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Horst Nasko – der Vermittler

Geschrieben am 24.03.2026 von

Am Monatsende wird sich Dr. Horst Nasko aus der Heinz Nixdorf Stiftung und der Stiftung Westfalen zurückziehen, wo er jeweils stellvertretender Vorsitzender war. Der 1933 in Wien geborene promovierte Ingenieur übernahm 1983 den Bereich Nachrichtentechnik der Nixdorf Computer AG und erzielte Rekordumsätze. 1989 leitete er die Firma, musste sie aber mit der Computersparte von Siemens fusionieren.

Persönlich lernten sich Heinz Nixdorf und Dr. Horst Nasko wahrscheinlich im März 1974 in Bonn kennen. Dort trafen sich die beiden mit SPD-Forschungsminister Horst Ehmke und besprachen die Zukunft der Telefunken Computer GmbH. Sie gehörte jeweils zur Hälfte der Firma Nixdorf und dem AEG-Telefunken-Konzern; hier verantwortete Nasko im Vorstand die Bereiche Forschung und Entwicklung. Am Ende kam die GmbH zur Siemens AG; wir werden dieser noch einmal begegnen.

Horst Nasko wurde am 12. November 1933 in Wien geboren. Er studierte Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Graz, erwarb 1958 das Diplom und 1961 den Doktortitel. Seine berufliche Laufbahn begann er im AEG-Hochspannungsinstitut in Kassel. Er stieg dann in der Firma auf; 1972 saß er im Vorstand von AEG-Telefunken, 1973 stand er zum ersten Mal im SPIEGEL. Im Sommer 1982 musste der Konzern aber Vergleich anmelden; 1985 übernahm ihn die Daimler-Benz AG.

Dr. Host Nasko

Nach dem Ausstieg bei AEG-Telefunken war Nasko ab dem 1. Januar 1983 Vorstandsmitglied der Nixdorf Computer AG und zuständig für das neue Ressort Nachrichtentechnik. Heinz Nixdorf erkannte die Bedeutung jener Technik schon früh. Im April 1977 brachte die NCAG das Telefonsystem Nixdorf 8811 heraus, das sowohl Sprache als auch digitale Daten übertrug. Das Datatel verstieß jedoch gegen die Vorschriften der Bundespost und ließ sich zunächst nur innerbetrieblich nutzen. Die Freigabe für das normale Telefonnetz erfolgte erst 1981.

In den frühen 1980er-Jahren liberalisierte sich die Post etwas. 1982 erhielt das Nixdorf DVS 8818 die Postzulassung, das erste digitale Telefonvermittlungssystem eines europäischen Herstellers. Es bewältigte bis zu sechshundert Teilnehmer; spätere Erweiterungen erlaubten viertausend. Neben der Elektronik umfasste es Abfrageterminals und die nötigen Endgeräte, die Digifone; 1988 folgten Textgeräte und Bildtelefone. Natürlich eignete sich das DVS 8818 auch für das 1989 eingeweihte Integrierte Sprach- und Datennetz ISDN.

Modell des digitalen Vermittlungssystem Nixdorf DVS 8818 M 3000

Nasko hatte ab 1983 die Aufgabe, das Telefonsystem in den deutschen und internationalen Markt zu bringen, die er mit Bravour löste. Im September 1985 verkaufte Nixdorf die tausendste 8818-Anlage. Sie war auf 130 Amtsleitungen und 1.000 Nebenstellen ausgelegt und ging ans Fernmeldeamt Oldenburg. Nasko teilte damals mit, dass die 8818er-Systeme zehn Prozent des Hardware-Umsatzes im Inland erzielten; für 1985 waren das 74 Millionen DM. Bis zum Ende des Jahrzehnts wuchs der 8818-Umsatz auf 164 Millionen DM.

Nach dem Tod von Heinz Nixdorf auf der CeBIT 1986 blieb der Manager auf seinem Posten. Die NCAG rutschte aber langsam in die Krise. Im Frühjahr 1989 übernahm Nasko im Vorstand zusätzlich den Bereich Öffentliche Verwaltung, im November 1989 rückte er an die Spitze der NCAG und wurde Vorstandssprecher. Die Eigenständigkeit der Firma konnte er nicht mehr bewahren, sondern nur mit der Computerabteilung der Siemens AG zusammenführen. Am 1. Oktober 1990 wurde Nasko stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Siemens Nixdorf Informationssysteme AG. 1995 endete seine Tätigkeit für SNI.

Nasko mit NRW-Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen auf der schicksalhaften CeBIT 1986

Schon mit seiner Berufung zum NCAG-Chef übernahm Horst Nasko einen Sitz im Vorstand der gemeinnützigen Stiftungen, die Heinz Nixdorf mit seinen Stammaktien ausgestattet hatte. Bis zum März 2026 war er bei der Heinz Nixdorf Stiftung sowie der Stiftung Westfalen tätig und unterstützte Projekte in Wissenschaft und Forschung sowie im Gesundheitswesen und Ausbildungssektor. Besonders am Herzen lagen ihm das Heinz Nixdorf MuseumsForum und das Heinz Nixdorf Institut der Universität Paderborn.

Für sein Engagement wurde Dr. Nasko vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz. Das HNF installierte nun im zweiten Obergeschoss zu seinem Leben und Werk eine Multimedia-Station; sie befindet sich im Nixdorf-8818-Bereich. Ein kurzes Video aus den 2010er-Jahren lässt sich hier anschauen. Auch wir bedanken uns für seine Aktivitäten und wünschen ihm Gesundheit und alles Gute. Unser Eingangsbild zeigt Nasko mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Lothar Späth und Heinz Nixdorf auf der Hannover Messe 1985.

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