Nicht mehr geheim: 25 Jahre Kryptologie im HNF
Geschrieben am 27.03.2026 von HNF
Am 27. März 2001 eröffnete im ersten Obergeschoss des HNF der Bereich zur Geschichte der Kryptologie. Er war die erste Erweiterung der Dauerausstellung, man erkennt ihn leicht an dem verglasten Tor. Die Ausstellung ist nicht sehr groß, sie lüftet aber die Geheimnisse der Codes und Chiffren, und ihre Vitrinen zeigen Chiffriermaschinen und -geräte aller Art.
Nein, diesmal war das HNF nicht die Nummer eins. Als die Welt der Codes und Chiffren vor 25 Jahren ihre gläserne Pforte öffnete, gab es schon eine Abteilung zur Kryptologie in der Informatik-Schau des Deutschen Museums; in den USA lockte das National Cryptologic Museum der NSA die Besucher an. Wir kennen aber keine andere Ausstellung, die so dicht gepackt und gut bestückt die Kunst des Ver- und Entschlüsselns nahe bringt. Konzipiert und realisiert wurde sie von Norbert Ryska, einem der damaligen Geschäftsführer des HNF.
Die am 27. März 2001 eröffnete Ausstellung liegt im ersten Stock des Hauses direkt hinter dem Bereich zur Lochkartentechnik; sie gliedert sich, wie im Foto unten erkennbar, in zwei Hälften und ein Mittelstück. Letzteres behandelt den Agentenfunk und die Entzifferung alter Schriften in der Archäologie. Die linke Seite führt mit Bildern, Texten und Modellen in die Krypto-Geschichte ein, die rechte präsentiert in acht Vitrinen und ebenso vielen Schubladen Hardware und Dokumente. Gleich hinter dem Eingang steht ein Siemens-Geheimschreiber, ein Fernschreiber mit Chiffrierfunktion aus dem Zweiten Weltkrieg.

Ein Blick in die Kryptologie-Abteilung
Das älteste Exponat der HNF-Abteilung ist das Buch „Cryptographia oder Geheime schrifft- münd- und würkliche Korrespondentz“ – hier brechen wir lieber ab, denn der Titel füllt mehr als zwanzig Zeilen. Das Werk erschien 1685 in Hamburg und umfasst 280 Seiten, der Autor Johannes Balthasar Friderici wurde 1639 in Leipzig geboren und war Advokat bei einem Gericht in Hamburg. 1685 floh er wegen seiner Schulden, er soll um 1705 gestorben sein. Die Cryptographia lässt sich inzwischen in voller Länge online studieren.
Bei den historischen Geräten ist das älteste Stück die Chiffrier-Schreibmaschine Diskret, die um 1900 in den Handel kam. In den sieben anderen Vitrinen finden wir Rotormaschinen, die im Laufe des 20. Jahrhunderts entstanden, sowie Schöpfungen des schwedischen Erfinders Boris Hagelin und des gebürtigen Ukrainers Alexander von Kryha. Das Schlüsselgerät 41 von Fritz Menzer blieb leider im Depot, wir haben die zwei Exemplare des HNF aber im Blog erwähnt und die zugrunde liegende Mechanik geschildert .
In der Paderborner Ausstellung fehlen die computergestützten Verfahren mit Blockchiffren und die Kryptologie mit öffentlichem Schlüssel, die 2026 ihren 50. Geburtstag feiert. Auch Codebücher werden nur am Rande behandelt. Dafür widmet sich noch ein zweites Areal der mechanischen Chiffrierung, nämlich der Bereich zu Alan Turing in der Galerie der Pioniere. Von der Krypto-Ausstellung erreicht man ihn mit wenigen Schritten, wenn man vom Eingangstor aus zu der Mitte der Etage geht.
Zum Schluss möchten wir noch auf die neue Kryptologie-Abteilung des Deutschen Museums hinweisen; Codes und Chiffren bilden auch ein Thema im Deutschen Spionagemuseum in Berlin. Die Literatur dazu ist mittlerweile unüberschaubar, das Grundlagenwerk dürfte nach wie vor The Codebreakers von David Kahn sein. Als Internetseite zur Hardware empfehlen wir das Crypto Museum im niederländischen Eindhoven.
Zum Abschluss folgt eine Bilderstrecke zu den nicht mehr geheimen Krypto-Schätzen des HNF:









