Deutschland geht ins Internet

Geschrieben am 04.11.2016 von

Vor 30 Jahren, am 5. November 1986, wurde die Endung de als Top-Level-Domain ins Namenssystem des Internet aufgenommen. Von nun an ließen sich Internetadressen der Bundesrepublik Deutschland auf leicht zu merkende Weise schreiben. Im März 1988 übernahm die Universität Dortmund die Verwaltung der bis dahin registrierten sechs Domains. Heute gibt es 16 Millionen von ihnen.

Im Anfang war die IP-Adresse. IP steht für Internetprotokoll, die technische Grundvorschrift des Internets. Die IP-Adresse ist, salopp gesagt, die Telefonnummer eines im Netz erreichbaren Computers. Seit 1981 weisen IP-Adressen vier Zahlen zwischen 0 und 255 auf, die mit drei Punkten getrennt sind. 1998 wurde ein zweiter Typ eingeführt. Er basiert auf acht Hexadezimalzahlen. Die Ziffern solcher Zahlen laufen von 0 bis 9, dann schließen sich noch a, b, c, d, e und f an.

Zahlenketten können wir uns schlecht merken. Deshalb erfanden Jon Postel und Paul Mockapetris, zwei Informatiker der Universität von Südkalifornien, im November 1983 das Domain Name System. Ein Domain-Name umfasst durch Punkte getrennte Worte. Ganz rechts steht das Top-Level-Domain oder TLD. Zu Beginn waren das die Ausdrücke com, edu, gov, int, mil, net und org sowie Buchstabenpaare für Länder. Festgelegt wurden die Paare durch die Internet Assigned Numbers Authority oder IANA, die eigentlich nur aus Jon Postel bestand.

Am 5. November 1986 registrierte die IANA die Endung de als country code top-level domain oder ccTLD der Bundesrepublik Deutschland. Es war das zehnte seiner Art: 1985 hatte Postel die Kürzel für die USA (us), Großbritannien (uk) und Israel (il) abgespeichert; 1986 folgten neben Westdeutschland Australien (au), Finnland (fi), Frankreich (fr), Niederlande (nl), Japan (jp), Schweden (se) und Südkorea (kr). 1990 erhielt die Sowjetunion ihre zwei Buchstaben (su). Die DDR beantragte ein Domain dd, das aber bis zur deutschen Vereinigung nicht genehmigt wurde.

Jon Postel mit seinen Länder-Domains - rechts erkennt man "de". (Photo Irene Fertik, USC News Service. © 1994, USC)

Jon Postel mit seinen Länder-Domains: rechts sieht man das Kürzel „de“  (Photo Irene Fertik, USC News Service. © 1994, USC)

Bereits vor dem Stichtag wurden aber globale Datennetze mit Adresskürzeln statt IP-Nummern benutzt. Die erste nach Deutschland geschickte E-Mail kam am 3. August 1984 über das amerikanische CSNET; die Empfänger lassen sich hier nachlesen. Seit 1982 florierte das in der Unix-Gemeinde wurzelnde EUnet. Ab 1985 wurde das Netz von der Universität Dortmund verwaltet. Zu den Nutzern zählte auch die Abteilung der Firma Nixdorf für Künstliche-Intelligenz-Forschung. Überliefert ist eine frühe Mail-Adresse common@nixpbe.eunet.

Zunächst verwaltete das oben erwähnte CSNET den Datenverkehr mit de-Endung. Im März 1988 übernahm die Uni Dortmund diese Aufgabe und machte die erste Inventur. Demnach gab es zu jenem Zeitpunkt sechs Nutzer des Top-Level-Domain, die Universitäten Dortmund, Paderborn und Karlsruhe, die Deutsche Bundespost und die Kommunikationsfirmen RMI in Aachen und Telenet in München. Aus dem Network Information Center auf dem Dortmunder Campus entwickelte sich die DENIC, die deutsche Leitstelle des Internets mit Sitz in Frankfurt am Main.

Zum 25. de-Geburtstag vor fünf Jahren brachte die DENIC eine Online-Broschüre zur Netzgeschichte heraus. Demnach gab es im Dezember 1994 mehr als 1.600 de-Adressen und im Dezember 1997 über 100.000. Kurz vor dem Jahr 2000 fiel die Millionenschranke. Grund für den Anstieg war natürlich die Verbreitung des World Wide Web. Heute verwenden gut 16 Millionen Seiten die beiden Buchstaben aus Germany. Beliebter sind nur China und – Aloha! – die drei Südseeinseln von Tokelau.

Eingangsbild: Nikolas Becker, CC BY-SA 3.0

Tags: , , , , , , , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code