25 Jahre PDF

Geschrieben am 15.06.2018 von

1982 gründeten die Informatiker Charles Geschke und John Warnock im kalifornischen Los Altos die Firma Adobe; benannt wurde sie nach dem Bach hinter Warnocks Haus. Mit der Sprache PostScript und den Programmen Illustrator und Photoshop machte sie sich schnell einen Namen im Feld der Computergrafik. Am 15. Juni 1993 brachte Adobe das Dateiformat PDF heraus.

Das Forschungszentrum PARC in Palo Alto bei San Francisco zählt zu den Geburtsorten der Computerzukunft. Hier entstanden einst Personal Computer, grafische Benutzeroberflächen, Laserdrucker, lokale Netzwerke oder – wir haben es im Blog geschildert – elektronisches Papier. Der Betreiber des Zentrums, der Kopiererhersteller Xerox, nutzte die Resultate nur unzureichend, doch fanden sie letztlich den Weg auf den Markt.

Im PARC trafen sich ebenso Charles Geschke und John Warnock. Geschke wurde 1939 in Cleveland geboren, studierte alte Sprachen und Mathematik und lehrte das Fach an einer Jesuitenhochschule. 1972 promovierte er in Informatik und ging nach Palo Alto. Der ein Jahr jüngere Warnock stammte aus Salt Lake City; er hatte in der Universität von Utah bei Ivan Sutherland die Computergrafik kennengelernt. Später arbeitete er auch in seiner Firma. Ab 1978 war er für Charles Geschke in der PARC-Abteilung für Bildverarbeitung tätig.

Dort entwickelte Warnock eine Programmiersprache zur Steuerung von digitalen Druckern. Sie trug den Name Interpress. 1982 zeichnete sich ab, dass Xerox wenig Interesse an einer Vermarktung hatte. Deshalb verließen Charles Geschke, John Warnock und einige Kollegen das PARC und machten sich selbstständig. Im Dezember 1982 starteten Geschke und Warnock im Nachbarort Los Altos am gleichnamigen Bach die Firma Adobe.

Button mit dem „Running Man“, der jahrelang die Adobe-Acrobat-Boxen zierte.  (Foto Computer History Museum)

1983 fand die ordnungsgemäße Gründung statt, und die Adobe Systems Inc. ging an eine verbesserte Version von Interpress: PostScript. Steve Jobs gefiel die Software. Er beteiligte sich mit 2,5 Millionen Dollar an der jungen Firma. PostScript wurde dadurch der Standard für den Apple LaserWriter. Der Laserdrucker, der neue Apple Macintosh und das Computersatzprogramm PageMaker eröffneten 1985 die Ära des Desktop-Publishing. PageMaker kam von dem in Seattle ansässigen Start-up Aldus.

Im März 1987 folgte das nächste große Adobe-Produkt, das Zeichenprogramm Illustrator. Im Februar 1990 erschien die Bildbearbeitung PhotoShop; dieses Programm hatte Adobe von den Autoren erworben, den Brüdern Thomas und John Knoll. Mittlerweile stehen der Name und das daraus abgeleitete Verb  photoshoppen  für die Kunst der digitalen Retusche, vor allem dann, wenn das Endprodukt das Originalbild an Glanz und Schönheit übertrifft. In jenem Jahr hatte Adobe über 500 Angestellte und Einnahmen von 169 Millionen Dollar.

Chef der Firma war seit 1984 John Warnock. 1990 initiierte er das Projekt Camelot, benannt nach der Burg des sagenhaften Königs Artus. Das Ziel war einfach: die originalgetreue Übertragung von Dokumenten und Bildern von einem Computer zu einem anderen, eine Art volldigitales Faxen. Die Projektleitung übernahm der Adobe-Programmierer Bob Wulff. Das Dateiformat hieß zunächst Interchange PostScript, kurz IPS; die dazugehörige Software erhielt die Bezeichnung Carousel.

Charles Geschke (links) und John Warnock (Mitte) erhielten 2009 von Präsident Obama die Nationale Technologiemedaille der USA.

Anfang Oktober 1991 führte John Warnock das Programm auf einer Konferenz im Silicon Valley zum ersten Mal öffentlich vor. Er zeigte die erste Seite einer Technikzeitung auf den Monitoren eines älteren DOS-Computers, einen neuen Windows-PCs, eines Apple Macintosh und einer NeXT-Workstation. Die Konferenzteilnehmer konnten keine Unterschiede feststellen und waren begeistert. Im November 1992 wurde das Format dann auf der Computermesse COMDEX als PDF angekündigt und gewann einen Innovationspreis.

Am 15. Juni 1993 kamen das Portable Document Format und die Begleitsoftware Acrobat in den Handel. Zu Beginn verkaufte sie sich nur schleppend, besser lief es, als Adobe den PDF-Leser gratis zur Verfügung stellte. Später wurde auch das Abspeichern von PDF-Dateien kostenfrei. 2008 wurde das Format sogar ein internationaler Standard. Im Laufe der Zeit brachte Adobe Dutzende weiterer Grafik- und Videoprogramme heraus, auch durch die Übernahme von kleineren Firmen. Heute hat die Firma einen Jahresumsatz von 7,3 Milliarden Dollar und 17.000 Mitarbeiter.

Unser Eingangsbild (Foto Adobe Systems Inc.) zeigt den Firmensitz im kalifornischen San Jose. Die Gründer Charles Geschke und John Warnock haben sich längst aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen. Ihre Firma machte in den letzten Jahren einige Male negative Schlagzeilen, so 2013 beim Adobe-Hack. Damals gerieten Daten von 38 Millionen Kunden und Nutzern in die Hände von Computerkriminellen. Auch über die Adobe-Software Flash las man öfters schlechte Nachrichten. Sie wird in zwei Jahren ausgemustert. Die PDF-Dateien aber sind so klar und sauber wie am ersten Tag.

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Ein Kommentar auf “25 Jahre PDF”

  1. Danke für diesen tollen Blog. War sehr interessant zu lesen.

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