200 Jahre Werner (von) Siemens

Geschrieben am 13.12.2016 von

Am 13. Dezember 1816 wurde in Lenthe bei Hannover Werner Siemens geboren, noch ohne von. 1847 gründete er mit einem Kompagnon die Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske in Berlin. Sie fertigte Geräte zur Telegrafie und verlegte nationale und internationale Leitungen. 1866 erfand Siemens seine Dynamomaschine zur Stromerzeugung. So schuf er die Grundlagen für eine Weltfirma.

1892 vollendete Werner von Siemens – die Silbe „von“ trug er seit 1888 – seine Lebenserinnerungen. Er begann sie mit einer Geschichte aus der Kindheit: Im Alter von fünf Jahren schlug er mit einem Stock und zugekniffenen Augen einen gefährlichen Gänserich in die Flucht. Auf diese Weise konnte seine ältere Schwester Mathilde unverletzt zur Strickstunde ins Pfarrhaus gelangen.

Die kleine Heldentat zeigt uns den Familiensinn, den Siemens später auch im Geschäft auszeichnete. Geboren wurde er am 13. Dezember 1816 als viertes von vierzehn Kindern des Gutspächters Christian Ferdinand Siemens. Von seinem Geburtstort Lenthe (oben ist ein Gedenkstein in seinem Geburtsort zu sehen) westlich von Hannover zog die Familie später nach Menzendorf nahe Lübeck. Hier besuchte Werner einige Jahre das traditionsreiche Gymnasium Katharineum. Mit siebzehn verließ er die Schule, denn das zunächst angedachte Studium an der Berliner Bauakademie wäre für die Eltern zu teuer gewesen.

Werner Siemens 1843 als Offizier (Foto www.siemens.com/presse)

Werner Siemens 1843 als Offizier (Foto Siemens Historical Institute)

Eine Alternative war die Ausbildung zum preußischen Artillerieoffizier. Ende Oktober 1834 bestand Siemens das Eintrittsexamen. Nach der Rekrutenzeit besuchte er von 1835 bis 1838 die Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin. Der Offiziersdienst führte ihn nach Magdeburg, Wittenberg und schließlich Spandau. Er las wissenschaftliche Zeitschriften, hielt Kontakt zu Berliner Physikern und machte diverse Erfindungen. 1845 entwickelt er einen verbesserten Zeigertelegrafen; 1846 folgte eine Presse für das Isoliermaterial Guttapercha, einen Verwandten des Kautschuks.

Im Sommer 1847 konnte Siemens eine unterirdische Telegrafenleitung ziehen, die mit gepresstem Guttapercha isoliert war. Sie führte von Berlin zum weiter südlich gelegenen Großbeeren. Jetzt gab es kein Halten mehr: Am 1. Oktober des Jahres schlossen Werner Siemens, der Mechaniker Johann Georg Halske und Siemens‘ Vetter Georg einen Gesellschaftervertrag, der zu der Gründung einer „Telegraphen Bau-Anstalt“ führte. Die 6.842 Taler Startkapital kamen von Georg Siemens. Die Werkstatt wurde am 12. Oktober 1847 in einem Hinterhaus nahe dem Anhalter Bahnhof eröffnet.

1848 legte die junge Firma ihre erste Langstreckenleitung von Berlin nach Frankfurt am Main. Dort tagte in der Paulskirche die deutsche Nationalversammlung. Im gleichen Jahr hatte Werner Siemens seinen einzigen Fronteinsatz als Offizier. Zu Beginn des ersten Schleswig-Holsteinischen Krieges eroberte er als Leutnant mit 200 Mann die Festung Friedrichsort nördlich von Kiel, über der die dänische Flagge wehte. Die sechs Mann Festungsbesatzung wagten keinen Widerstand. Im Juni 1849 nahm Siemens seinen Abschied von der preußischen Armee und konzentrierte sich von nun an aufs Geschäft.

