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Als der Aldi-PC kam

Geschrieben am 17.02.2026 von

Er zählt zu den Computermythen der 1990er-Jahre. Ab November 1997 boten die Discount-Ketten Aldi Nord und Aldi Süd einen preiswerten Rechner der Essener Firma Medion an. Er erwarb sich als Aldi-PC einen legendären Ruf und brachte es bis ins Haus des Geschichte in Bonn. Das HNF zeigt seit Oktober einen Aldi-Online-PC aus dem Jahr 2000.

Unsere Geschichte beginnt unter Kaiser Wilhelm II. Im Jahr 1913 eröffneten der Bäcker Karl Albrecht und seine Frau Anna einen Lebensmittelladen in Essen. Ihre Söhne Karl und Theo vergrößerten das Unternehmen und schufen bis 1960 dreihundert Filialen. 1961 erfolgte die Aufspaltung in die Firmen Aldi Nord und Aldi Süd. 1962 startete in Dortmund das erste Aldi-Geschäft im Discounter-Stil, der sich in Deutschland und auch außerhalb verbreitete.

1986 bot Aldi die ersten Computer an, die Commodore-Typen C16, C116 und Plus/4. 1987 folgte eine C64-Variante. 1995 gab es das erste Produkt der Firma Medion aus Essen, den Personal Computer GT 386 DX 40. Im Inneren steckte vermutlich der gleichnamige AMD-Prozessor. Medion fand im Archiv ein Gerät und ein Bild; man sieht, dass der Rechner noch das klassische Desktop-Design aufwies. Im November 1995 erschien ein Tower-Modell mit dem 5×86-Chip des texanischen Herstellers Cyrix. Der Verkaufspreis betrug 1.498 DM.

Warten auf den PC vor einer Aldi-Filiale in den Neunzigern  (Foto Copyright ALDI SÜD)

Im November 1997 kam dann der Aldi-PC, wie wir ihn kennen. Offiziell hieß er Professional Computer, stammte von Medion und kostete 1.798 DM. Dafür erhielt man einen Pentium-Prozessor mit 166 Megahertz und einen Arbeitsspeicher von 32 Megabyte. Die Festplatte fasste 2,1 Gigabyte, es gab Laufwerke für Dreieinhalb-Zoll-Disketten und für CD-ROMs. Das lockte die Kundschaft an, und das Angebot war meist binnen Stunden ausverkauft. In Konstanz sollen sich zwei Männer um das letzte Exemplar einer Filiale geprügelt haben.

Im April 1998 wiederholte sich das Spiel, die Medien schauten gebannt zu. In drei Tagen setzten Aldi Nord und Süd 100.000 PCs ab. Der Preis lag jetzt bei 1.998 DM, doch wuchs die Taktfrequenz auf 266 Megahertz und die Festplatten-Kapazität auf 4,3 Gigabyte. Das nächste Jahr brachte zwei Verkaufsrunden im März und November. Die Preise blieben stabil, die Taktwerte stiegen auf 400 beziehungsweise 500 Megahertz. Allerdings wachte nun die Konkurrenz auf; zur Jahrtausendwende war der Aldi-PC kein Schnäppchen mehr.

Online-PC Lifetec für Aldi Nord aus dem Jahr 2000 in der Ausstellung des HNF

Das Internet entdeckten die Discounter zur gleichen Zeit. Im März 2000 erschien mit einem Intel-Pentium-III-Prozessor zu 667 Megahertz ein Multimedia-Internet-PC; er besaß einen Siemens-Arbeitsspeicher von 128 Megabyte, eine Festplatte für zwanzig Gigabyte und ein „Daten-Fax-Modem“. Aldi lieferte darüber hinaus das Telefon-Kabel. Zur vorinstallierten Software zählte der Internet Explorer 5.0, es tobte gerade der Browser-Krieg mit Netscape. Das Gerät kostete immer noch 1.998 DM, den Monitor musste man aber extra bezahlen.

Im November wurde das nächste Modell des Internet-Rechners angeboten, dessen Pentium  mit 900 Megahertz tickte. Für 2.598 DM gab es nicht nur einen Monitor, sondern auch einen CD-Brenner und ein umfangreiches Softwarepaket; auf einer DVD lag der Spielfilm „Aus der Mitte entspringt ein Fluß“ bei. Wir wissen nicht warum, doch behandelt er ein Brüderpaar. Aldi Nord versah den Computer mit einem Lifetec-Label, Aldi Süd nannte ihn Medion wie den Hersteller. Die Lifetec-Version zeigt oben unser Eingangsbild; sie steht in der im Oktober eröffneten HNF-Abteilung zur PC-Geschichte.

Das blaue Wunder: Schwestermodell Medion für die Aldi-Süd-Filialen

Schon im September 2025 präsentierte das Bonner Haus der Geschichte seinen Aldi-PC. Das war der Bericht des WDR, bitte zu Minute 3:30 gehen. Der Rechner steht allerdings nicht im Hauptgebäude, sondern hinter einem Schaufenster in der nahen U-Bahn-Station. Im Unterschied zu Museumspräsident Harald Biermann bezweifeln wir, dass die Bevölkerung mit ihm so leicht ins Internet ging. Sie hätte zumindest ein externes Modem gebraucht, zudem fehlte die Software.

Die Bedeutung des Professional Computers für die deutsche Digitalgeschichte verkennen wir aber nicht. Die Hardware aus Essen erlaubt zudem einen Blick hinter die Kulissen der Aldi-Reiche. Hersteller Medion ging 1998 an die Börse. Die Geschäftsberichte verraten einiges zur Beziehung zu Aldi Nord und Süd. Diese Unternehmen legten sich erst ab 2007 Pressestellen zu. Bekannt ist, dass der 2010 verstorbene Aldi-Nord-Chef Theo Albrecht Schreibmaschinen sammelte. Sein Bruder Karl – er starb 2014 – bevorzugte das Golfen.

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