AllgeierDrucker

Allgeier alpha-color – der letzte seiner Art

Geschrieben am 20.02.2026 von

Ornithologen kennen den seltenen Vogel, etwa den Kiebitz oder den Nachtpapagei. Ein Äquivalent in der Technik bildet das System 2 der Firma Allgeier aus dem Jahr 1978; sie wurde 1977 in Bremen gegründet und existiert noch heute. Ihr Textcomputer mit Farbbildschirm überlebte im Museum der HAW Kiel, er ist wohl der einzige in der Welt.

Das Computer History Museum in Kalifornien hat ihn nicht, ebenso wenig das HNF. Auch die Sammlung der Universität Stuttgart kann ihn nicht vorweisen. Ein Exemplar steht aber im Computermuseum der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Kiel. Früher trug sie den Namen FH Kiel. Ihre Hardware-Sammlung füllt einen Bunker neben dem Campus auf dem Ostufer der Förde.

Als das seltene Gerät im Jahr 1978 herauskam, hieß es Textcomputer, Textsystem oder Magnetplatten-Textsystem. In einer Anzeige finden wir die Bezeichnung Magnetplatten-Dialogcomputer für die Daten- und Textverarbeitung. Der offizielle Titel war Allgeier System 2, der Hersteller, die Allgeier Computer GmbH, saß im Osten Bremens im Stadtteil Osterholz. Die Firma wurde 1977 von Robert Allgeier senior gegründet; das deutet auf einen Sohn hin, der sich ebenfalls geschäftlich betätigte. Beteiligt war außerdem die B-O-G Bremen Büro-Organisation GmbH.

Allgeier System 2 alpha-color im Computermuseum der HAW Kiel

Das obige Foto zeigt das System im Museum. Man erkennt den Computer mit seinen beiden Laufwerken von je zwei Megabyte. Verborgen bleibt der Acht-Bit-Prozessor aus TTL-Chips. Der Arbeitsspeicher fasste 64 Kilobyte. Obenauf ruht der Monitor, der 25 oder 48 Zeilen zu 80 Zeichen anbot. Die Anzeige erwähnt acht Organisationsfarben – die genaue Bedeutung des Worts ist unklar. Der „alpha-color“ hatte auf jeden Fall einen Farbbildschirm, mit dem Allgeier einen humanen Arbeitsplatz schaffen wollte.

Im praktischen Einsatz stand der Monitor nicht auf, sondern neben der Zentraleinheit; direkt vor ihm befand sich noch die Tastatur. Sie ging leider verloren, doch das Museumsdepot verwahrt – siehe Eingangsbild oben – den zugehörigen Drucker. Er brachte 2.700 Zeichen pro Minute zu Papier. Das Allgeier-System arbeitete von 1978 bis 1987 in der Verwaltung von Bad Oldesloe. Für seinen Ankauf musste die Stadt 88.600 DM aufwenden.

Spätestens 1980 lag ein Nachfolger des Systems 2 vor. Das System 4 umfasste Plätze mit Terminals und weitere Peripheriegeräte, die Hardware stammte vom Minicomputer-Bauer Data General. Eine Übersicht über die Anlagen liefern die Jahrgänge von 1980 bis 1990 des CC-Computerarchivs. Bitte jeweils das Heft aufrufen und die Allgeier-Seite aufsuchen – sie fehlt 1984. Unter dem Namen System 8 eröffnete das Unternehmen auch die Verbindung zu einem „Service-Computer“, den ein Kunde per Datenfernübertragung nutzen konnte.

Der Rechner von vorne mit den beiden Wechselplatten

In den 1990er-Jahren begann die Umwandlung in einen IT-Dienstleister. Allgeier gründete außerdem Tochtergesellschaften in Europa und den USA. 1998 wurde aus der GmbH eine AG, einziger Aktionär war die erwähnte Firma B-O-G. Im Jahr 2000 erfolgte der Börsengang, der dem Unternehmen aber wenig Glück brachte; der Aktienkurs rutschte so rasant, dass es der SPIEGEL merkte. 2002 zog die Allgeier Computer AG nach München und strukturierte sich um, 2003 hieß sie Allgeier Holding AG. Seit 2012 ist sie eine Europäische Gesellschaft.

Für die jetzige Geschäftslage der Allgeier SE verweisen wir auf die Homepage. Zum Schluss kehren wir an die Kieler Förde zurück, um noch einige andere Raritäten im HAW-Museum zu bestaunen, es gibt sie dort auf jeder Etage. Zu nennen sind die große PDP-10 von Digital Equipment, die chromglänzende Siemens 3003 und die Electrologica X1, einer der ersten Transistorcomputer. Selten sind auch der frühe Digitalisierautomat „Pencil Follower“ – er entstand in Schottland – und der analog-digitale Hybridrechner RA 800H von Telefunken. Das Haus öffnet an jedem Wochenende von 14 bis 18 Uhr.

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