Thank you, Ivan Sutherland!

Geschrieben am 15.05.2018 von

Achtzig Jahre alt wird er erst am Mittwoch, den 16. Mai, doch feiern können wir ihn schon heute. Ivan Sutherland wurde 1938 im US-Bundestaat Nebraska geboren. Als Student erfand er die interaktive Computergrafik; später war er Mitgründer der Grafikfirma Evans & Sutherland. 1988 gewann er den Turing-Preis. Außerdem schuf er die Virtuelle Realität mit Rückmeldung.

Konrad Zuse liebte das Basteln mit dem Stabilbaukasten; das führte ihn später zu seinem ersten, noch mechanischem Computer. Ivan Sanderson, achtzehn Jahre jünger, besaß ein ähnliches Spielzeug. Wie er im Film erzählt, erbte seine Mutter einen Anker-Steinbaukasten oder „Richter Blocks“, wie man in Nordamerika sagt. Damit erstellte er kleine Gebäude, die Mama genau darauf überprüfte, ob sie auch den Bildvorlagen entsprachen. Und vielleicht gab Vater Sutherland Tipps; er war von Beruf Bauingenieur.

Geboren wurde Ivan Sutherland am 16. Mai 1938 in Hastings im US-Staat Nebraska; später zog die Familie nach Scarsdale nördlich von New York. Hier ließ Ivan die Anker-Steine im Schrank und bastelte wie Konrad Zuse vor ihm einen Portalkran. Mit zwölf arbeitete er mit einem Relaisrechner der Marke Simon. Diesen hatte der Mathematiker Edmund Berkeley erfunden; er wird manchmal als erster Personal Computer bezeichnet. Einige Jahre später konstruierte Sutherland für ein Schulprojekt einen Trommelspeicher mit 256 Bit.

Ivan Sutherland   (Foto Dick Lyon CC BY-SA 3.0)

Als Ingenieurstudent in Pittsburgh leistete er 1957 einen Beitrag zur damals recht populären Kybernetik: die Machina Versatilis war die erste elektronische Schildkröte mit Transistoren. 1960 studierte er in Kalifornien, ab 1961 saß er an seiner Dissertation im MIT in Boston. In einer Außenstelle der Hochschule, dem Lincoln Laboratory, lief der Transistorrechner TX-2. Für ihn schrieb Sutherland das Programm Sketchpad, die erste interaktive Grafik-Software der Welt. Die Eingaben geschahen mit Hilfe eines Lichtgriffels.

1963 erhielt Sutherland den Doktortitel; der Doktorvater war Claude Shannon. Das Programm ist in einem kurzen und einem längeren Video zu sehen; letzteres liegt in zwei Teilen vor. Der junge Mann, der sich im allerersten Video bei Minute 1:00 an den Computer setzt, dürfte der Erfinder persönlich sein. Nach der Promotion war Sutherland ein Jahr als Wissenschaftler für die Armee tätig. Danach leitete er die Computerabteilung der ARPA, der Forschungsbehörde des amerikanischen Verteidigungsministeriums.

Am TX-2-Computer mit Sketchpad   (Foto Computer History Museum)

Ende 1965 trat er eine Dozentenstelle an der Harvard-Universität an. Hier widmete er sich nun einer Technik, die heute allgemein als virtuelle Realität bezeichnet wird; Sutherland sprach vom Ultimate Display. Dabei erzeugt der Computer zwei getrennte Animationen für das linke und das rechte Auge; beim Betrachten verschmelzen sie zu einer räumlichen Szenerie. Sie ändert sich, wenn der Betrachter den Kopf dreht. Sieht er also einen Würfel und schaut in eine andere Richtung, so rutscht der Würfel an die Seite, nach oben oder nach unten.

Wir haben die Geschichte der virtuellen Realität schon vor zwei Jahren im Blog erzählt. Halten wir fest, dass Sutherland auf älteren Techniken der Stereoskopie und auf Vorarbeiten des Filmemachers Morton Heilig aufbaute. 1961 entstand außerdem ein kamerabasiertes VR-System in der amerikanischen Firma Philco; es trug die Bezeichnung Headsight. Ivan Sutherland war aber der erste Forscher, der den Computer und die Computergrafiken einführte. 1968 konstruierte er einen Vorläufer des Datenhelms, das Damoklesschwert. Im Netz ist es als 21-Sekunden-Video erhalten; bei Sekunde 13 erscheint der erwähnte Würfel.

Ivan Sutherland in den Achtzigern auf einem Laufroboter (Foto Carnegie Mellon University)

Von 1968 bis 1974 war Sutherland Informatikprofessor an der Universität von Utah. In der Mormonenstadt Salt Lake City gründete er mit seinem Kollegen David Evans die Technikfirma Evans & Sutherland. Von 1974 bis 1978 lehrte er am California Institute of Technology. Für seine Pionierleistungen und visionären Beiträge zur Computergrafik – so heißt es in der Verleihungsurkunde – erhielt er 1988 den Turing-Preis. Seit 2009 arbeitet er in einem neuen Forschungszentrum der Portland State University im Pazifikstaat Oregon.

Die übrigen Tätigkeiten, Patente und Auszeichnungen von Ivan Sutherland überspringen wir. Auf YouTube ist ein autobiografischer Vortrag von 2012 aufgezeichnet. Hinweisen möchten wir noch auf die Virtual-Reality-Station des HNF in der Abteilung Smart World. Dort kann man sich in einen Adler verwandeln und die Stadt Paris in einer grünen Zukunft kennenlernen. Ein kleiner Vorgeschmack findet sich hier. Bei unserem Erfinder bedanken wir uns herzlich für seine tollen Ideen und Konzepte und wünschen ihm noch viele kreative Stunden.

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