Das war die Zuse Z5

Geschrieben am 16.08.2018 von

Vor 65 Jahren ging sie in Betrieb: die Z5. Die „Größte Rechenanlage Europas“, um eine Zeitung zu zitieren, stand in den Optischen Werken Ernst Leitz im hessischen Wetzlar. Sie enthielt 2.200 Relais und war der erste Großrechner der 1949 gegründeten Zuse KG. Der Computer arbeitete bis 1958 in der Kamerafirma; das weitere Schicksal ist unklar.

Am 1. August 1949 gründete Computerpionier Konrad Zuse mit zwei Freunden seine dritte Firma. Die Zuse KG folgte auf sein Berliner Ingenieurbüro von 1941 und ein Unternehmen gleichen Namens, das er 1947 im Allgäu startete. Die Zuse KG belegte im osthessischen Neukirchen – heute ein Teil der Gemeinde Haunetal – eine alte Poststation. Hier kann man sie 1958 im Film sehen, wobei aus Neukirchen ein „Neustadt“ wurde.

Die Firma war klein, hatte aber viel zu tun. Der Relaiscomputer Z4, 1945 aus Berlin gerettet, musste für die Aufstellung in der ETH Zürich vorbereitet werden. Für die Schweizer Filiale des US-Konzerns Remington Rand baute die Zuse KG die Rechengeräte Z7 und Z8; sie wurden an Lochkartenmaschinen angeschlossen. 1950 traf aus Wetzlar ein Großauftrag der Optischen Werke Ernst Leitz ein. Der Kamera- und Mikroskophersteller bestellte eine Weiterentwicklung der Z4 und überwies auch gleich den Kaufpreis von 300.000 DM.

Zeitungsbericht zur Z5 mit fehlerhaftem „Neunkirchen“ (Foto Horst Zuse)

1953 war die Zuse Z5 fertig; in unserem Eingangsbild (Foto Horst Zuse) steht sie vor dem Firmengebäude. In den verglasten Schränken steckten 1.500 Relais zum Rechnen und 700 zum Speichern. Eine Zahl wurde mit Fließkomma dargestellt: Die 36 Bit teilten sich in ein Bit fürs Vorzeichen, sieben Bit für den Exponenten und 28 Bit für die Mantisse. Eine Addition erledigte die Z5 in einer Zehntelsekunde. Für eine Multiplikation brauchte sie 0,4 Sekunden und für die Division 0,75 Sekunden. Die Taktfrequenz betrug 40 Hertz.

Die Eingaben geschahen am Steuerpult sowie mit gelochten Filmstreifen. Hier blieb Konrad Zuse dem Prinzip treu, dem er schon 1941 bei seinem ersten Relaisrechner Z3 folgte. Im Unterschied zur älteren Maschine lagen aber mehrere Lochstreifen zur Auswahl bereit, die Z5 nutzte also Unterprogramme. Außerdem beherrschte sie die Kunst des bedingten Sprungs. Die Software war, wie man sich denken kann, auf optische Berechnungen ausgelegt. Die Ausgabe erfolgte mit Leuchtziffern im Pult und durch eine elektrische Schreibmaschine.

Die Z5 in Wetzlar; gut erkennbar sind die gelochten Filmstreifen für die Unterprogramme und Papierkopien davon. (Foto Horst Zuse)

Die Z5 wurde am 7. Juli 1953 mit einer feuchtfröhlichen Feier in Neukirchen verabschiedet. Am 17. oder 18. August nahm sie in Wetzlar den Betrieb auf. Der Rechner war neben der G1 von Heinz Billing der einzige Digitalcomputer in Deutschland. Schon mehrere der neuen Denkmaschinen liefen in England. Auf dem europäischen Kontinent gab es Konrad Zuses Z4 in Zürich, den schwedischen Relaisrechner BARK und das Elektronenhirn MESM in Kiew. 1953 installierte die Universität Hamburg außerdem den analogen Integromat.

Das Arbeit der Z5 endete 1958. Ihr Nachfolger in den Optischen Werken Ernst Leitz war ein Röhrenrechner des englischen Herstellers Elliot. Was aus dem Zuse-Computer wurde, ist unbekannt; vermutlich landete er auf dem Schrottplatz. Aus den ersten Jahren der Zuse KG überlebten nur die Z4 – sie steht im Deutschen Museum München – und ein Rechenlocher des Typs M9 von 1953. Er fand seinen Ruheplatz im Museum für Kommunikation in Bern. Zum Schluss danken wir Professor Horst Zuse herzlich für die historischen Fotos.

(Foto Horst Zuse)

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Ein Kommentar auf “Das war die Zuse Z5”

  1. Hildegard Kiunke sagt:

    Ich bin zwar weiblich und dazu auch noch 86 Jahre, dennoch der Bericht ist wieder spannen und faszinierend
    Ich hoffe dass es mir in diesem Sommer mal wieder gelingt im HNF Paderborn einen Tag Urlaub zu machen.
    Die Bilder und Kommentare sind gut und verständlich.

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