„Very sincerely yours A. A. Lovelace“

Geschrieben am 08.09.2015 von

In der letzten Woche eröffnete das Heinz Nixdorf MuseumsForum die Ausstellung „Am Anfang war Ada“ über Frauen in der Computergeschichte. Die im Titel genannte Ada ist Augusta Ada King, Gräfin von Lovelace, die das erste Rechenprogramm schrieb. Die Bonner Universitäts- und Landesbibliothek ist vermutlich das einzige deutsche Archiv, das einen vollständigen Brief von ihr besitzt.

Der nach Kalliope, der Muse der Dichtung, der Wissenschaft und des Saitenspiels, benannte Kalliope-Katalog der Berliner Staatsbibliothek ermöglicht seit zehn Jahren die Online-Suche in Nachlässen, die in deutschen Bibliotheken und Archiven aufbewahrt werden. Tippt man in das Suchfenster der Website „Ada Lovelace“ ein, dann werden zwei Briefe angezeigt, die die erste Informatikerin der Welt selbst verfasste, und ein dritter, den ihr ein anderer Forscher zuschickte.

Von den ersten beiden Briefen ist einer nur unvollständig erhalten, von dem man die Adresse nicht kennt. Der andere war an eine prominente Schriftstellerin gerichtet, die 1797 in Dublin geborene und 1860 in London verstorbene Anna Jameson. Sie interessierte sich für Kunst und Kunstgeschichte, reiste viel und war auch mit der deutschen Literatur vertraut. Sie war außerdem mit Lady Byron befreundet, der geschiedenen Frau des Dichters Lord Byron und Mutter der 1815 geborenen Ada, darüber ergab sich wohl die Bekanntschaft mit der jüngeren Frau.

Der Brief von Ada Lovelace an Anna Jameson befindet sich in der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn und hat keine Inventarnummer, sondern einen Uniform Resource Name oder URN, in diesem Falle urn:nbn:de:hbz:5:1-68083. Er wurde von der Bibliothek gescannt und ins Internet gestellt. Wer ihn lesen will, kann ihn hier als zweiseitige pdf-Datei herunterladen. Die Handschrift ist teilweise schwer zu lesen, aber wir bieten einmal die folgende Transkription an:

„East Horsley Park Ripley Surrey

9th Febr

Dear Mrs. Jameson,

Will you come here Sat. the 16th? Please write your reply to Lord L. here, as I am going to Southampton for a few days, & Lord L. is anxious to know as soon as possible. He hopes you will not say us Nay, & that your (???) is now better.

Very sincerely yours

A. A. Lovelace“

Die Stelle mit den Fragezeichen vermochten wir leider nicht zu entziffern. Übersetzt lautet der Text:

„Liebe Frau Jameson, würden Sie uns am Samstag dem 16. besuchen? Bitte schreiben Sie es Lord L., da ich einige Tage nach Southampton fahre & Lord L. es so bald wie möglich wissen will. Er hofft, dass Sie nicht Nein sagen & dass es ihrem (???) nun besser geht.

Ihre sehr ergebene

A. A. Lovelace“

Die erste Zeile des Briefes nennt den Wohnort der Schreiberin, den Landsitz East Horsley Park, später Horsley Towers genannt, beim Dorf Ripley in der südenglischen Grafschaft Surrey. Das 1828 errichtete Gebäude war 1846 von Ada und ihrem Ehemann William King, Earl of Lovelace, bezogen worden. Der Earl, der im Brief als „Lord L.“ erscheint, baute es später aus, unter anderem durch mehrere Türme. Es würde gut als Kulisse eines romantischen Gruselfilms passen und dient heute als Hotel.

Verfasst wurde der Brief an einem 9. Februar. Sofern die Lesart „Sat. the 16th“ stimmt, kommt als Jahr nur 1850 in Frage. Der Brief wäre also weniger als drei Jahre vor Adas Tod entstanden – sie starb im November 1852 an Krebs. Schon 1850 war ihre Gesundheit nicht mehr die beste. Ihre Schrift unterscheidet sich deutlich von den regelmäßigen Zeilen, die sie 1843 an den Mathematiker Charles Babbage schickte und die oben auf unserer Seite zu sehen sind.

Im selben Jahr 1850 entstand auch die einzige Photographie von Ada, von der wir nur eine kleine Version verlinken können. Ein Porträt von Anna Jameson aus dem Jahr 1844 ist unter unserem Text zu sehen.

AJameson1844

 

 

 

 

 

 

 

 

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