Die Quadratur des Fotos: zehn Jahre Instagram

Geschrieben am 06.10.2020 von

Prominente lieben es, ebenso Influencer und Influencerinnen, aber auch ganz normale Smartphonegucker. Das Netzwerk Instagram verbindet heute mehr als eine Milliarde Menschen. Es zählt zu den Erfolgsgeschichten des Internet, seine Gründer sind vielfache Millionäre. Das ersten Foto wurde im Juli 2010 hochgeladen. Am 6. Oktober 2010 war das Programm für das iPhone von Apple verfügbar.    

In den 1990er-Jahren waren Modems langsam und laut. Mit Piepsen und Rauschen ließen sie 56.000 Bit pro Sekunde durch; bei einem Farbfoto mit 400 mal 300 Pixeln dauerte es zehn Sekunden, bis es auf dem Monitor erschien. Bei solchen Raten hatten es Internetseiten mit Bildern schwer, ganz zu schweigen von den nicht geringen Übertragungsgebühren. Und die meisten Kameras waren noch analog.

Digitalkameras, Flatrates, breitbandige Kabelstrecken und schnelle Modems änderten das. 1999 bot die kalifornische Firma Webshots die wohl erste Seite zum Foto-Sharing an; ein Jahr später folgten Yahoo! Photos. 2002 eröffnete die in Boston ansässige Firma Lifescape die Website Picasa, die 2004 von Google übernommen wurde. 2004 starteten die kanadische Fotoseite Flickr und die amerikanische Adresse Facebook, die Fotos und Videos speichern konnte. Im Blog schrieben wir über die Geburt der Videoplattform YouTube im April 2005.

Pier 38 in San Francisco (Foto Kevin Galens CC BY-SA 2.0 seitlich beschnitten)

Am 16. Juli 2010, um 10.26 Uhr kalifornischer Zeit, wurde das erste Bild einer namenlosen Foto-Applikation hochgeladen. Wie Freunde des iPhone wissen, ist das ein Programm für Smartphones eines bekannten Herstellers. Das Bild zeigte Segelboote im Hafen von San Francisco; der Fotograf befand sich in der Pier 38. Das Gebäude diente nicht mehr zum Abfertigen von Schiffen, sondern beherbergte Büros; in einem saß Mike Krieger. Die App, an der er arbeitete, befand sich in der Entwicklung, die Smartphone-Aufnahme war ein Test.

Als der Fotograf 1986 im brasilianischen São Paulo geboren wurde, hieß er Michel Krieger. „Mike“ nannte er sich, als er ab 2004 in Kalifornien die Stanford-Universität besuchte. Dort studierte er Computerlinguistik. 2010 traf Krieger den drei Jahre älteren Kevin Systrom. Er stammte aus dem US-Staat Massachusetts und studierte in Stanford Betriebswirtschaft und Ingenieurwissenschaft; anschließend arbeitete er bei Google und für eine Internetseite, die Reisetipps gab. Im Oktober 2009 kam ihm eine Geschäftsidee; er fand auch Sponsoren.

Kevin Systrom schwebte ein Standort-Dienst vor, bei dem ein User den Aufenthaltsort, die aktuelle Tätigkeit und die Pläne für die nächste Zeit beschreibt. Das Ganze sollte außerdem von anderen Benutzern kommentiert werden. Systrom saß schon an einer Internetseite, engagierte aber im Mai 2010 Mike Krieger als Programmierer. Im Sommer lief die Website Burbn – Systrom war ein Whiskeyfreund. Die Nachfrage ließ jedoch zu wünschen übrig; die Seite war einfach zu kompliziert.

Mike Krieger (Foto Cmichel67 CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)

Das Foto-Angebot wurde allerdings gern benutzt und positiv bewertet. Systrom und Krieger taten das einzig Vernünftige: sie reduzierten die Funktionen der Seite und konzentrierten sich auf den Bilderdienst. Für den Neustart als Apple-App legten sie ein Format von 640 mal 640 Pixeln fest und installierten Programme zum Verschönern der hochgeladenen Fotos. Diese Idee übernahmen die beiden von einer  bereits im App Store verfügbaren Anwendung mit dem Namen Hipstamatic.

Ihre Applikation wurde ab Juli 2010 getestet, wir haben es oben bereits geschildert. Aus „instant“ – sofort – und Programm ergab sich der Titel Instagram. Am 6. Oktober 2010 stand die App zum Download bereit. Am ersten Tag wurde sie 25.000mal heruntergeladen; mit Mühe verhinderten die Betreiber den Absturz des Servers. Nach einer Woche waren 100.000 Downloads erreicht, im Dezember fiel die Millionengrenze. Im September 2011 kam das verbesserte Instagram 2.0. Die App hatte mittlerweile zehn Millionen Nutzer.

Ab dem 3. April 2012 lief Instagram auf Smartphones mit Betriebssystem Android. Jetzt genügten 24 Stunden für eine Million Downloads. Wenige Tage später erhielten Kevin Systrom und Mike Krieger ein Angebot, das sie nicht ablehnen konnten. Am 9. April 2012 erwarb Facebook das Programm für eine Milliarde Dollar in bar und in Aktien. Systrom blieb Geschäftsführer und Krieger technischer Direktor. Im Juni 2013 legte sich Instagram eine Video-Funktion zu. Die Nutzerzahlen überschritten im Juni 2018 die Milliarde.

Kevin Systrom (Foto Christopher Michel CC BY 2.0 seitlich beschnitten)

Drei Monate später kündigten Kevin Systrom und Mike Krieger den Rückzug aus der Firma an. Schon 2014 hatte sich der 1984 in Berlin geborene Instagram-Kollege Gregor Hochmuth verabschiedet; er zog nach New York und wurde Medienkünstler. Auch Instagram selbst ist inzwischen ein Thema der Kulturkritik; es gibt unter anderem ein Buch, ein Museum und einen Dokumentarfilm. Das HNF ist natürlich auf Instagram vertreten und montierte 2019 eine Selfie-Wand: beim nächsten Besuch unbedingt fotografieren und teilen!

Und nun zur Frage aller Fragen: Warum hatten Instagram-Fotos, jedenfalls in den ersten Jahren, stets das Quadrat-Format? Die Antwort lautet: Es war eine bewusste Entscheidung von Kevin Systrom, wie man es auch im Netz nachlesen kann. Kurz, es hat ihm einfach so gefallen und er wollte sich damit von anderen abheben. Jene Form macht das Knipsen im Übrigen erheblich leichter, denn man muss nicht jedes Mal überlegen, ob man das Smartphone hochkant oder quer halten soll.

Eingangsfoto: Today Testing todaytesting.com (CC BY-SA 4.0 seitlich beschnitten)

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2 Kommentare auf “Die Quadratur des Fotos: zehn Jahre Instagram”

  1. Ray sagt:

    2020 ist vermutlich ein Typo…

    1. HNF sagt:

      Ist korrigiert, danke!

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