Konrad Zuse und die Computerkunst

Geschrieben am 21.06.2022 von

Am 22. Juni feiern wir den Geburtstag von Konrad Zuse. In diesem Jahr betrachten wir seinen Beitrag zur digitalen Kunst. 1965 fand in Stuttgart die erste Ausstellung mit Computer-Zeichnungen statt. Am 23. Januar 1964 hielt Zuse in Berlin einen Vortrag über den Einsatz von Elektronenrechnern für Grafik und Kunstgewerbe. In seinem Nachlass liegen Skizzen dazu.

Konrad Zuse erfand den Computer und leitete von 1949 bis 1967 die Zuse KG. In jungen Jahren überlegte er, ob er Grafiker werden sollte; nach dem Ende seiner Firma verbrachte er viel Zeit mit Malen. Es stellt sich die Frage, ob er sich vielleicht einmal zur Computerkunst äußerte. Diese entstand in den 1960er-Jahren in den USA und in Deutschland; 1965 wurden in Stuttgart zum ersten Mal rechnererzeugte Grafiken in einer Ausstellung gezeigt. Das Programm dazu erdachte der Mathematiker Georg Nees.

Um zur Frage nach der Computerkunst zurückzukommen: ja, Konrad Zuse hat dazu etwas gesagt und schon bevor Georg Nees seine Werke erstellte. Am 23. Januar 1964 sprach er „Über den Einsatz von programmgesteuerten Rechenmaschinen auf dem Gebiete der Grafik und des Kunstgewerbes“ im Berliner Bildungszentrum Urania. Der Text seines Vortrags steht hier und hier im Zuse-Archiv des Deutschen Museums. Pfeile zum Blättern befinden sich unterhalb der Seite.

Offenbar wurde Konrad Zuse durch einen Wettbewerb der Zeitschrift „computers and automation“ zum Thema gebracht. Der Gewinner schmückte das Cover von Heft 8/1963, der zweite Sieger folgte auf Seite 3. Zuse kannte auch die Lissajous-Figuren, die durch die Überlagerung elektrischer Schwingungen entstehen. Sie waren die ersten elektronischen Kunstwerke; animierte Lissajous-Figuren erschienen in manchen Science-Fiction-Filmen. Außerdem erwähnte Zuse ein optisch-künstlerisches Kinderspielzeug, das Kaleidoskop.

Konrad Zuse um 1970 an der Staffelei (Foto Horst Zuse)

Schlüsselworte seines Vortrags waren „Muster“ sowie „Gesetz und Zufall“. Zuse sah ein computergeneriertes Bild als Kombination grafischer Elemente, die nach gewissen Regeln – hier wirken auch Wahrscheinlichkeiten mit – platziert und variiert werden. Er dachte etwa an Kreise oder Baumblätter. Für die Anwendung seiner Kunst schwebten ihm recht prosaische Objekte vor: Teppiche. Konrad Zuse hatte Kontakt zur Teppich-Abteilung der Wuppertaler Firma Vorwerk. Belegt ist ein Besuch am 21. Februar 1964.

In Zuses Nachlass überlebten einige Zeichnungen zum grafischen Einsatz von Computern. Wir haben sie in der Bilderstrecke unten eingefügt. Vielleicht zeigte er solche Skizzen 1964 ebenso in der Urania. Sie wirken unscheinbar, bieten aber Einblicke in sein Denken. 1967 präzisierte Konrad Zuse seine Ideen, siehe den Text im Deutschen Museum. Er verfasste dann eine Anleitung zum Programmieren von Teppichmustern; man kann sie hier studieren. Computerkunst-Pioniere wie Georg Nees oder Frieder Nake waren jedoch inzwischen weiter.

Einen nostalgischen Rückblick in die Frühzeit der deutschen Digitalkunst enthält die Retro-Mediathek der ARD. Der Film wurde 1966 in Stuttgart aufgenommen; den betreffenden Computer lieferte die SEL AG. Unser Eingangsbild basiert auf einer Grafik, die Konrad Zuse in den 1980er-Jahren programmierte. Bei Horst Zuse bedanken wir uns für das Foto seines Vaters. Nun kommt aber die Computerkunst; mit Ausnahme der letzten zwei Bilder stammt sie aus dem Konrad Zuse Internet Archive (CC BY-NC-SA 3.0 seitlich beschnitten).

Eine Zeichnung, die Konrad Zuse bei seinen Überlegungen zur Computerkunst anfertigte.

Ein weiteres Kreis-Bild mit farbigen Linien und Flächen

Farbige Kreise in einer Art Koordinatensystem

Ein Kreis in verschiedenen Phasen einer Bewegung

Neben Kreisen erwog Konrad Zuse auch räumliche Gebilde

Vom Stern zum Blatt: weitere grafische Grundelemente

Disteln für den Computer? Die Blumen sehen jedenfalls zackig aus.

Diese Grafiken fertigte Konrad Zuse für die Computerausstellung in Altenholz bei Kiel an.

Das mögen wir am liebsten – ein Konrad-Zuse-Gemälde aus dem HNF.

 

 

 

 

 

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