Expedition 1 – das Weltall wird bewohnt

Geschrieben am 03.11.2020 von

2019 feierten wir den fünfzigsten Jahrestag der Mondlandung, 2021 können wir auf fünfzig Jahre Raumstationen zurückblicken: im April 1971 wurde die russische Saljut 1 gestartet. Heute erinnern wir an die erste Besatzung, die länger in der Internationalen Raumstation lebte. Am 2. November 2000 schwebten die drei Mitglieder der „Expedition 1“ in das Wohn-Modul der ISS.   

Von Raumstationen, großen bewohnten Erdsatelliten, träumten schon die Raketenpioniere der 1920er-Jahre. Am 19. April 1971 hob die erste tatsächlich gebaute mit einer Proton-Rakete im sowjetischen Startplatz Baikonur ab. Saljut 1 umkreiste die Erde nur ein halbes Jahr. Es folgten die amerikanische Station Skylab, weitere Mitglieder der Saljut-Familie und die russische Mir. Sie blieb von 1986 bis 2001 auf ihrer Umlaufbahn.

Am 20. November 1998 startete wiederum mit einer Proton das erste, in Russland gebaute Modul der Internationalen Raumstation ISS. Es wog mit Treibstoff 19 Tonnen, war 12,6 Meter lang und trug den Namen Sarja, zu Deutsch Morgenröte. Zwei Wochen später brachte das Space Shuttle Endeavour das erste US-Modul ins All, die 5,5 Meter lange und 4,6 Meter breite Unity. Am 6. Dezember 1998 koppelte ihre Crew beide Teile zusammen, danach stiegen die Besatzungsmitglieder Sergei Krikaljow und Robert Cabana ins Innere.

Völlig losgelöst von der Erde – die ISS im September 2000. Oben ist das Unity-Modul, darunter Sarja und Swesda. Ganz unten hat ein Progress-Raumschiff angedockt.

Das Space Shuttle kehrte am 16. Dezember zur Erde zurück, doch für kurze Zeit hatten sich Menschen in der neuen Raumstation befunden. Am 12. Juli 2000 erfolgte in Baikonur der Start des dritten ISS-Moduls, des knapp 23 Tonnen schweren Swesda – das heißt Stern. Der russischen Flugkontrolle gelangen am 26. Juli das Rendezvous und die Verknüpfung mit dem Sarja-Unity-Paar. Von Mai 1999 bis Oktober 2000 besuchte viermal ein Space Shuttle die im Aufbau begriffene Station für weitere Ausrüstungsarbeiten.

Vor zwanzig Jahren, am 31. Oktober 2000, setzten sich ein ukrainischer, ein russischer und ein amerikanischer Raumfahrer in eine enge Sojus-Kapsel. Die zugehörige Rakete donnerte im kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur los, und am 2. November legte die Kapsel am Swesda-Modul der ISS an. Die drei Männer bildeten die Expedition 1, die erste Langzeit-Besatzung der Internationalen Raumstation. Sie bestand aus Juri Gidsenko, Sergei Krikaljow und William Shepherd; letzterer war der Kommandant.

Kosmonaut Sergei Krikaljow kurz nach der Ankunft der „Expedition 1“

In den folgenden fünf Monaten beschäftigten sich die drei mit dem Ausbau der Station, mit wissenschaftlichen Experimenten und mit Sport, um negative Folgen der Schwerelosigkeit zu reduzieren. Gewohnt wurde im Swesda-Modul, die Wochenenden waren frei. Noch im November traf ein unbemanntes Progress-Raumschiff mit Versorgungsgütern ein, ein zweites erschien Ende Februar. Die Progress ähnelte der Sojus und diente auch der Müllabfuhr: sie legte mit der Last ab und verglühte beim Wiedereintritt in der Atmosphäre.

Am 2. Dezember 2000 flog ein Space Shuttle vorbei. Die Endeavour brachte 17 Tonnen Ausrüstung, und die Besatzung installierte vier riesige Solarzellen-Flügel. Zur Begegnung mit dem Expeditionsteam kam es aber erst am 8. Dezember. Nach Weihnachten und Neujahr im Weltall war am 9. Februar 2001 der Besuch der Raumfähre Atlantis angesagt. Sie trug das nunmehr vierte ISS-Modul, das amerikanische Forschungslabor Destiny. Mit Hilfe des Roboterarms des Space Shuttle wurde es an Ort und Stelle montiert.

Die ISS im Dezember 2000: Neu ist der Turm mit den Solarzellen-Flügeln. Vorne erkennt man das Sojus-Raumschiff der „Expedition 1“.

Am 10. März 2001 dockte das Space Shuttle Discovery an. An Bord war die Ablösung unseres Trios. Zur Expedition 2 gehörten der russische Kommandant Juri Ussatschow sowie Susan Helms und James Voss aus den USA. Kurz nach dem Anlagen öffnete sich die Luke der ISS, und neun Raumfahrer und eine Raumfahrerin trafen sich im Swesda-Modul – das war ein galaktischer Rekord. Am 18. März bestiegen Juri Gidsenko, Sergei Krikaljow und William Shepherd die Discovery, die daraufhin ablegte. Am 21. März 2001 landete sie in Florida.

So begann die dauerhafte Besiedlung des erdnahen Weltraums. Die Internationale Raumstation ist heute über hundert Meter lang; in zwei Jahrzehnten beherbergte sie 240 Menschen aus neunzehn Ländern. Durch ein amerikanisches Gesetz aus dem Jahr 2018 ist ihr Betrieb noch bis 2030 gesichert. Wer sich für die „Expedition 1“ interessiert, findet viel Material auf den Internetseiten der NASA, zum Beispiel hier. Es gibt auch einen schönen Film, der ab 2002 in IMAX-Kinos lief und in kleinerem Format auf YouTube zu sehen ist. Zum runden Jubiläum erschien außerdem ein Programm von Google Arts & Culture.

Bitte lächeln – links CIMON, rechts der deutsche ESAnaut Alexander Gerst (Foto ESA)

Mehr Informationen zu Menschen im Kosmos liefert bis zum 6. Januar der Aufbruch ins All im 3. Obergeschoss des HNF. Im Dezember ist die Schau hoffentlich wieder zugänglich. Sie zeigt Modelle der ISS und einen ISS-Bewohner: Roboter CIMON reiste Anfang Juni 2018 mit einem SpaceX-Raumschiff an und im August 2019 mit einem anderen ab. Wir danken dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und der Abteilung Raumfahrtmanagement für die Leihgabe. Sie wird ebenfalls bis 6. Januar ausgestellt; hier sind der Teaser der DLR und hier ein ESA-Video.

Unser Eingangsbild zeigt die „Expedition 1“ in der Internationalen Raumstation, von links nach rechts William Shepherd, Juri Gidsenko und Sergei Krikaljow.

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