50 Jahre Universität Paderborn

Geschrieben am 01.08.2022 von

Durch das Gesetz über die Errichtung und Entwicklung von Gesamthochschulen im Land Nordrhein-Westfalen wurde am 1. August 1972 eine solche in Paderborn gegründet. Im Herbst 1972 begannen die Vorlesungen. Ab 1980 hieß sie Universität-Gesamthochschule Paderborn, seit 2002 nur noch Universität. Im Folgenden beleuchten wir ihre Geschichte, in der auch Heinz Nixdorf eine Rolle spielte.

Hochschulen gibt es in Paderborn seit 1614. Damals begann die von den Jesuiten betriebene Universität ihren Betrieb; aus ihr ging 1846 eine Philosophisch-Theologische Lehranstalt und 1966 die Theologische Fakultät hervor. In den frühen 1970er-Jahren saßen in der Stadt eine Abteilung der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe und ein Ableger der Fachhochschule Südost-Westfalen mit einer Ingenieur- und einer Wirtschaftsfachschule.

Ein Gesetz des Bundeslands Nordrhein-Westfalen schuf am 1. August 1972 in Duisburg, Essen, Paderborn, Siegen und Wuppertal fünf Gesamthochschulen; sie vereinten Merkmale von Universitäten und Fachhochschulen. Die Paderborner Gesamthochschule fasste die vorhandenen Bildungsstätten außer der Theologischen Fakultät zusammen. Der feierliche Gründungsakt fand am 4. August 1972 statt, erster Rektor war der Sprachwissenschaftler Broder Carstensen. Details zur Geschichte stehen hier. (Achtung, dieser und die folgenden Links führen manchmal zu dicken Dateien.)

Campus der Universität Paderborn, von Osten gesehen; links verläuft der Südring, rechts die Warburger Straße. (Foto Universität Paderborn, Stabsstelle Presse und Kommunikation)

Das erste Vorlesungsverzeichnis reflektierte die heterogenen Anfänge der Hochschule. Im Winter 1972/73 besaß sie 17 Fachbereiche, darunter einen für Informatik; es schrieben sich 3.661 Studenten und 720 Studentinnen ein. Die Paderborner Lehrveranstaltungen – es gab noch Zweige in Höxter, Meschede und Soest – fanden in den Vorläufer-Institutionen am Fürstenweg, in der Balhornstraße und am Pohlweg statt. Nicht weit weg an der Warburger Straße entstanden dann die Neubauten, die im Mai 1977 eröffnet wurden .

Die Gesamthochschule zog die Bildungshungrigen an. Im Wintersemester 1982/83 wurden mehr als 10.000 Studierende gezählt, im Winter 1991/92 waren es 16.631. Danach verlangsamte sich das Wachstum; in den letzten Jahren pendelte die Zahl der Immatrikulierten um 20.000. Im Sommersemester 2022 hörten 9177 Studenten und 8.851 Studentinnen 255 Professoren und Professorinnen. 1980 wurde die Gesamthochschule zur Universität-Gesamthochschule und 2003 zur Universität mit fünf Fakultäten für Kultur-, Wirtschafts- und Naturwissenschaften, Maschinenbau sowie für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik.

Ab 1972 wurden die Neubauten der Gesamthochschule an der Warburger Straße errichtet. (Foto Universitätsarchiv Paderborn)

Soweit die Geschichte der Uni Paderborn vom 1. August 1972 bis heute. Uns interessieren noch zwei Themen, die Computer und die Förderung der Universität durch Heinz Nixdorf. Einer ihrer Vorgänger, die Staatliche Ingenieurschule, besaß in den 1960er-Jahren einen EAI-Analogrechner und eine digitale Nixdorf 820/20; letztere ging sogar in ein Fachbuch ein. In den Siebzigern richtete die Paderborner Gesamthochschule ein Rechenzentrum ein; das ist die Satzung vom 31. Januar 1977. Ein Bericht des Rektorats beschrieb – siehe PDF-Seite 112 – die bis 1987 angeschaffte Hardware.

Die Hauptarbeit verrichteten zwei Superminicomputer der amerikanischen Marke PR1ME; sie stellten auch die Verbindung ins Internet her. Von 1984 bis 1986 lief im Rechenzentrum außerdem eine Univac 1100E. Über den Campus verteilten sich neun Cadmus-Rechner des Münchner Herstellers PCS und eine unbekannte Zahl Personal Computer. Eine Broschüre der Universität von 1984 erwähnt noch andere Fabrikate, die zu verschiedenen Fachbereichen gehörten. Hier finden wir VAX-Rechner von Digital Equipment, Geräte von Sirius und Nixdorf oder den Prozessrechner Siemens 330.

