Die geheimnisvolle Insel

Geschrieben am 24.09.2018 von

Am 24. September 1993 kam in den USA das Computerspiel „Myst“ heraus; es lief auf Macintosh-Systemen von Apple. Autoren waren die Brüder Rand und Robyn Miller. „Myst“ verzichtete auf Kampf und Gewalt. Stattdessen musste der Spieler in mehreren Welten Rätsel lösen. Bis zum Jahr 2000 wurden über sechs Millionen CD-ROMs verkauft – damals ein Rekord.

Eigentlich ist in Computerspielen immer etwas los. Man jagt Bällen nach, rennt, fährt und fliegt um die Wette, fängt Bösewichte, schlägt Schlachten oder kämpft gegen Invasoren aus dem Weltraum. Vor 25 Jahren erschien allerdings ein Spiel, das vom gewohnten Schema abwich. Myst war eine digitale Schnitzeljagd mit fantastischen Bildern und Filmen, und der Spieler brachte niemanden um, sondern erkundete Welten und löste Rätsel.

Anbieter von „Myst“ war die amerikanische Softwarefirma Broderbund; sie wurde, wie der Name andeutete, von zwei Brüdern gegründet, Douglas und Gary Carlston. Auch unser Spiel ging auf ein Brüderpaar zurück. Rand Miller, geboren 1959, und Robyn Miller, Jahrgang 1966, starteten 1987 die Cyan Productions im Keller des elterlichen Wohnhauses. Selbiges stand in der Stadt Spokane im Osten des US-Bundesstaates Washington. Robyn war der Künstler und Träumer, Rand der Programmierer und Manager. Hier sehen wir sie im Jahr 1998.

Rand und Robyn arbeiteten perfekt zusammen und entwickelten zunächst Abenteuerspiele für jugendliche Benutzer. Wichtigstes Merkmal war das Point-and-Click-Prinzip: Der Spieler lenkt den Cursor über die Szenerie und klickt solange, bis sich die nächste Ebene öffnet. Als technische Basis dienten Apple-Recher mit der Software HyperCard. In den folgenden vier Jahren entstanden The Manhole, Cosmic Osmo und Spelunx. Die zwei ersten Programme waren in der Urfassung schwarzweiß, das dritte brachte ein paar Farbtupfer mit.

Die mysteriöse Insel von Jules Verne: oben links schwebt der Ballon, der die Helden bringt.

Auf Anregung der japanischen Videospielfirma Sunsoft begannen die beiden 1991, etwas für Erwachsene zu entwickeln. Zum Team zählte auch ein weiterer Bruder, Ryan Miller. 1993 war „Myst“ fertig. Am 24. September 1993 kam es auf CD-ROM und für Apple-Macintosh-Systeme auf den Markt. Der Name spielte auf den Roman Die geheimnisvolle Insel von Jules Verne an, auf Englisch „The Mysterious Island“. Wie die Helden des Buchs landet der User in einer unbekannten Welt mit vielen Rätseln, die er nach und nach lösen muss.

Im Myst-Kosmos trifft der Spieler auf zwei Brüder namens Sirrus und Achenar sowie auf diverse magische Bücher. Über diese kann er – Die unendliche Geschichte lässt grüßen – zu weiteren Schauplätzen gelangen. Grafisch machte „Myst“ gegenüber seinen Vorläufern einen großen Sprung nach vorn. Die Software umfasste 2.500 Szenenbilder und 66 Minuten Quicktime-Filme. Die auftretenden Personen wurden von den Miller-Brüdern dargestellt; Robin komponierte außerdem die Begleitmusik.

Nach der Veröffentlichung schoss das Spiel an die Spitze der Verkaufslisten. Bis November 2000 wurden weltweit mehr als sechs Millionen CD-ROMs abgesetzt; die deutsche Ausgabe erschien im Sommer 1994. Erfolgreicher war erst die im Jahr 2000 vorgestellte Simulation Die Sims. Auf das erste „Myst“ folgten von 1997 bis 2005 vier Fortsetzungen, dazu drei Romane sowie Remakes, Nachahmungen und Parodien. Eine Silberscheibe fand ihren Weg ins New Yorker Museum of Modern Art.

Wer „Myst“ einmal in voller Schönheit erleben will, findet auf YouTube eine Aufzeichnung von gut zwei Stunden Länge. In der Regel beanspruchte das Spiel den User über Tage und Wochen – man konnte es beliebig anhalten und später wieder aufnehmen. Am Schluss sei noch auf eine deutsche, genauer gesagt, bayerische MYST hingewiesen, und damit Sie nicht mühevoll den Link suchen müssen, er ist gleich hier.

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