Luftschiffe und Schachmaschinen

Geschrieben am 22.05.2018 von

Leonardo Torres y Quevedo war ein echter Daniel Düsentrieb. 1852 in Nordspanien geboren, konstruierte er Seilbahnen, Luftschiffe und eine Fernsteuerung mit Funk. Er baute wissenschaftliche Instrumente, analoge und digitale Rechengeräte sowie zwei Schachautomaten; sie waren die ersten der Technikgeschichte. Torres y Quevedo starb 1936 in Madrid; dort befindet sich auch ein Museum mit seinen Erfindungen.

Santa Cruz de Iguña ist ein Dorf in den Bergen der nordspanischen Region Kantabrien, rund vierzig Kilometer südlich der Hafenstadt Santander. Dort wurde am 28. Dezember 1852 als Sohn eines Ingenieurs Leonardo Torres y Quevedo geboren. So lautet die ältere Version des Namens, mit der Zeit entfiel der Buchstabe y, der für „und“ steht. Gelegentlich finden wir auch die knappe Schreibweise Leonardo Torres.

Leonardo wuchs im Heimatdorf und im östlich von Santander gelegenen Bilbao auf. Später studierte er in Paris und an der Ingenieurschule von Madrid. Ab 1876 arbeitete er für eine Eisenbahngesellschaft. Eine größere Erbschaft ermöglichte ihm dann lange Bildungsreisen und das Leben eines freien Erfinders. 1899 verließ er Kantabrien und zog in die Hauptstadt. Hier leitete er die wissenschaftliche-technische Abteilung des Kulturinstituts Athenäum. Er starb am 18. Dezember 1936 kurz nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs.

Torres y Quevedo in den 1910er-Jahren

1887 machte Torres Quevedo seine erste Erfindung, eine Seilbahn. Seinen ersten Beitrag zur Informatik leistete er 1893, also vor 125 Jahren. Es war ein mechanischer Analogrechner, der die Unbekannte x einer algebraischen Gleichung fand. Im neuen Jahrhundert wandte sich Torres der digitalen Technik zu. 1913 skizzierte er in seinem „Essay zur Automatik“  eine elektromagnetische Rechenmaschine und erfand lange vor Konrad Zuse die Gleitkomma-Notation. 1920 lagen zwei Versuchsmodelle seiner Maschine vor.

1912 entwickelte Torres Quevedo einen Schachautomaten. Er zog den weißen König und den weißen Turm gegen den vom Menschen geführten schwarzen König. Für solche Endspiele existiert eine technisch realisierbare Strategie, mit anderen Worten, El Ajedrecista siegte immer. 1920 baute Torres‘ Sohn Gonzalo eine Luxusausführung des Automaten. Nun glitten die weißen Figuren ganz von alleine über das Brett. Das zeigt sehr schön ein Film, der 1951 bei einer wissenschaftlichen Konferenz in Paris entstand.

Leonardo Torres Quevedo begeisterte sich ebenso für die Aeronautik. 1905 schuf er ein Luftschiff; 1908 wurde es in Frankreich in Serie produziert und unter anderem nach England verkauft. Die britische Wochenschau schildert einen Aufstieg. Gleichzeitig entwickelte Torres eine Fernsteuerung mit Funk namens Telekino. 1906 führte er ein damit ausgerüstetes Motorboot dem König vor. Er dachte auch schon an ein Schiff zum Transport und Start von Zeppelinen. Last not least befasste er sich mit Instrumenten für Naturwissenschaftler.

Noch in Betrieb ist der Whirlpool Aero Car, eine Torres-Seilbahn, die seit 1916 von März bis November über die Stromschnellen der Niagara-Fälle fährt. Hier gibt es ein Video. In Madrid präsentiert das Museo Leonardo Torres Quevedo seine Erfindungen; es öffnet Montag bis Freitag von 9 bis 14 Uhr. Unten folgen zehn Fotos, die Dr. Jochen Viehoff, Geschäftsführer des HNF, bei einem Besuch aufnahm. Im Eingangsbild oben sehen wir Museumsdirektor Manuel Romana; man darf raten, an welchem Exponat.

Der erste mechanische Analogrechner von Torres Quavedo aus den 1890er-Jahren

Die „endlose Spindel“ von 1910 rechnet mit logarithmischen Größen.

Die „Maquina Ecuaciones“ zeigt die Resultate auf Skalen in Fensterchen an.

Torres‘ erste Schachmaschine entstand vor dem 1. Weltkrieg; er führte sie 1914 in Paris vor.

Im Zentrum des Bildes erkennt man hinter den Schiebern das aufrecht stehende Schachbrett.

Die zweite Schachmaschine mit Tonausgabe, 1920 gebaut von Torres‘ Sohn Gonzalo.

Ein Blick ins Innere des Automaten. Magnete unter dem Brett bewegen König und Turm.

Der erste „Aritmómetro electromecánico“ von Leonardo Torres Quevedo von 1920.

Der zweite elektrische Rechner von 1920 mit Schreibmaschine für die Ein- und Ausgabe.

Modell des „Transbordador“, den Torres Quevedo 1916 bei den Niagara-Fällen baute.

 

 

 

 

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3 Kommentare auf “Luftschiffe und Schachmaschinen”

  1. Herbert Bruderer sagt:

    Es gab offenbar schon im 18. Jahrhundert einen geheimnisvollen (echten) Schachautomaten. Mehr dazu in: Meilensteine der Rechentechnik. Das zweibändige Werk erscheint Anfang Juni 2018 bei De Gruyter, Berlin.
    Meilensteine der Rechentechnik, Band 1
    https://www.degruyter.com/view/product/480555

    Meilensteine der Rechentechnik, Band 2
    https://www.degruyter.com/view/product/503373

    Communications of the ACM:
    Computing History Beyond the U.K. and U.S.: Selected Landmarks from Continental Europe
    http://cacm.acm.org/magazines/2017/2/212431-computing-history-beyond-the-u-k-and-u-s/abstract

    Mit Schachprogrammen hatten sich auch Konrad Zuse und Alan Turing befasst.

      1. Meine Mitteilung hat mit dem Schachtürken nichts zu tun. Der Schachtürke war ein Scheinautomat.

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