Das Hochschulrechenzentrum mit seinen PR1ME-Computern; am Terminal sitzt Operateurin Helga Tebbe-Dietrich. (Foto Universitätsarchiv Paderborn)

Seit 1970 gab es in Paderborn das Forschungs- und Entwicklungszentrum für objektivierte Lehr- und Lernverfahren, kurz FEoLL. Es widmete sich der Medienkunde und der damals populären kybernetischen Pädagogik; finanziert wurde es vom Land Nordrhein-Westfalen. Voll ausgebaut umfasste das FEoLL sechs Institute und zwei Projektgruppen; die wichtigsten Mitarbeiter – zu nennen ist der in unserem Blog behandelte Helmar Frank – lehrten später an der Gesamthochschule. Das FEoLL war 1978 der Käufer und erste Nutzer der erwähnten Univac. 1983 wurde es allerdings aufgelöst.

Heinz Nixdorf unterstützte den Aufbau des FEoLL und spendete Computer. Er erlaubte sich aber auch Kritik und nannte es einmal „dieses unglückliche Luder“. Sympathie für die Universität Paderborn entwickelte er erst in den 1980er-Jahren. So stiftete er 1,2 Millionen DM für das CAD-Labor Cadlab, das jetzige C-LAB; der gleiche Betrag kam vom Land. Auf der Cadlab-Eröffnung am 12. Februar 1986 versprach Nixdorf der Hochschule 50 Millionen DM, falls sich die Landes- und die Bundesregierung in ähnlicher Weise beteiligten. Das geschah; das Resultat war das Heinz Nixdorf Institut. Es liegt inzwischen direkt neben dem HNF.

Heinz Nixdorf bei der Eröffnung des Cadlab mit NRW-Wissenschaftsministerin Anke Brunn. Links hinter ihm steht Nixdorf-Entwicklungschef Hartmut Fetzer, der Herr mit dem Glas ist der Paderborner Bürgermeister Herbert Schwiete. (Foto Universitätsarchiv Paderborn)

Auf der anderen Seite des MuseumsForums befindet sich die Zukunftsmeile der Universität. Das erste Gebäude wurde am 11. November 2011 eingeweiht und ist im Eingangsbild zu sehen (Foto Universität Paderborn, Dietmar Flach). Entdecken Sie das HNF? Zwischen Zukunftsmeile und Technikmuseum liegen – im Foto unsichtbar – die Fachhochschule der Wirtschaft FHDW und das Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe b.i.b.. Es war eine Schöpfung von Heinz Nixdorf und begeht 2022 ebenfalls den 50. Geburtstag.

2021 startete die Zukunftsmeile 2. Nicht vergessen sei das Zentrum für Paralleles Rechnen auf dem Stammgelände, auf Neudeutsch Paderborn Center for Parallel Computing oder PC². Hier operierte ab 2018 der Hochleistungsrechner Noctua; im April 2022 ging der erweiterte Noctua 2 in Dienst, der erste Paderborner Supercomputer. 2020 gründete die Universität das Institut für photonische Quantensysteme; sein Fernziel ist ein Quantencomputer. Heute gratulieren wir ihr aber zum 50. Gründungstag. Beim Universitätsarchiv Paderborn bedanken wir uns für das Heinz-Nixdorf-Foto und die Erlaubnis, die drei Bilder benutzen zu können.

Studienbuch eines Studiosus der Gesamthochschule Paderborn aus dem Wintersemester 1973/74 – die „Universität der Informationsgesellschaft“ war damals noch ziemlich analog.

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2 Kommentare auf “50 Jahre Universität Paderborn”

  1. Eric Bodden sagt:

    Ein interessanter Artikel! Man hätte noch das Fraunhofer IEM erwähnen können, das im eingangs gezeigten Gebäude beheimatet ist. Das Institut geht auf das HNI zurück. Ohne Nixdorf hätte es dies also wohl auch nicht gegeben.

  2. Es hat sogar einen zeitweisen Personalzugang von der Uni PB zur NCAG gegeben. Prof Dr Wilfried Hauenschild hat sich bei dem Stab der F&E-Bereichs beworben. Er hat die Aufgabe übernommen, die BMFT-Foerderprojekten und die EU-Vorhaben zu koordinieren

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