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Reise in die Retro-Zeit: CHIP 1/1986

Geschrieben am 02.01.2026 von

Wir beginnen das Blog-Jahr 2026 mit einer Zeitschrift, die vor genau vier Jahrzehnten erschien, dem Januar-Heft 1986 des Computer-Magazins CHIP. Im Mittelpunkt standen die aktuelle Hardware und Software, doch das Finanzamt wurde nicht vergessen, und es gab auch den Bildschirmtext. Der Höhepunkt war ohne Zweifel der Vergleichstest der beiden Rechner Commodore Amiga und Atari 520ST+.

Der Komet Halley leuchtete am Himmel, richtig gut sahen ihn aber nur Raumsonden, die ihre Fotos zur Erde funkten. Kometen bringen oft Unglück, und 1986 kamen der Absturz des Space Shuttle Challenger und die Explosion des Atomreaktors von Tschernobyl. Im August beschrieb der SPIEGEL die Klima-Katastrophe mit einem überfluteten Kölner Dom.

Hoffnung machte der Fortschritt der Informatik. Er füllte seit 1978 jeden Monat die Seiten vom Magazin CHIP. Es erschien im Würzburger Vogel-Verlag, die Redaktion saß in München. Unter Redaktionsdirektor Richard Kerler sorgten Reiner Korbmann und Martin Stübs für den Inhalt des Hefts, das 6,50 DM kostete. Die Zeitschrift widmete sich den Mikrocomputern, ihrer Programmierung und ihrem Einsatz. Sie war nicht allein auf dem Markt; in den 1980er-Jahren florierte die Computerpresse. Neben den Magazinen gab es viele Taschenbücher.

Für einen Renner hielt CHIP den amerikanischen Tandon mit Intel-80286-Prozessor.

Einige ältere CHIP-Ausgaben speichert das Internet Archive, darunter Nr. 1/1986. Sie blickte voraus und machte sich Gedanken über die Renner des neuen Jahres. Die Liste begann mit dem Commodore 128 und dem Schneider CPC 6128, danach folgten die Atari-Typen 520ST+ und 260ST; der Rivale Amiga war bei uns noch nicht erhältlich. CHIP erwartete auch einiges von MSX-Rechnern – wir schilderten sie bereits im Blog – und dem Personal Computer des US-Herstellers Tandon. Er kostete allerdings zwischen 7.000 und 11.000 DM.

Das Heft eröffnete mit Kurzmeldungen, darunter der Ankündigung eines Analogrechners. Das Gerät der BICC-VERO Electronics GmbH in Bremen passte in eine Aktentasche; mehr zu ihm weiß eine Broschüre. An die erwähnten „Renner 1986“ schlossen sich Leserbriefe und Computerclub-Nachrichten an. Danach kamen der Magazin- und der Software-Teil, „33 heiße Steuertipps“ und die erste Hardware-Prüfung. Sie vereinte einen Ericsson Portable PC und einen Zenith Z 171, Mitteldinger zwischen tragbaren Computern und Laptops. Heute ist die Kategorie ausgestorben.

Zwischen Schlepptopp und Laptop: Ericsson Portable PC mit Plasmabildschirm

Ein zweiter Vergleichstest führte fünfzig preiswerte Drucker zusammen. Es folgte die CHIP-Börse mit Kleinanzeigen und das CHIP-Journal über den Bildschirmtext. Anfang 1986 hatte das deutsche Netz nur etwa 45.000 Teilnehmer, die Zeitschrift sah aber Chancen durch die Verbindung mit Computern und brachte dazu ein Interview mit Postminister Christian Schwarz-Schilling. Bei der im Heft vorgestellten Btx-Ausrüstung entdeckten wir auch ein Erzeugnis der Nixdorf Computer AG, das Telefon-Terminal BT 01.

Weiter ging es mit Artikeln zur Software, zu einem Drucker und zu Kabelverbindungen, über Laser-Geheimnisse und den Programmierwettbewerb „Die goldene Diskette“. Gegen Ende kehrte CHIP zur Hardware zurück. Eine Seite galt dem Epson, einem PC-Kompatiblen aus Japan; die Grundversion mit 256-Kilobyte-Arbeitsspeicher kostete 5.500 DM. Gleich danach widmeten sich zwei Seiten einem Heimcomputer nach dem MSX-2-Standard, dem Laser von Video Technology. Den in Hongkong ansässigen Hersteller kennen wir besser unter dem Namen VTech.

Der amerikanische Zenith Z 171 besaß einen LCD-Monitor mit Hintergrundbeleuchtung.

Der letzte, drei Seiten lange Artikel des Hefts war ein Vergleich von Commodore Amiga und Atari 520ST+. Den Atari mit einem Megabyte Arbeitsspeicher gab es seit Oktober 1985, der Amiga kam bei uns erst im Mai 1986 in den Handel; CHIP erhielt natürlich ein Vorab-Exemplar. Die Zeitschrift lobte beim Atari den kleinen Preis (1.500 DM) und den großen Speicher sowie beim Amiga die Grafik, den Ton und das Multitasking. CHIP ahnte schon den hohen Verkaufspreis voraus, und wie wir wissen, wurde erst 1987 der verbilligte Amiga 500 ein Erfolg.

Das Januar-Heft 1986 schloss mit allerletzten News, einem Preisausschreiben – gewinnen konnte man eine elektronische Schreibmaschine – und dem Nachwort von Redaktionsleiter Richard Kerler. Wer sich die Mühe macht, sein Produkt von vorn bis hinten durchzublättern, sollte auch die Werbung und die Kleinanzeigen studieren. Sie zeigen, was die Nerds damals bewegte. Wir weisen außerdem auf das Inhaltsverzeichnis des CHIP-Jahrgangs 1985 hin. Mit ihm haben wir sozusagen zwei Zeitreisen in einem Heft. Vorwärts in die Vergangenheit!

Paderborner Wertarbeit: Bildschirmtext-Telefon Nixdorf BT 01

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