Clive Sinclair – vom ZX zum C5

Geschrieben am 08.12.2017 von

1980 dominierten die amerikanischen Heimcomputer. Apple, Atari, Commodore und Tandy teilten sich die Märkte, auch in der Bundesrepublik. Zu Beginn des Jahres brachte aber der englische Erfinder Clive Sinclair seinen ZX80 heraus; 1981 folgte der ZX81. Beide kosteten weniger als 100 Pfund. 1982 kam der ZX Spectrum. Sie waren der wichtigste europäische Beitrag zur Mikrocomputer-Revolution.

Vor vierzig Jahren fertigten die US-Firmen Apple, Commodore und Tandy kleine Digitalrechner für private Benutzer. Sie enthielten Mikroprozessoren für 8 bit, waren vielfältig einsetzbar und verlangten keine speziellen technischen Kenntnisse. Andere Hersteller schlossen sich an; es begann die Revolution der Mikrocomputer. Diese eroberten den amerikanischen Markt und wurden später auch exportiert.

Erst 1980 erschien ein gleichwertiges und ebenso erfolgreiches Produkt aus Europa. Verantwortlich dafür war Clive Sinclair, ein begnadeter Bastler und Erfinder. Der Sohn eines Ingenieurs wurde 1940 am Rand von London geboren. Nach Abschluss der Schule arbeitete er als Redakteur für Technikzeitschriften; parallel dazu betrieb er die Firma Sinclair Radionics. In den 1960er-Jahren produzierte sie Verstärker und Mini-Radios. 1969 sagte Sinclair dem Journalismus Lebewohl und konzentrierte sich aufs Geschäft.

Sir Clive Sinclair im Jahr 1992

1972 baute er einen Taschenrechner, 1975 eine Digitaluhr; 1977 flimmerte ein winziger Fernseher. Inzwischen wurde seine Firma vom Staat kontrolliert, und Sinclair zog sich mit einem Scheck über 10.000 Pfund zurück. Schon 1973 hatte er ein zweites Unternehmen gegründet. Erster Artikel war eine Kombination aus Armbanduhr und Taschenrechner; er wurde als Bausatz vertrieben. 1978 folgte ein Mikrocomputer zum Eigenbau. Der MK14 bestand nur aus der Platine mit den Chips. Er kostete 39,95 Pfund und verkaufte sich gut.

1979 begann Sinclairs Chefingenieur Jim Westwood mit der Entwicklung eines richtigen Computers. Anfang 1980 kam er als ZX80 auf den Markt. Den Baukasten gab es für 79,95 Pfund, die Komplettversion für 99,95 Pfund. Im Inneren steckte ein 8-bit-Prozessor aus Japan, eine Kopie des amerikanischen Zilog Z80. Der Arbeitsspeicher fasste ein Kilobyte; der Festwertspeicher mit vier Kilobyte enthielt eine Variante der Programmiersprache BASIC. Der Z80 wurde an den Fernseher angeschlossen; zusätzliche Daten und Programme ließen sich auf einem Kassettenrekorder speichern.

Sinclair ZX80

Der sensationell niedrige Preis machte Schlagzeilen, und Sinclair Computers – ab 1981 Sinclair Research – setzte zwischen 50.000 und 100.000 Stück ab. Im März 1981 erschien der Nachfolger ZX81. Sein Festwertspeicher umfasste acht Kilobyte und ein verbessertes BASIC: Unter anderem konnte man jetzt mit Dezimalkomma rechnen. Der ZX81 kostete fertig 69,95 Pfund und 49,95 Pfund als Bausatz. In der Bundesrepublik zahlte man 398 DM; der ZX80 war 100 DM teurer gewesen. Weltweit verkaufte Clive Sinclair 1,5 Millionen der kleinen schwarzen Maschinen.

Der dritte Streich war der ZX Spectrum. Er kam im April 1982; in der Grundversion brachte er einen Arbeitsspeicher von 16 Kilobyte mit. Der Computer zauberte Farbgrafiken auf den Schirm; zur Peripherie zählten ein Endlos-Magnetband und ein kleiner Drucker. Insgesamt fand er fünf Millionen Käufer. In England war er für 125 Pfund erhältlich, bei uns für 498 DM. Modelle mit größerem Speicher kosteten etwas mehr. Die Sinclair-User waren begeistert und schrieben für den Spectrum 24.000 Programme; die meisten waren natürlich Spiele.

Sinclair ZX81

Die drei ZX-Computer machten England zur Großmacht im Reich der kleinen Computer. Außerdem führten sie ungezählte junge Leute in die Informatik und auf zukunftsträchtige Berufswege. Zum Lohn wurde aus Clive Sinclair im Juni 1983 Sir Clive Sinclair. Mit seinem nächsten Rechner wollte er in die Klasse des IBM PC und des Apple Macintosh aufsteigen. Der Sinclair QL – QL stand für „Quantum Leap“– besaß einen leistungsstarken Motorola-68008-Prozessor und zwei eingebaute Bandspeicher. Der Preis betrug 399 Pfund.

Der Quantensprung wurde für Januar 1984 angekündigt, die Auslieferung verzögerte sich jedoch monatelang. Sinclair verkaufte nur 150.000 Stück und stoppte 1985 die Fertigung. Die Krise ließ sich nicht mehr aufhalten. Im April 1986 übereignete Sir Clive für 5 Millionen Pfund sämtliche Rechte und alle Lagerbestände an seinen Konkurrenten Alan Sugar. Dessen Firma Amstrad stellte seit 1984 die höchst erfolgreichen CPC-Rechner her. Unter neuem Namen brachte Sinclair 1987 den tragbaren Cambridge Z88 heraus, der aber am Markt unterging.

Sinclair QL

Bereits im Januar 1985 hatte der Erfinder sein Lieblingsprojekt realisiert, das Elektroauto C5. Das oben offene Dreirad transportierte eine Person, die es mit einem unter den Beinen versteckten Lenker auf Kurs hielt. Ein Waschmaschinenmotor brachte das Gefährt auf 25 Stundenkilometer; bei Steigungen musste man aber in die Hilfspedale treten. Das C5 kostete wie der Sinclair QL 399 Pfund; gegen Aufpreis gab es Blinker, Hupe und Rückspiegel. 5.000 Käufer wagten sich damit auf die Straße, ehe die Produktion im August 1985 auslief.

Das vorerst letzte Sinclair-Produkt ist der Spielcomputer ZX Spectrum Vega. Er kam 2015 in den Handel und wird mit dem heimischen Fernseher verknüpft. Das weckt Erinnerungen an die alten ZXer mit ihrer empfindlichen Technik und den Folien- und Gummitastaturen, die nicht jedermanns Sache waren. Sir Clive bleibt dennoch einer der großen Innovatoren der IT-Geschichte. Seine Firmen waren vielleicht das letzte Aufbegehren des alten Europa gegen die Übermacht des Silicon Valley.

Sinclair C5

 

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