Der Bauhaus-Meister von der IBM

Geschrieben am 12.04.2019 von

Heute vor hundert Jahren wurde die Hochschule für Bildende Kunst in Weimar zum Staatlichen Bauhaus. 1925 zog sie nach Dessau; 1933 endete der Unterricht. Bauhaus-Gründer Walter Gropius lehrte ab 1937 in Harvard. Zu den Studenten gehörte der 1910 geborene Eliot Noyes. Von 1956 bis zu seinem Tod 1977 bestimmte Noyes das Design des Computerherstellers IBM.   

1883 in Berlin geboren, wurde Walter Gropius am 1. April 1919 zum Direktor der Hochschule für Bildende Kunst in Weimar ernannt. Ab dem 12. April hieß sie Staatliches Bauhaus und entwickelte sich zu einer Aufsehen erregenden Institution. Von 1925 an saß sie in Dessau; das Eingangsbild zeigt das Hauptgebäude. 1928 trat der Schweizer Architekt Hannes Mayer die Nachfolge von Gropius an. 1932 musste das Bauhaus schließen. Es arbeitete dann in Berlin bis zum 10. August 1933 als Privatschule weiter und schloss dann für immer.

Walter Gropius emigrierte 1934 nach England und 1937 in die USA. Dort erhielt er eine Professur an der Harvard-Universität. Einer der Studenten war der 27-jährige Eliot Noyes. Er kam aus Boston; sein Vater lehrte ebenfalls in Harvard. Noyes wurde ein überzeugter Anhänger des Bauhaus-Stils. Er übernahm Konzepte, die Walter Gropius beim berühmten Formgestalter Peter Behrens gelernt hatte. 1938 machte Noyes den Master und trat in das Architekturbüro von Gropius und seines Bauhaus-Kollegen Marcel Breuer ein.

Eliot Noyes (Foto IBM Corporate Archives)

1939 wechselte er ins New Yorker Museum für moderne Kunst. Im Zweiten Weltkrieg war er eine Zeitlang im US-Verteidigungsministerium tätig; bei dieser Gelegenheit lernte er Thomas Watson junior kennen, den Sohn des gleichnamigen IBM-Chefs. 1946 arbeitet Eliot Noyes für den visionären Designer Norman Bel Geddes. Dieser bekam Aufträge von der IBM, ging aber 1947 pleite. Noyes konnte einen der IBM-Aufträge mitnehmen und in eigener Regie zu Ende führen. Das war die elektrische Schreibmaschine IBM Model A von 1948.

1956 übergab Thomas Watson senior die Firmenleitung an seinen Sohn. Der junge Watson verpflichtete Eliot Noyes sofort als Berater für Gestaltung. Damit begann eine Kooperation, die bis zum Tod des Architekten 1977 anhielt. Noyes gestaltete IBM-Zweigstellen, entwarf Gebäude und entwickelte das visuelle Erscheinungsbild. Außerdem sorgte er dafür, dass herausragende Kollegen für die IBM arbeiten konnten. Zu nennen sind der Schriftgestalter Paul Rand, das Designer-Paar Charles und Ray Eames und der Architekt Eero Saarinen.

IBM Model A  (Foto PeterFrankfurt)

Das am meisten an Computer erinnernde Gebäude von Eliot Noyes war ohne Zweifel das IBM-Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Es wurde 1963 in Los Angeles eröffnet. Wie man auf Fotos sieht, handelte es sich um einen lupenreinen Plattenbau. Noyes ließ sich aber nicht durch DDR-Bauten inspirieren, sondern dachte eher an Lochkarten. Das Gebäude wird heute von einer Kunsthochschule genutzt.  Eine Noyes-Schöpfung haben wir im Blog schon kennengelernt, den IBM-Pavillon der Weltausstellung von 1958 in Brüssel. Er wurde leider nach ihrem Ende demontiert.

Als Hauptwerk von Noyes im Produktdesign gilt die Schreibmaschine IBM Selectric. Ihr Kugelkopf war 1961 eine Sensation; allerdings gab es im späten 19. Jahrhundert schon das Typenrad von George Blickensderfer. Da Eliot Noyce nicht bei IBM angestellt war, konnte er auch für andere Technikfirmen aktiv werden. So konzipierte er 1964 das Rechenzentrum von Westinghouse am Rand von Pittsburgh. Sein eigenes Haus im US-Bundesstaat Connecticut war 1961 das Thema eines Zwölf-Seiten-Artikels der Illustrierten LIFE.

IBM Selectric mit dem (im Foto nicht sichtbaren) Kugelkopf

Am Schluss sei erwähnt, dass Eliot Noyce nicht der einzige „Bauhäusler“ war, der in die Dienste von Big Blue trat. So entwarf Marcel Breuer die IBM-Komplexe von La Gaude in Südfrankreich und Boca Raton in Florida. Das IBM-Hochhaus in Chicago ging auf Pläne von Ludwig Mies van der Rohe zurück. Das Bauhaus selbst ist natürlich online, und hier finden sich die Adressen für die Veranstaltungen zum hundertsten Geburtstag. Am 8. September 2019 eröffnet in Dessau das Bauhaus-Museum, das Museum in Weimar startete am 6. April. Bei den IBM Corporate Archives bedanken wir uns herzlich für das Foto von Eliot Noyes.

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Ein Kommentar auf “Der Bauhaus-Meister von der IBM”

  1. Ulrich Klotz sagt:

    Ich habe noch eine Schachtel voll Kugelköpfe. Das waren damals die Terminals von einer IBM 360…

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