Alles Gute zum Geburtstag, Horst Zuse!

Geschrieben am 17.11.2015 von

Am 17. November 1945 wurde Horst Zuse, ältester Sohn des Computerpioniers Konrad Zuse, im Allgäu geboren. Er studierte Elektrotechnik an der TU Berlin, wo er ab 1975 arbeitete, 1985 promovierte und sich 1998 habilitierte. Er lehrte in Berlin und an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg. Sein besonderes Engagement galt und gilt der Geschichte des Computers.  

Das älteste Foto, das das Internet überliefert, zeigt ihn am Computer, dem einzigen in Deutschland, etwa vier Jahre alt. Geboren am 17. November 1945 steht Horst Zuse an dem Relaisrechner, den sein Vater Konrad Zuse in Berlin konstruierte und in einer abenteuerlichen Aktion 1945 nach Hinterstein im Allgäu schaffte. 1947 zog der Rechner nach Hopferau um und wurde in einem Pferdestall aufgestellt, ab 1950 lief er bzw. sie – es handelt sich natürlich um die Zuse Z4 – in der ETH Zürich. Heute ist sie im Deutschen Museum in München zu sehen.

Auf der nächsten Website sehen wir nicht Horst Zuse, aber die von ihm programmierte elektrische Eisenbahn, wohl die erste ihrer Art in Europa. (In den USA gab es den Tech Model Railroad Club des MIT.) Die Zuses wohnten inzwischen in Hessen, in Neukirchen und dann in Hünfeld, und Konrad Zuses Firma, die 1949 gegründete Zuse KG, baute in Neukirchen bzw. Bad Hersfeld den Relaisrechner Z11 und den Röhrencomputer Z22. Später folgten die transistorbestückten Modelle Z23 und Z25.

Es verwundert wenig, dass Horst Zuse Elektrotechnik an der TU Berlin studierte. Ab 1975 war er wissenschaftlicher Angestellter im Fachbereich Informatik und widmete sich dem Datenbanksystem FAKYR, das in modifizierter Form später in der Fachbibliothek eingesetzt wurde. 1985 promovierte er über Softwarekomplexitätsmaße und wirkte anschließend in unterschiedlichen Projekten mit.

Forschungsaufenthalte führten ihn ins Thomas J. Watson Research Center der IBM, zur Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung und der University of Southwestern Louisiana. Daneben veröffentlichte er dicke Fachbücher und umfangreiche Softwarepakete. Nach der Habilitation 1998 lehrte Zuse an der TU Berlin und von 2003 an auch an der Fachhochschule Lausitz in Senftenberg; seit 2008 trägt er den Titel eines Professors. Ende 2011 ging er in Ruhestand.

In den Neunzigern begann Horst Zuse eine zweite Karriere als Computerhistoriker. Von 1996 bis 1998 erstellte er die „Konrad Zuse Multimedia Show“, ein mehrere hundert Seiten starkes Hypertextsystem über die frühen Digitalrechner in Deutschland, England und den USA, das immer wieder upgedatet wurde. 1999 entstand eine „Geschichte der Programmiersprachen“. Mit Raúl Rojas, Professor für Informatik an der FU Berlin, leitete er das Projekt zur Schaffung eines verkleinerten Nachbaus der Z3, der im Mai 2001 vorgestellt wurde, 60 Jahre nach Konstruktion der echten Z3 durch Konrad Zuse.

2008 begann Horst Zuse in seiner Berliner Wohnung den Bau einer wunderschönen originalgroßen Z3-Kopie, die zwei Jahre später in Hünfeld feierlich enthüllt wurde. Danach tourte die Maschine durch Deutschland und stand 2011 auch im HNF. Zurzeit befindet sie sich im Deutschen Technikmuseum, wo sie Horst Zuse gelegentlich vorführt, das nächste Mal am 13. Dezember. (Die „originalste“ Z3-Replik, von Konrad Zuse selbst angefertigt, besitzt das Deutsche Museum in München.)

Darüber hinaus absolviert Horst Zuse Jahr für Jahr ein umfangreiches Vortragsprogramm, das schon bis in den Juni 2016 reicht. Schwerpunkte sind dabei die „Konrad-Zuse-Städte“ Berlin, Hünfeld und Hoyerswerda. Wir gratulieren ihm herzlich zum 70. Geburtstag und freuen uns über sein nicht nachlassendes Engagement für die Geschichte der Datenverarbeitung.

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