„Start Me Up“ – 20 Jahre Windows 95

Geschrieben am 24.08.2015 von

Am 24. August 1995 kam in den USA das Betriebssystem Windows 95 heraus, mit dem Microsoft eine grafische Benutzeroberfläche auf dem damals letzten Stand der Technik vorlegte. In einem Jahr wurden 40 Millionen Exemplare der Software verkauft. Bis heute haften blieb die Musik der TV-Werbung, das Lied „Start Me Up“ der Rolling Stones.

Die Gitarre peitscht, das Schlagzeug knallt, und die markante Stimme von Mick Jagger hebt an zu einem Lied, dessen Urversion 1981 herauskam: „If you start me up – if you start me up I’ll never stop – if you start me up – if you start me up I’ll never stop” Im Video dazu treten aber nicht die Rolling Stones auf, sondern glückliche Menschen und kleine Kinder an Computern und Sprüche wie „Start exploring“, „Start learning“, “Start connecting”, “Start creating”, “Start playing” und schließlich “Start Windows 95”.

Es ist der 24. August 1995, und das Lied ertönt in der Fernsehwerbung für das neue Betriebssystem von Microsoft, das an jenem Donnerstag in den Verkauf ging. In den USA betrug der offizielle Preis 209 Dollar, oft war die Software aber für weniger Geld erhältlich, etwa bei Upgrades älterer Windows-Systeme. Der TV-Spot war Teil einer 200-Millionen-Dollar-Kampagne, die unter anderem die Gratis-Verteilung der Londoner „Times“ – immerhin 1,5 Millionen Exemplare – umfasste. Man kann sich denken, was die Anzeigen im Inneren des Blattes anpriesen.

Microsoft-Chef Bill Gates stellte das Produkt auf der grünen Wiese neben der Firmenzentrale in Redmond (US-Bundesstaat Washington) vor, unterstützt vom Talkshowmaster Jay Leno. Hunderte von Helfern hatten ein großes Zelt für die Bühne und die zuschauenden Mitarbeiter, Journalisten und Branchenvertreter errichtet und 48 kleine Zelte für die Vorführung von Computerprogrammen. Das Event wurde videogefilmt und über Satellit in alle Welt übertragen.

Die Werbeaktionen und Medienberichte sorgte dafür, dass Windows 95 nicht nur in aller Munde war, sondern im ersten Jahr nach der Markteinführung rund 40 Millionen mal über den Ladentisch ging. Hinzu kamen die Verkäufe von Computern, auf denen das Betriebssystem vorinstalliert war. Das Geschäftsjahr, das am 30. Juni 1996 endete, brachte Microsoft ein Rekordergebnis: 8,67 Milliarden Dollar Umsatz und 2,2 Milliarden Dollar Nettogewinn, was in beiden Fällen fast 50 Prozent über den Ziffern des Vorjahrs lag.

Und was erhielt der Microsoft-Kunde? Im Wesentlichen ein multitasking-fähiges Betriebssystem für 32 bit, das abwärtskompatibel zu älteren Versionen war und endlich den Stand der Technik bei grafischen Benutzeroberflächen erreichte, so wie er elf Jahre zuvor durch den Macintosh von Apple festgelegt worden war. Die alten Windows-Systeme hatten die Benutzer noch mit einer Vielfalt von Fensterrahmen gequält. Eine weitere Neuerung war das Plug and Play, eine Funktion, die beim Hinzufügen von Peripheriegeräten und Erweiterungskarten den Gerätetreiber überflüssig machte.

Was der Kunde nicht bekam, war Software für das World Wide Web und das Netzwerkprotokoll TCP/IP des Internets. Die Grundversion von Windows 95 bot stattdessen das Microsoft Network MSN, eine eingeschränkte Online-Plattform, die sich vor allem gegen ein ähnliches System von AOL richtete. Bill Gates lernte aber schnell hinzu und startete noch 1995 den Kampf gegen die Firma Netscape, deren Navigator-Browser zunächst den Markt beherrschte.

In Deutschland gelangte Windows 95 erst am 5. September 1995 in den Verkauf und blieb es bis zur Jahrtausendwende; der Support endete am 31. Dezember 2001. Die heutigen Windows-Systeme sind keine 95-Nachfahren, sondern gehen auf das 1993 eingeführte Windows NT zurück.

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