal nacheinander draufklicken, damit sie sich zur vollen Größe entfaltet (Foto HMKV).