Werner Siemens mit seinen Geschwistern Otto, Wilhelm, Sophie (vorn), Hans und Friedrich (Foto Siemens Historical Institute)

Werner Siemens mit den Geschwistern Otto, Wilhelm, Sophie, Walter (vorn), Hans und Friedrich  (Foto Siemens Historical Institute)

In den folgenden Jahren gewann er wichtige Kunden, allen voran die russische Regierung. Siemens & Halske legten Kabel durch das Zarenreich bis zum Schwarzen Meer, wo gerade der Krimkrieg im Gange war. Als Berater wirkte Siemens bei englischen Projekten für Tiefseekabel durch das Mittelmeer und das Rote Meer mit. 1859 gehörte er zu den Passagieren des Dampfers Alma, als dieser im Süden des Gewässers auf ein Riff lief. Es kam niemand zu Tode, doch das Schiff war ein Totalverlust.

Bei der Expansion der Firma vertraute Werner Siemens an erster Stelle seinen jüngeren Brüdern. Carl übernahm die Zweigstelle im russischen St. Petersburg, Wilhelm die Vertretung in London. 1858 wurde sie selbständig; 1859 wurde Wilhelm englischer Staatsbürger. Bei Großprojekten arbeiteten die Brüder eng und erfolgreich zusammen. Zu nennen sind die Indo-Europäische Telegrafenlinie, die ab 1870 London und Kalkutta verband, und das Transatlantikkabel von 1875. Hierfür ließ Wilhelm Siemens auf einer schottischen Werft den Kabelleger Faraday bauen.

1866 machte Werner Siemens seine wichtigste Erfindung: die Dynamomaschine mit Selbsterregung. Schon vorher gab es Generatoren, die eine Bewegung in Strom umsetzten: Sie verwendeten Dauermagnete oder mit externer Energie gespeiste Elektromagnete. Siemens sah, dass das schwache Magnetfeld im Anker des Elektromagneten einen kleinen Stromfluss erzeugt. Dieser baut nun ein stärkeres Magnetfeld auf, was zu einem stärkeren Strom führt, und das lässt sich weiter steigern.

Siemens 1876 mit seiner zweiten Frau Antonie und den Kindern Arnold, Käthe, Wilhelm, Anna (hinten), Hertha und Carl Friedrich (Foto Siemens Historical Institute)

1876 mit der zweiten Frau Antonie und den Kindern Arnold, Käthe, Wilhelm, Anna (hinten), Hertha und Carl Friedrich  (Foto Siemens Historical Institute)

Das sogenannte dynamoelektrische Prinzip bildete die Basis der Starkstromtechnik und der modernen Welt, wie wir sie kennen. In Berlin stellten Siemens & Halske immer neue Pionierleistungen vor. 1879 fuhr die erste elektrische Lokomotive, 1881 die erste elektrische Straßenbahn. 1882 erstrahlten am Potsdamer Platz 36 Bogenlampen und lieferten die erste größere Straßenbeleuchtung. Über eine Versuchsstrecke vor der Stadt fuhr im selben Jahr ein Elektroauto, das den Strom einer Oberleitung entnahm. Aus dem Siemensschen „Elektromote“ entstand später der Oberleitungs- oder Obus.

Werner Siemens war zweimal verheiratet – seine erste Frau starb 1865 – und hatte sechs Kinder. Sein soziales Engagement ließ ihn schon 1872 eine Pensionskasse für die Belegschaften gründen. Ein zweites Motiv war natürlich der Wunsch, qualifiziertes Personal an die Firma zu binden. Von 1862 bis 1866 saß er für die Deutsche Fortschrittspartei im Preußischen Landtag. Er engagierte sich jahrelang für ein modernes Patentgesetz, welches 1877 erlassen wurde. Der 1887 gegründeten Physikalisch-Technischen Reichsanstalt stiftete er Geld und ein Grundstück.

1888 erhielt Siemens den erblichen Adel. 1890 zog er sich aus der Firma zurück, die 1897 zur Aktiengesellschaft wurde. Werner von Siemens starb am 6. Dezember 1892 in Charlottenburg. In jenem Jahr fertigte Siemens & Halske tausend Dynamomaschinen und setzte fast 20 Millionen Mark um. Für Siemens-Unternehmen arbeiteten 6.500 Menschen, davon 4.775 in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2015 waren es weltweit 348.000, der Umsatz lag bei mehr als 75 Milliarden Euro. Das Foto unten zeigt das Siemens-Kabinett des HNF (Foto: Jan Braun, HNF); ganz vorne steht einer seiner Dynamos.

SiemensKabinett

Eingangsbild: Grombo, CC BY-SA 3.0

 

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