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Heinz Nixdorf, ein Buch und eine Buchungsmaschine

Geschrieben am 07.04.2026 von

Am Donnerstag ist der 101. Geburtstag von Heinz Nixdorf. Im Dezember erschien ein Buch zu ihm, an dem das HNF tatkräftig mitwirkte. „Heinz Nixdorf und Paderborn“ schildert das Leben des Computerpioniers und die Geschichte seiner Firmen. Unter den vielen Fotos im Buch fanden wir eines, das Nixdorf selbst aufnahm und das eine rätselhafte Büromaschine zeigt.

Es erschien zum Ende des Jubiläumsjahres Nixdorf100 und wurde unter anderem vom HNF erstellt. Wir meinen das Buch Heinz Nixdorf und Paderborn, das man für 6,95 Euro im Paderborner Buchhandel, im HNF-Museumsshop und online erwerben kann. Es umfasst 130 Seiten und zählt zur Reihe „Paderborn in historischen Fotografien“; Herausgeber sind das Stadt- und Kreisarchiv Paderborn und das Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Stadtmarketing. Der Band ist oben in unserem Eingangsbild zu sehen.

Die sieben Kapitel behandeln Nixdorfs Wurzeln, seine Firmen, sein Engagement für den Sport und für die Universität, Kontakte mit Prominenten sowie das Nachleben und die bleibenden Spuren. Wie es der Name der Buchreihe andeutet, ist das Werk bildorientiert. Von den Fotos im Inneren stammen viele aus dem Archiv des HNF, mindestens sechs nahm Heinz Nixdorf persönlich auf. Drei davon entstanden um 1960 im Haus seines ersten Unternehmens, des Labors für Impulstechnik, an der Kasseler Mauer.

Eine mysteriöse Buchungsmaschine nahm Heinz Nixdorf im Labor für Impulstechnik auf. Dieses und die beiden anderen Fotos vergrößern sich beim Anklicken.

Ein Bild – siehe oben – zeigt eine geöffnete oder noch unfertige Maschine unklarer Herkunft. Sie besitzt einen horizontal beweglichen Wagen und zwei getrennte Tastaturen. Im oberen Teil sitzt offenbar eine Volltastatur mit Dezimalziffern und darunter eine QWERT-Tastatur, wie man sie von Schreibmaschinen kennt. Links und rechts davon befinden sich alle möglichen Funktionstasten. Auffällig sind die Kabel, die von den Zifferntasten nach unten führen. Die Maschine wurde demnach elektrisch betrieben oder sollte so arbeiten.

In der Bürotechnik-Geschichte gibt es ganz ähnliche Geräte, die Buchungsmaschinen der NCR Corporation (heute NCR Voyix). Die Firma wurde 1884 in Dayton im US-Bundesstaat Ohio gegründet; nach einigen Jahren beherrschte sie den Markt für Registrierkassen. 1929 übernahm NCR die Ellis Adding Typewriter Company aus dem Bundesstaat New Jersey; sie verkaufte seit 1911 eine kombinierte Schreib- und Addiermaschine. NCR bot diese 1930 unter eigenem Namen auch in Europa an und entwickelte in den USA das Konzept weiter.

NCR-Buchungsmaschine der Klasse 32 aus dem HNF-Depot

Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Buchungsmaschinen aus Dayton die Königinnen der Bürogeräte. Bis in die späten 1960er-Jahre bot NCR mehrere Klassen an, siehe PDF-Seite 13; danach wurden sie durch elektronische Modelle ersetzt. In deutschen Ausstellungen trifft man National-Maschinen selten, eine zeigt das Computermuseum Kiel, bitte hinten rechts in die Ecke schauen. Eine vergleichbare Doppel-Tastatur hatten die Burroughs F 1000 und die Optimatic 9000 aus dem Optima Büromaschinenwerk Erfurt.

Im ersten Obergeschoss des HNF neben der Wand mit der Telefonvermittlung steht eine Exacta-Continental 6000. Der Buchungsautomat des Kölner Herstellers verbindet eine Schreibmaschine und eine davor liegende Zehnertastatur. Heinz Nixdorf kannte die Firma gut. Für das genannte Modell erstellte er 1958 eine Multipliziereinheit mit Transistoren. Sie machte aus ihm die Multitronic 6000. Könnte es sein, dass es eine Verbindung zwischen Exacta und der Maschine gab, die Nixdorf im Labor für Impulstechnik fotografierte?

Grafik aus dem US-Patent 3.112.394 für die NCR Compu-Tronic aus dem Jahr 1959. Links steht der Elektronikschrank.

Wir glauben eher, dass Heinz Nixdorf mit dem deutschen NCR-Ableger in Kontakt stand; die NCR GmbH saß in Augsburg. Vielleicht wollte er für sie ein neues Modell konstruieren, das wie die Multitronic mit Transistoren rechnete. Sicher ist, dass die Tastatur des rätselhaften Geräts keiner bekannten NCR-Klasse entspricht. In den späten 1950er-Jahren schuf die amerikanische NCR den Buchungsautomaten Compu-Tronic, der schon Halbleiter enthielt; hier geht es zum 235 Seiten starken Patent. Die Elektronik füllte einen kleinen Schrank.

Im Depot des HNF findet sich nun eine Buchungsmaschine mit NCR-Schildchen, von der die technische Literatur ebenfalls nichts weiß. Sie weist eine leicht abgerundete Form auf und geht nicht so in die Breite wie die anderen NCR-Typen. Ihre Tastatur unterscheidet sich vom gewohnten System. Statt mit QWERTZ beginnt die obere Buchstabenreihe mit AZERTY, und die Reihen darunter fangen mit Q und W statt mit A und Y an. Hier ist die Lösung jedoch einfach: Es handelt sich um eine Tastatur für französischsprachige Länder.

Ein unbekanntes NCR-Modell mit französischer Buchstaben-Tastatur.

Beim Enträtseln der Maschine, die Heinz Nixdorf knipste, hilft uns das leider nicht weiter. Die französische NCR zeigt aber, welche Geheimnisse in Museumsdepots schlummern. Bei der Recherche wurden außerdem eine NCR der Klasse 32 und der Buchungsmaschinen-Teil einer Compu-Tronic entdeckt. Der zugehörige Elektronikschrank könnte verloren gegangen sein, oder er verbirgt sich noch im Depot. Wir bedanken uns auf jeden Fall bei Alfred Wegener, dem Leiter des HNF-Archivs und der Bibliothek, und seinem Kollegen Andreas Elkenkamp.

Zur weiteren Lektüre empfehlen wir die NCR-Serie von Thomas Rau und für einen Besuch das technikum29 in Kelkheim zwischen Frankfurt am Main und Wiesbaden. Hier überlebte eine NCR 446 – bitte etwas scrollen – von 1967, die vier Ingenieure der Augsburger NCR GmbH entwickelten. Sie war ein leistungsfähiger, wenn auch nicht ganz billiger Transistorrechner, der sich fürs Büro und ebenso für wissenschaftliche Zwecke eignete.

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