Der digitale Beethoven

Geschrieben am 25.02.2020 von

In diesem Jahr feiern wir den 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven. Das HNF feiert mit und zeigt ab dem 26. Februar die interaktive Installation „Inside Beethoven! Das begehbare Ensemble“. Sie passt gut in ein Museum zur Computergeschichte, denn wie andere Tonkünstler schrieb Beethoven Stücke für Musikautomaten. Das bekannteste ist „Wellingtons Sieg“ von 1813.  

Ludwig van Beethoven, wer kennt ihn nicht! Er zählt zu den großen Komponisten der Welt. Selbst Unmusikalische können einige Takte von ihm summen, sei es „Freude schöner Götterfunken“ oder das Papapa-Pamm vom Beginn der 5. Sinfonie. Genau wissen wir nur das Datum seiner Taufe: Sie geschah am 17. Dezember 1770 in der St.-Remigius-Kirche in Bonn. Geboren wurde Beethoven wahrscheinlich am 16. Dezember. Das Geburtshaus steht noch; es ist heute ein Archiv und ein Museum.

Stiftwalze eines Musikautomaten; ganz rechts erkennt man den Gewichtsantrieb. (Foto Jorge Royan CC BY-SA 3.0)

Vom Dezember 1792 bis zu seinem Tod am 26. März 1827 lebte und arbeitete Ludwig van Beethoven in Wien. Wir möchten einige seiner Werke näher betrachten, insbesondere die für mechanische Musikinstrumente. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert gab es die Flötenuhren, Kombinationen aus Standuhren und kleinen Orgeln. Ein Gewichtsantrieb betätigte das Gebläse und drehte die Walze. Sie trug Metallbügel, die die Orgelpfeifen aktivierten; so wurde die Melodie gespeichert. Eine ähnliche Technik finden wir in Leierkästen.

Berühmte Tonkünstler wie Georg Friedrich Händel, Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart komponierten für Flötenuhren. Geschickte Mechaniker setzten ihre Noten in Drähte auf den Walzen um. Das Museum Speelklok in Utrecht besitzt einen Automaten mit einem Haydn-Programm. Ludwig van Beethoven schuf für Flötenuhren fünf kleine Stücke und einen Marsch. Letzterer liegt computermusikalisch vor. Die MP3-Dateien lassen den Klang des mechanischen Originals zumindest erahnen.

In Wien hatte Beethoven Kontakt mit dem aus Regensburg stammenden Johann Nepomuk Mälzel. Er war Techniker, Erfinder und auch ein guter Pianist. Wir kennen ihn als Besitzer des Schachtürken; mit ihm bereiste Mälzel später die Vereinigten Staaten. In seiner Wiener Zeit baute er zusammen mit seinen Mechanikern Spieluhren und Musikautomaten, darunter einen Trompeter und das raumfüllende Panharmonikon. Es ersetzte eine ganze Blaskapelle. Mälzel verbesserte das schon länger bekannte Metronom und vermarktete es erfolgreich als „Mälzels Metronom“.

Das Mälzelsche Panharmonikon nach einer Zeichnung von 1846. Keines blieb erhalten.

Für Ludwig van Beethoven konstruierte er mehrere Hörrohre. Der Komponist wurde schon früh schwerhörig. Im Laufe der Zeit verschlimmerte sich das Leiden. Das hielt ihn jedoch nicht von der Arbeit ab. 1813 bestellte Mälzel bei ihm Musik für das Panharmonikon. Es sollte ein militärisches Stück sein, das die Schlacht beim baskischen Ort Vitoria schilderte. Dort hatte der Herzog von Wellington Joseph Bonaparte, den Bruder Napoleons, am 21. Juni 1813 entscheidend besiegt. Die Schlacht beendete die französischen Herrschaft in Spanien.

Als Beethoven im Oktober fertig war, hatte Mälzel eine neue Idee. Er erbat sich nun eine erweiterte Fassung für Orchester. Sie erlebte am 8. Dezember 1813 in der Aula der Wiener Universität die Premiere. Der Titel lautete Wellingtons Sieg, oder die Schlacht bey Vittoria (mit zwei „t“). Das Stück gehört zu den schwächeren Werken unseres Komponisten, es macht aber Spaß. 1813 wurde es bejubelt und musste vier Tage nach der Premiere wiederholt werden. Anschließend zerstritten sich Beethoven und Mälzel wegen der Copyrights; die beiden versöhnten sich erst 1819 wieder.

„Wellingtons Sieg“ dauert eine Viertelstunde und hat zwei Teile. Der erste beschreibt die Schlacht, der zweite ist die „Sieges Symphonie“. Sie basiert auf Beethovens Entwurf für das Panharmonikon. Das Gesamtwerk lässt sich leicht auf YouTube finden, wir empfehlen einmal die Aufnahme mit Proben von 1962. Damals dirigierte Hermann Scherchen das Orchester des Südwestfunks. Mangels Hardware existiert keine Automaten-Version der Symphonie. Am nächsten kommen ihr vielleicht die Musikdateien des Amerikaners Mark Zimmer.

Hereinspaziert – Beethoven inside. „E flat major“ kennt man bei uns als Es-Dur.

Der Sieg Wellingtons bedeutete 1813 einen Triumph für Ludwig van Beethoven. Ein Erfolg des jungen Komponisten war das Septett in Es-Dur op. 20; es wurde am 2. April 1800 öffentlich aufgeführt. Wie der Name sagt, kamen sieben Instrumente zum Einsatz: Klarinette, Horn, Fagott, Violine, Viola, Cello und Bass. Ab dem 26. Februar 2020 ist das Stück im HNF zu erleben, digital und interaktiv. An sieben Pulten können die Besucher jedes Instrument für sich hören; ein achtes Pult bietet die von Beethoven erstellte Trioversion op. 38 mit Klavier, Klarinette und Cello an.

Inside Beethoven! Das begehbare Ensemble kommt von der Hochschule für Musik Detmold. Die Installation entstand als Verbundprojekt mit dem Zentrum für Musik- und Filminformatik ZeMFI, dem Erich-Thienhaus-Institut, dem Projekt „Beethovens Werkstatt“ und weiteren Beteiligten. Eine andere Aufnahme des Septetts ist das Beethoven-Jahr hindurch auf ARTE verfügbar. Dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften verdanken wir Originaltöne klassischer Musikautomaten; die CD von einer Flötenuhr aus Berlin gibt es hier.

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3 Kommentare auf “Der digitale Beethoven”

  1. Karl Pichler sagt:

    Da ich geborener Wiener bin kann ich noch ein paar Anmerkungen diesmal zum Tode Beethovens machen.
    Seine Grabrede schrieb und laß Franz Grillparzer.
    Beim Leichenmahl erhob Franz Schubert sein Glas und stieß auf das Wohl desjenigen an, der als nächster Beethoven folgen wird. Schubert starb ein Jahr später.

    1. HR sagt:

      War auf dem uralten spaeter so genannten Beethovengymnasium in Bonn. War er da auch, hatte er ueberhaupt Abitur?

      1. HNF sagt:

        Beethoven hat kein Gymnasium besucht, er war auf dem Tirocinium, einer Art Vorbereitungsschule.

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