Amazon macht’s möglich

Geschrieben am 14.07.2020 von

Versandhäuser entstanden im 19. Jahrhundert, das World Wide Web startete in den 1990er-Jahren. Der Informatiker Jeff Bezos verband beides. Er gründete 1994 eine Firma für den Online-Buchhandel. Ab dem 16. Juli 1995 nahm die Adresse www.amazon.com Bestellungen an. Heute gehört Amazon zu den größten Unternehmen der Welt, und Bezos ist der reichste Mensch der Erde.

Als Jeff Bezos im Jahr 2000 seine Raumfahrtfirma Blue Origin gründete, wählte er ein Motto in lateinischer Sprache: Gradatim ferociter. Auf Deutsch heißt das: Schritt für Schritt kühn voran. Der Spruch beschreibt ebenso das Unternehmen, durch das der Amerikaner zuerst bekannt wurde, das Online-Versandhaus Amazon oder Amazon.com, Incorporated, wie der korrekte aber selten gebrauchte Name lautet.

Die erste Website: durch das A schlängelt sich der Amazonas. (Foto Amazon.com, Inc.)

Als Jeff Bezos am 12. Januar 1964 zur Welt kam, hieß er Jeffrey Jorgensen. Die Eltern lebten in Albuquerque im US-Staat New Mexico. Beide waren Teenager: Vater Ted verdiente etwas Geld als Einradfahrer, Mutter Jacklyn besuchte die High School. 1965 kam es zur Scheidung. 1968 heiratete Jacklyn Jorgensen den Ingenieur Miguel Bezos; er adoptierte den Jungen. Jeff Bezos wuchs in Texas und in Florida auf und hielt keinen Kontakt mehr zu seinem Vater. Ted Jorgensen erfuhr erst 2012, drei Jahre bevor er starb, was aus seinem Sohn geworden war.

Der studierte nach der High School Elektrotechnik und Informatik in Princeton. Nach einem Summa-cum-laude-Abschluss 1986 arbeitete er bei einer Telekommunikationsfirma; 1988 wechselte er zu einer Bank. Ab 1990 war er in der Investmentgesellschaft  D. E. Shaw & Co. in New York tätig, die großen Wert auf mathematische Methoden legte. Mit dreißig Jahren bekleidete Jeff Bezos den Posten eines „senior vice president“. Früher als die meisten seiner Kollegen erkannte er das geschäftliche Potenzial des neuen World Wide Web.

Das erste Bürohaus: 2710 First Avenue South in Seattle. (Foto Amazon.com, Inc.)

1994 sagte Jeff Bezos aber seiner Firma Lebewohl, stieg ins Auto – am Steuer saß seine Frau MacKenzie – und fuhr Richtung Pazifik. Auf der Fahrt entwarf er den Businessplan für ein Online-Handelshaus. Seine Analyse hatte das ideale Produkt dafür ermittelt: Bücher. Ziel der Reise war die Region von Seattle, dem Sitz von Microsoft. Dort vermutete Bezos die geeigneten Arbeitskräfte für sein Unternehmen. Im Nachbarort Bellevue bezog er ein Einfamilienhaus; das Büro wurde stilgerecht in der Garage eingerichtet.

Am 5. Juli 1994 ließ Jeff Bezos eine Firma namens Cadabra ins Handelsregister eintragen; ihr Name erinnerte an den  Zauberspruch, aber auch an einen Kadaver. Ab 25. September hieß sie Relentless, was unerbittlich oder erbarmungslos bedeutet. Am 1. November fand Bezos den endgültigen Namen: Amazon wie der Fluss. Die Zentrale war ein schmuckloses Gebäude in Seattle. Am 16. Juli 1995 nahm das Unternehmen über www.amazon.com die erste Bestellung an, ein Buch des amerikanischen Wissenschaftlers Douglas Hofstadter.

Im Oktober 1997 registrierte sich der millionste Kunde bei Amazon, ein Leser aus Japan. Jeff Bezos selbst lieferte die Bestellung ab.  (Foto Amazon.com, Inc.)

Die meisten Verkäufe wurden über ein reguläres Vertriebszentrum abgewickelt, wo Amazon  die Bücher abholte und anschließend verpackte und verschickte. In der ersten Woche liefen Bestellungen über 12.000 Dollar ein, ausgeliefert wurden Bücher im Wert von 846 Dollar. Bald glich sich das Verhältnis aus; Jeff Bezos schaffte es auch, neue Investoren zu gewinnen. Bei der Anschubfinanzierung hatten noch seine Verwandten mitgeholfen. Am 15. Mai 1997 ging Amazon an die Börse; Gewinn macht die Firma aber erst seit 2003.

Jeff Bezos expandierte dann auf unterschiedlichen Ebenen. Zum einen erweiterte er die Produktpalette auf vielfältige Weise und ließ auch Angebote fremder Händler zu. Zum anderen wurde ein Konkurrent nach dem anderen geschluckt. So endete 1998 der deutsche Online-Versender Telebuch – er hatte noch mit Bildschirmtext begonnen – in den Armen von Amazon. Historische Übersichten finden sich auf einer offiziellen Amazon-Seite und auf Wikipedia. Ende 1999 wählte das Magazin TIME Jeff Bezos zur Person of the Year.

Alexa inside: Lautsprecher Echo mit Chatbot; daneben liegt ein Amazon-Tablet. (Foto Amazon.com, Inc.)

Im neuen Jahrhundert brachte Amazon das Lesegerät Kindle und einen Download-Service für Videos. Daraus entwickelte sich später eine eigene Streaming-Plattform. 2014 wurde die in einem Lautsprecher steckende künstliche Intelligenz Alexa zum Leben erweckt. Ab 2015 starteten die Raketen von Jeff Bezos‘ Firma Blue Origin und erreichten den Rand des Alls. Außer beim Erstflug gelang ihnen anschließend eine weiche Landung. Blue Origin gehört auch zu den Partnern der NASA im neuen Mondlandeprogramm.

Heute ist Jeff Bezos der reichste Mensch auf der Erde; eine kostspielige Scheidung änderte daran wenig. Der Börsenwert seiner Firma liegt bei einer Billion Dollar. Mit Apple, Facebook, Google und Microsoft zählt Amazon zu den Großen Fünf der globalen Technologieszene. Mithalten kann höchstens die chinesische Alibaba Group. Wie andere High-Tech-Konzerne erntete Amazon auch Kritik. Ein fulminanter Artikel erschien 2015 in der New York Times; etwas freundlicher äußerte sich 2018 die FAZ.

Jeff Bezos neben einer Rakete des Typs New Shepard. (Foto Blue Origin Federation, LLC)

In Deutschland betreibt Amazon dreizehn Logistikzentren; das erste wurde im September 1999 in Bad Hersfeld errichtet. Im Oktober 2000 kam der Chef persönlich vorbei. Mit der Gewerkschaft Verdi steht die Firma aber seit sieben Jahren auf Kriegsfuß. Schließen möchten wir, siehe oben, mit Jeff Bezos neben einer Rakete. Gradatim ferociter – per Amazon ad astra. Das Eingangsbild nahm Christoph Scholz auf (CC BY-SA 2.0 seitlich beschnitten).

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