Bitcoins und Blockchains

Geschrieben am 23.01.2018 von

Am 31. Oktober 2008 erschien in einer Mailingliste im Internet ein Vorschlag für ein Bezahlsystem namens Bitcoin. Der Autor oder die Autorengruppe nannte sich Satoshi Nakamoto. Anfang 2009 folgte die erforderliche Software. Im Mai 2010 wurden zwei Pizzas mit Bitcoins gekauft. Seitdem besitzt die Welt eine neue Währung, die nur auf Computern und online existiert.

Geld ist etwas Wunderschönes, man kann viel damit tun. Was Geld genau ist, wissen selbst Experten nicht so recht, aber es existiert in Form von Münzen, Scheinen oder Konten. Neues Geld erschaffen dürfen nur unsere Banken. Wer es allein versucht und mit einem Farbkopierer oder einer Druckmaschine Geldscheine erzeugt, macht sich strafbar. Das gilt auch für das Fälschen von Wertzeichen und Wertpapieren. Paragraph 149 des deutschen Strafgesetzbuchs verbietet ebenso dafür benutzte Computerprogramme.

Seit neun Jahren verbreitet sich eine Software im Internet, die virtuelles Geld produziert. Am 8. Januar 2009 setzte Satoshi Nakamoto die Nachricht Bitcoin v0.1 released in die Internet-Mailingliste zur Kryptografie. Sie verkündete den Start von Bitcoin, einem elektronischen „cash system“. Der Text enthielt eine Adresse, über die jeder das System herunterladen konnte. Elektronisches Bargeld gab es keines, wohl aber den Hinweis, dass man mit einem Computer Münzen generieren kann. Voll ausgebaut, soll Bitcoin 21 Millionen umfassen.

Schon am 31. Oktober 2008 hatte Nakamoto das System in der genannten Liste vorgestellt. Sein Bitcoin P2P e-cash paper – P2P heißt „Peer to Peer“ und meint einen Datenaustausch – verwies auf eine längere Erläuterung, die auch ins Deutsche übersetzt wurde. Sie schildert ein netzbasiertes Bezahlsystem, in dem Personen Geldbeträge in der künstlichen Währung Bitcoin überweisen. Das geschieht unter Decknamen, aber in aller Öffentlichkeit. Denn die Geschäftsvorgänge werden auf jedem Computer gespeichert, der das System anbietet.

Alle zehn Minuten werden die Buchungen zusammengefasst und mit einer Codenummer versehen, dem Hash. In dessen Berechnung gehen Informationen zu den vereinbarten Überweisungen, eine Datumsangabe, eine Zusatzzahl, die sogenannte Nonce, und der zuvor gebildete Hash ein. Die Angaben bilden einen Block, und beim Ausrechnen seines Codes wetteifern die Bitcoin-Bergleute miteinander. Wenn der Hash vorliegt, sind die Handlungen bestätigt, und der nächste Block wird geöffnet. So entsteht die Blockchain.

Im programmierten Bergwerk: Das Bitcoin-Netz enthält 21 Millionen digitale Münzen, von denen 80 Prozent schon geschürft wurden.

Die Kumpel sind die Elite der Bitcoin-Nutzer. Sie bezahlen nicht oder nur wenig im System, sondern verdienen damit neues Geld. Falls ein Bergmann – oder eine Bergfrau – einen Hash regelgerecht berechnet, darf er oder sie 12,5 Bitcoins aufs Konto abführen. In zweieinhalb Jahren reduziert sich der Lohn allerdings auf 6,25 Münzen; Details zeigt die Halbierungsuhr an. Die nächste Teilung erfolgt 2024. Zur Zeit warten rund vier Millionen Bitcoins auf ihre Schürfung, knapp 17 Millionen sind bereits abgebaut.

Die ersten Bitcoins gewann Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto mit der Schaffung des Genesis-Blocks. Das war am 3. Januar 2009 oder wenige Tage später, also noch vor der Publikation des Systems. Der erste Kauf mit Bitcoins fand im Folgejahr statt: Am 22. Mai 2010 freute sich Laszlo Hanyecz in Florida über zwei Pizzas, die er im Netz und mit Fotos dokumentierte. Er zahlte für sie 10.000 Bitcoins, was damals rund 40 Dollar entsprach. Im Januar 2018 würden sie wegen des Kursanstiegs mehr als 100 Millionen kosten.

Die Bitmünze erinnert an das Freigeld von Silvio Gesell, ihre mathematische Basis ist aber die Kryptografie mit öffentlichem Schlüssel. Im Blog haben wir sie 2016 näher geschildert. Diese Technologie erlaubt jedem die Gründung einer digitalen Währung; mittlerweile werden an die 1.400 Systeme gezählt. Der Markführer ist Bitcoin. Im letzten Quartal 2017 schoss der Kurs wie eine Rakete in die Höhe. Zur Zeit liegt er bei 8.600 Euro. Für den Einstieg in den Bitcoin-Handel empfehlen wir die gute alte Computerwoche.

Das große Rätsel der Bitcoin-Welt hat aber noch keine IT-Zeitschrift gelöst: Wer ist Satoshi Nakamoto? Im August teilte ein Reporter mit, dass der amerikanische Krypto-Geheimdienst NSA dem Bitcoin-Erfinder auf die Spur gekommen wäre. Er hätte aus Nakamotos Internet-Botschaften die Lieblingsworte und –wortkombinationen ermittelt und diese in den E-Mails gesucht, die der Geheimdienst routinemäßig sammelte. Leider behielten die Schlapphüte das Endresultat für sich. Alle Bitcoin-Schürfer grüßen wir mit einem herzlichen Glückauf!

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Ein Kommentar auf “Bitcoins und Blockchains”

  1. Ingo sagt:

    Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie sich dieses ganze Thema in den letzten Jahren und insbesondere in den letzten Monaten entwickelt hat. In diesem Bereich wird ganz sicher noch einiges passieren und ich bin sehr gespannt darauf.

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