Geburtstagsfest für ENIAC

Geschrieben am 15.02.2021 von

Vor 75 Jahren wurde in Philadelphia der erste frei programmierbare Elektronenrechner ENIAC eingeweiht. Seine Schöpfer waren der Physiker John Mauchly und der Ingenieur John Presper Eckert. Am Jubiläumstag veranstaltet Bill Mauchly, Sohn von John Mauchly, ein Online-Event, das historische ENIAC-Hardware zusammenführt. Auch das HNF macht mit, denn es besitzt drei Module und ein nachgebautes Element.

ENIAC war nicht der erste Computer – das war Konrad Zuses Z3 – und auch nicht das erste Elektronengehirn. Schon 1944 lief im Dechiffrierzentrum Blechtley Park ein Röhrenrechner der Colossus-Serie. Die englischen Kolosse halfen aber nur beim Decodieren und blieben jahrzehntelang geheim. ENIAC ließ sich dagegen mit einiger Mühe programmieren, seine technischen Einzelheiten wurden ab 1946 der Fachwelt bekannt gemacht.

Aufbau des ENIAC. Der Pfeil zeigt den Schrank im HNF.

Der Name ENIAC steht für Electronic Numerical Integrator and Computer. Er bezeichnet einen Elektronenrechner  mit 17.500 Röhren und 7.200 Dioden, der von 1943 bis 1945 in der Universität von Pennsylvania in Philadelphia entstand; das Geld stiftete die US-Armee. Entwickelt hatten ENIAC der Physiker John Mauchly und der junge Ingenieur John Presper Eckert. Am 15. Februar 1946 übernahm ihn die Hochschule zur weiteren Nutzung. Mit ihm begann das heutige Computerzeitalter.

Bill Mauchly ist ein Sohn des ENIAC-Erbauers John Mauchly und der ehemaligen ENIAC-Programmiererin Kathleen „Kay“ Mauchly Antonellli. Er hatte die Idee, am 75. Jahrestag der Einweihung des Computers eine virtuelle Rekonstruktion zu erstellen. Dabei werden per Internet Museen und Institutionen verknüpft, die Hardware des ENIAC aufbewahren. Das sind vor allem die Universitäten von Pennsylvania und von Michigan, das Artilleriemuseum im Fort Sill in Oklahoma, die Smithsonian Institution in Washington, das Computer History Museum im kalifornischen Mountain View – und das HNF in Paderborn.

Programmiererin Frances Bilas am Lochkartenstanzer. Von ihm führt ein Kabel zum „Printer Panel 2“. (Foto Computer History Museum)

Seit 1996 zeigt das HNF – siehe Eingangsbild – eine Installation, die der Fläche der ENIAC-Zentraleinheit entspricht. Diese umfasste vierzig Elektronik-Schränke, die ein umgekehrtes U bildeten, sowie drei Schalttafeln auf Rollen und zwei Lochkartengeräte. Von der Smithsonian Institution erhielt das Heinz Nixdorf MuseumsForum als Leihgabe drei ENIAC-Elemente, die in der Installation stehen. Eins gehörte zur Zentraleinheit von 1946: das „Printer Panel 2“ sitzt im U rechts unten. Ein dickes Kabel verband es mit einem Lochkartenstanzer.

Die zweite Leihgabe war ein Rahmen mit Kondensatoren; er befand sich außerhalb der Zentraleinheit und diente der Stromversorgung. Das dritte ENIAC-Element, die „High Speed Function Table“, kam erst 1948 oder später zum Rechner, nachdem er von Philadelphia zum Armee-Testgelände Aberdeen umzog. Die Funktionstafeln speicherten Zahlen für ein ENIAC-Programm. Die Programmiererinnen mussten sie auf Drehschaltern einstellen. Der Ur-ENIAC von 1946 besaß drei Schalttafeln, die an die äußeren Schränke angeschlossen wurden.

Die rechte Seite des ENIAC. Das „Printer Panel 2“ wird rechts vom Lochkartengerät verdeckt. Links steht eine der drei mobilen Schalttafeln. (Foto National Museum of American History, Smithsonian Institution)

Made in Paderborn ist der vierte Teil unserer Installation, ein Simulator von zwei ENIAC-Akkumulatoren. Sie waren die Register des Elektronengehirns und nahmen Dezimalzahlen auf. Unser Simulator gliedert sich in vier Abschnitte. Ganz unten sind fünf Drehschalter zur Eingabe; es folgen zwei Schalter, um gespeicherte Zahlen mehrfach abzusenden. Die beiden Abschnitte lassen sich mit Kabeln verbinden. Über ihnen befinden sich zwei flache weiße Daten-Busse. Der vierte und letzte Abschnitt ist ein Glimmlampen-Feld, das die Inhalte der beiden Akkumulatoren anzeigt.

Am heutigen ENIAC-Feiertag läuft ein Video zum Simulator im virtuellen Festprogramm. Der Moderator ist Johannes Blobel von der TU Berlin. Er programmierte die Installation, die 2016 den Tony-Sale-Preis gewann. Im zweiten Video spricht Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer des HNF, über die in Paderborn befindlichen Module des Elektronenrechners. Er führt die Zuschauer außerdem in die Galerie der Pioniere und zu dem Abschnitt, der ENIAC-Vater John Mauchly gewidmet ist. Dem „Electronic Numerical Integrator and Computer“ schicken wir aber die besten Grüße zum 75. Geburtstag in den Computerhimmel.

Der ENIAC-Simulator. Er erhielt 2016 den Tony-Sale-Preis für historische Rekonstruktionen.

Der ENIAC-Simulator des HNF komplett. Man beachte die Glimmlampen im oberen Teil.

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2 Kommentare auf “Geburtstagsfest für ENIAC”

  1. Der Simulator ist wirklich super gemacht! Und schön dass ihr dabei seid, die Installation im HNF ist wirklich gelungen.
    Weniger gelungen ist diesmal leider der Artikel Einstieg. Thomas Haigh Hat in seinem Buch ENIAC in action ja sehr gut dargelegt, warum es angesichts unterschiedlicher Definition von „Computer“ wenig Erkenntnisstiftend ist, den „ersten“ Computer auszumachen. Bei der Zuse Z3 stellt sich beispielsweise die Frage, ob dieser nicht mit elektronischen statt mit mechanischen Schaltteilen hätte operieren müssen, (so wie Colossos), um als Computer zu zählen. ( Haigh 2016, S. 5-6)

    1. HNF sagt:

      Die Frage, welches der erste Computer war, wird sich wohl nie befriedigend klären lassen. Beiden Kandidaten wurde die Ehre aberkannt, der Erste gewesen zu sein. Konrad Zuse verlor seinen Patentprozess 1967, Eckert & Mauchly unterlagen 1973 vor Gericht, siehe https://blog.hnf.de/eine-schicksalhafte-begegnung/

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