Reich werden mit Software

Geschrieben am 07.04.2015 von

In der Frühzeit der Computertechnik gab es in Europa nur wenige Firmen, die Geld mit dem Erstellen von Programmen verdienten. Die Hersteller gaben diese kostenlos mit den Maschinen ab, oder Betreiber von Computern ließen angestellte Mitarbeiter die Software schreiben. Das änderte sich in den späten 1960er Jahren als Folge einer neuen Politik des Marktführers IBM.    

In den ersten Jahren der Informationstechnik war die deutsche Computerszene noch übersichtlich und hardware-orientiert. Es gab Hersteller wie IBM, Zuse oder Siemens und ihre Abnehmer in der freien Wirtschaft und im akademischen Bereich. Außerdem standen Computer in Rechenzentren wie dem Europäischen Rechenzentrum in Frankfurt oder dem Deutschen Rechenzentrum in Darmstadt und arbeiteten externe Aufträge ab. Die große UNIVAC aus Frankfurt ist mittlerweile ein Museumsstück.

Wer Computerprogramme brauchte, bekam sie als kostenlose Zugabe zur Hardware oder schrieb sie selbst. Es dauerte bis 1957, bis das erste deutsche Softwarehaus seine Programmierer zu zahlenden Kunden schickte. Das war der Mathematische Beratungs- und Programmierungsdienst mbp, den 14 Industriefirmen in Dortmund eröffneten; geleitet wurde er vom Mathematiker Hans Konrad Schuff. 1962 startete die ADV/Orga in Wilhelmshaven; ihr Chef, der gerade 26 Jahre alte Friedrich A. Meyer, kam von der Rechnerabteilung der Olympia-Werke.

Langsam vermehrten sich die Softwarehäuser und die im Softwarebereich tätigen Unternehmen, doch Ende 1968 zählte man in Westdeutschland erst 38 Firmen dieser Art. Dann trat ein Ereignis ein, das die Geschäftslage grundlegend änderte. Die IBM, unbestrittener Marktführer im Hardware-Sektor, beschloss eine dreiprozentige Preissenkung ihrer Computer sowie die getrennte Abrechnung von Hardware und Software, das Unbundling. Das brachte mutige Computerspezialisten auf Ideen.

In der Bundesrepublik galt die Entkopplung ab 1. April 1972, doch 1969 und 1970 sah die Software-Branche schon 39 neue Häuser, und in den folgenden zwei Jahren stießen 33 hinzu. Eines von ihnen, die Systemanalyse und Programmentwicklung oder SAP, wurde an jenem 1. April in Mannheim von fünf ehemalige IBM-Mitarbeitern gegründet: Hans-Werner Hector, Dietmar Hopp, Hasso Plattner, Klaus Tschira und Claus Wellenreuther. Unser Foto zeigt vier der fünf (es fehlt Claus Wellenreuther) – ganz links sitzt der jüngst verstorbene Klaus Tschira.

Das Team entwickelte Standardprogramme für Lohnabrechnung und Buchhaltung, die nicht mehr auf Lochkarten, sondern auf Eingaben am Bildschirm basierten. Das erste Geschäftsjahr schloss mit einem Umsatz von 620.000 DM. 1976 entstand die SAP GmbH, die ein Jahr später ins nahegelegene Walldorf umzog, 1988 ging man an die Börse. Der Rest ist Geschichte, und heute ist SAP die größte deutsche Firma im Bereich der Informationswirtschaft und der größte europäische Softwarehersteller.

Völlig anders entwickelte sich die Software-Entwicklung für Mikrocomputer, wo es wie einst im Hardware-Bereich, als IBM dominierte, einen eindeutigen Marktführer gibt: Microsoft. An dieser Stelle möchten wir aber an eine Firma erinnern, die die wenigsten mit Programmieren verbinden, obwohl sie zu den größten deutschen Software-Lieferanten gehörte – die Nixdorf Computer AG. Ihre COMET-Pakete mit Anpassungen an 180 Branchen wurden mehr als hunderttausendmal verkauft.

Noch ein Lektüre-Tipp: Eine exzellente Übersicht über die Softwarebranche in Deutschland liefert das gleichnamige Buch von Timo Leimbach, das 2011 im Fraunhofer Verlag Stuttgart erschien, aber auch online lesbar ist. Unser Eingangsbild kommt von der SAP.

 

 

 

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2 Kommentare auf “Reich werden mit Software”

  1. Carsten Meiselbach sagt:

    Herzlichen Dank für diesen sehr informativen Artikel. Das Thema Software Innovationen aus Deutschland ist ja insgesamt in der öffentlichen Wahrnehmung so eine Sache. Den Buchtipp vpn Timo Leimbach werde ich sicherlich mal verfolgen.

  2. Erstaunlich, wie fortgeschritten die Computertechnik heute ist. Früher haben sich nur eine handvoll von Unternehmen damit beschäftigt und heute nutzt man eine Software für die einfachten Dinge. Wenn man bedenkt, dass es eine Kassensoftware für Gastronomien gibt, welche in fast jeder Gastronomie vorhanden ist.

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