Happy Birthday, Noam Chomsky!

Geschrieben am 07.12.2018 von

Letzte Woche gratulierten wir Hans Moravec, heute kommt Noam Chomsky an die Reihe. Geboren vor neunzig Jahren, gehört er zu den großen Denkern der Gegenwart. Die Chomsky-Hierarchie ist ein Grundbaustein der theoretischen Informatik, seine generative Grammatik revolutionierte die Linguistik. Daneben machte er sich einen Namen als radikaler Kritiker der US-Politik, der Massenmedien und des Kapitalismus.

Wer Informatik lernte, vergisst ihn nicht. Die nach ihm benannte Hierarchie ist die Basis der Programmiersprachen; sie enthält Regeln zur Produktion von Zeichenreihen und führt von der Typ-0- über die Typ-1- und Typ-2- zur Typ-3-Grammatik. Analog dazu öffnet sich der Weg von der Turingmaschine und einem Spezialfall derselben zum Kellerautomaten und zum endlichen Automaten. Diese Papiermaschinen erkennen genau die korrespondierenden formalen Sprachen.

Weitere Details überspringen wir, festzuhalten bleibt, dass wir es mit einer bedeutenden Schöpfung der Technik-Theorie zu tun haben. Der Urheber heißt Noam Chomsky; er wurde am 7. Dezember 1928 in Philadelphia geboren. Die Eltern waren Einwanderer aus Osteuropa und beide Lehrer. Mit sechzehn schloss Noam die Schule ab und begann ein Studium in seiner Heimatstadt. 1951 erwarb er den Master in theoretischer Linguistik. 1955 machte er seinen Doktor.

Von 1955 bis zur Emeritierung im Jahr 2002 lehrte Chomsky am Massachusetts Institute of Technology in Boston, wo er 1961 Professor wurde. 1956 definierte er in einem Artikel drei Algorithmen, die sprachliche Sätze erzeugen, sogenannte Grammatiken. Die wichtigsten sind die Phrasenstrukturgrammatik und die generative Transformationsgrammatik. Das Konzept baute er in den Büchern Syntactic Structures und Aspects of the Theory of Syntax weiter aus. Berühmt wurde sein Beispielsatz „Farblose grüne Ideen schlafen wild“.

Noam Chomsky in den 1970er-Jahren

Noam Chomskys Ideen revolutionierten die Sprachwissenschaft. Die von ihm erfundenen Techniken schufen eine neue formalistische Linguistik mit zahlreichen Ansatzpunkten für Mathematik und Informatik. Andererseits blieb er auch älteren Denkweisen treu wie den Theorien des deutschen Gelehrten Wilhelm von Humboldt. Chomsky kam durch ihn zu der Ansicht, dass das Sprechen nicht durch Versuch und Irrtum erlernt wird, sondern von Anfang an im menschlichen Gehirn einprogrammiert ist.

Zum globalen Intellektuellen wurde Chomsky durch seine politischen Aktivitäten. Bei Besuchen von Verwandten in New York stieß er schon als Jugendlicher auf anarchistische Zeitschriften wie die Freie Arbeiter Stimme; später wurde er selbst Anarchist und ist es wohl noch heute. In den 1960er-Jahren wandte er sich gegen das Vorgehen seines Landes in Vietnam. 1969 schrieb er sein erstes politisches Buch „Amerika und die neuen Mandarine“. Inzwischen füllen seine Ansichten eine lange Wikipedia-Seite.

Dank seines Engagements verfügen wir über Hunderte, ja Tausende von Chomsky-Videos im Internet. Wir beschränken uns aber auf drei Links. Der erste führt ins Jahr 1971 und in eine Diskussion mit Noam Chomsky und einem anderen Meisterdenker des 20. Jahrhunderts, dem 1984 verstorbenen Michel Foucault. Der zweite Link startet den biographischen und medienkritischen Dokumentarfilm Manufacturing Consent aus dem Jahr 1992. Der letzte schließlich zeigt Noam Chomsky vor zwei Jahren bei einem Vortrag in Heidelberg.

Heute wohnt der Jubilar in Tuscon im US-Bundesstaat Arizona. Dorthin schicken wir unsere besten Wünsche zum neunzigsten Geburtstag. Unser Eingangsbild wurde 2011 im kanadischen Toronto aufgenommen (Foto Andrew Rusk CC BY 2.0 – das Foto wurde an den Seiten beschnitten).

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