Otus

Die Superrechner von Paderborn

Geschrieben am 23.01.2026 von

Der schönste Supercomputer Paderborns ist die Cray-2 des HNF, leistungsfähiger sind aber die Hochleistungsrechner in der Universität. Noctua 2 wurde 2022 installiert, Otus folgte drei Jahre später. Der Neuzugang des Paderborn Center for Parallel Computing kommt vom chinesischen Hersteller Lenovo und der schwäbischen pro-com Datensysteme GmbH. Er nahm am 10. November 2025 den Dienst auf.

Davon konnte Seymour Cray nur träumen. 142.656 Prozessorkerne, 108 Grafikprozessoren, insgesamt 652 Terabyte Arbeitsspeicher und ein Massenspeicher von 5.530 Terabyte oder in Rechenkraft ausgedrückt 8,42 PetaFLOPs pro Sekunde im Normal- und 11,44 im Stoßbetrieb, wobei ein PetaFLOP eine Billiarde Fließkomma-Operationen umfasst.

Gruppenbild mit Computer: von links Andreas Thomasch (Lenovo), Universitätspräsident Prof. Dr. Matthias Bauer, Otus-Chef Prof. Dr. Christian Plessl, Judith Schröter (Lenovo), Oliver Kill (pro-com), Copyright Universität Paderborn, Thorsten Hennig. Zum Vergrößern anklicken.

Das alles bringt der Superrechner Otus. Das Paderborn Center for Parallel Computing PC2, eine Abteilung der Universität, baute ihn im letzten Juni auf, das war die Pressemeldung. Der Kaufpreis von vierzehn Millionen Euro ging an den chinesischen Hardware-Konzern Lenovo und die pro-com Datensysteme in Eislingen. Die Firma übernahm die Installation und technische Betreuung. Otus selbst ist in unserem Eingangsbild zu sehen (Copyright Universität Paderborn, Thorsten Hennig).

Die Anschaffung wurde vom Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen gefördert. Nach vielen Tests fand am 10. November 2025 die Inbetriebnahme mit Vorträgen, Sektempfang und Rechenzentrumsbesichtigung statt. Die Einladung zierte eine Eule – Otus ist das lateinische Wort dafür. Er arbeitet nicht nur für Paderborner User, im Rahmen des NHR-Verbunds können auch Forscher anderer deutscher Universitäten den Supercomputer benutzen. Hier geht es zum Online-Antrag. Seine Heimatanschrift lautet Mersinweg 5 in 33100 Paderborn.

Die erste Nachteule: Kühlung des Noctua (Copyright Universität Paderborn, Kamil Glabica)

Dieselbe Adresse besitzt der PC2-Rechner Noctua 2 – das heißt ebenfalls Eule. Er wurde 2022 installiert, hier und hier steht mehr zu ihm; er wurzelt in der französischen Firma Bull. Er hat so viele Prozessoren wie der Otus, doch einen kleineren Arbeitsspeicher und rechnet etwas langsamer. Wie es sich gehört, entstand zu ihm ein Video. Im März 2023 erbrachte Noctua 2 eine wichtige wissenschaftliche Leistung: Er fand die neunte Dedekind-Zahl. Die Forscher, die ihn bedienten, ließen sich aber beim Publizieren Zeit, und ein junger Dresdner Mathematiker verkündete jene Zahl drei Tage vorher.

Da hatten die Paderborner Pech, doch vielleicht klappt es bei der zehnten Dedekind-Zahl. Wie man sich denken kann, gab es vor Nummer 2 einen ersten Noctua. Er lief vom Juli 2018 bis zum Oktober 2025, hier geht es zum Datenblatt und hier zum Video, in dem wir unter anderem PC2-Direktor Prof. Dr. Christian Plessl sehen. Der Rechner war vom Typ Cray CS500 und kam von einem Nachfolge-Unternehmen der alten Firma Cray Research. Heutige Cray-Produkte entstehen unter dem Eigentümer HPE alias Hewlett Packard Enterprise Company.

In die Breite ging im Jahr 2022 Noctua 2 (Copyright Universität Paderborn, Thorsten Hennig).

Sowohl Otus als auch Noctua 2 sind in der Top500-Liste der Supercomputer verzeichnet. Die alte Eule belegt Rang 309, die neue Nummer 191; hierbei wurden nur die normalen CPU-Prozessoren betrachtet. In der Gruppe der deutschen Rechner nimmt Otus damit Platz 15 ein. In der Liste der Computer mit der besten Energieverwertung – Rechenleistung geteilt durch Stromverbrauch – eroberte der Grafik-Teil von Otus einen hervorragenden fünften Platz.

Der Computer ist teils luft- und teils wassergekühlt; auf jeden Fall lässt sich die Abwärme zur Gebäudeheizung auf dem Uni-Campus nutzen. Beim Thema Kühlung denken wir natürlich an die Cray-2, den Star der Superrechner-Abteilung des HNF; die Vorrichtung sieht man rechts im Eingangsbild dieses Blogbeitrags. Wer sich für die Geschichte des Paderborn Center for Parallel Computing interessiert, findet im Netz die Jahresberichte seit 2006 – bitte zu den Annual Reports scrollen – und die etwas angestaubte Wikipedia-Seite.

Otus, bevor er neu bemalt wurde. (Copyright Universität Paderborn, Stefan Rohde)

Tags: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wir stellen diese Frage, um Menschen von Robotern zu unterscheiden.