Na wie geht’s? Zehn Jahre WhatsApp

Geschrieben am 22.02.2019 von

Am 24. Februar 2009 gründete der gebürtige Ukrainer Jan Koum in Kalifornien die Firma WhatsApp; es geschah genau an seinem 33. Geburtstag. Das gleichnamige Applet startete im August 2009 auf iPhones; später erfolgte die Übertragung auf weitere Smartphone-Typen. 2014 wurde WhatsApp von Facebook gekauft. Mit anderthalb Milliarden Nutzern ist es das populärste Mitteilungsprogramm der Welt.

Ältere Leser erinnern sich wahrscheinlich an die Filmkomödie „Is‘ was, Doc?“ mit Barbra Streisand und Ryan O’Neal. Sie entstand 1972 und gipfelte in einer rasanten Autojagd durch die Straßen von San Francisco. Das amerikanische Original hieß „What’s Up, Doc?” – what’s up entspricht etwa dem deutschen „Wie geht’s“ oder „Wie läuft’s“.

Als der Film in die Kinos kam, gab es Jan Koum noch nicht. Er wurde erst am 24. Februar 1976 in Kiew geboren. 1992 wanderte er mit Mutter und Großmutter nach Amerika aus. Er wohnte in Mountain View mitten im Silicon Valley und studierte dann im nahe gelegenen San Jose. Daneben jobbte er als Sicherheitstester für Computersysteme. 1997 brach er das Studium ab und nahm eine Vollzeittätigkeit in der Internetfirma Yahoo! auf.

Zehn Jahre später verließ er das Unternehmen wieder, reiste durch die Welt und spielte Mannschafts-Frisbee. Mit von der Partie war der vier Jahre ältere Brian Acton, der ebenfalls bei Yahoo! ausgestiegen war. Die geplante Rückkehr ins Berufsleben scheiterte jedoch. Koum und Acton bewarben sich bei Facebook und erhielten beide Absagen. Die Rettung brachte eine schicksalhafte Begegnung: Im Januar 2009 erwarb Jan Koum ein iPhone und stieß auf die Programme, die Apple in dem seit Juli 2008 aktiven App Store anbot.

Jan Koum (links) und Brian Acton 2014. (Foto Sequoia Capital CC BY-SA 4.0)

Koum begann mit der Entwicklung eines Applets für Smartphone-Rückmeldungen. Beim Programmieren half ein Softwarespezialist aus der russischen Gemeinde des Silicon Valley namens Igor Solomennikov. Der Name stand schnell fest: WhatsApp – fast so wie der Film. Am 24. Februar 2009 war es noch nicht fertig, aber Jan Koum feierte seinen 33. Geburtstag, und er meldete WhatsApp Inc. als Firma an. In der Startphase wurde aus dem System zur Statusanzeige ein Dienst für kurze Mitteilungen. Im September 2009 lag WhatsApp 2.0 im App Store; die Jahresgebühr betrug 99 US-Cent.

Damals umfasste der Dienst 250.000 Nutzer. Am 2. Oktober 2009 erschien die erste und recht positive Besprechung auf YouTube. Einen Monat später stieg Brian Acton ein. Zuvor hatte er im Freundeskreis fünf Investoren gefunden, die eine Viertelmillion Dollar ins Projekt steckten. Das junge Unternehmen belegte in der Anfangszeit den rückwärtigen Teil eines schmucklosen Bürohauses in Mountain View. Im Januar 2010 nahm es 5.000 Dollar pro Monat ein, was so gerade die Kosten deckte. Die Nutzerzahl stieg aber schnell; im Herbst berichtete auch eine deutsche Website.

Anfang 2011 beteiligte sich die Risikokapitalfirma Sequoia mit acht Millionen Dollar. Am 31. Oktober meldete der Whatsapp-Blog voller Stolz, dass an einem einzigen Tag eine Milliarde Nachrichten verschickt wurden. Dazu trugen die konstanten Erweiterungen des Systems bei. Es erschienen WhatsApp-Programme für andere Plattformen; zum Verschicken von Texten kamen die Übertragung von Bildern, Videos und Sprache sowie das Chatten. Mit Snapchat tauchte 2011 Konkurrenz auf, doch WhatsApp blieb bis heute Marktführer.

Im Februar 2014 kaufte Facebook die WhatsApp Inc. für 19 Milliarden Dollar; vier Milliarden bezahlte Mark Zuckerberg bar, den Rest mit Aktien. 2016 wurde der Dienst kostenlos – die deutsche Jahresgebühr hatte 89 Cent betragen. Zehn Jahre nach der Firmengründung sind Jan Koum und Brian Acton nicht mehr an Bord. WhatsApp verdient, wie man hört, kein Geld, doch es wird von anderthalb Milliarden Menschen genutzt. Und das Wort whatsappen gehört wie tindern, googeln und facebooken zur deutschen Umgangssprache.

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Ein Kommentar auf “Na wie geht’s? Zehn Jahre WhatsApp”

  1. Ulrich Klotz sagt:

    Hier hätte ich mir doch einen kritischen Satz zum heutigen Geschäftsmodell von WhatsApp & Co. gewünscht. Dass die „digitalen Gangster“ angeblich kein Geld verdienen, klingt etwas naiv. Siehe auch: http://spon.de/afqjH und insbesonders: http://bit.ly/ZuboffRez
    Es gibt gute Gründe, weshalb Brian Acton heute Alternativen zu WhatsApp fördert: https://de.wikipedia.org/wiki/Signal_(Messenger)

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