Bye-bye, Ada!

Geschrieben am 08.07.2016 von

Am 10. Juli endet nach gut zehn Monaten die Ausstellung „Am Anfang war Ada – Frauen in der Computergeschichte“. Titelheldin Ada Lovelace war bekanntlich die erste Programmiererin. Die Sonderschau des HNF hatte ein großes Echo in den Medien. Parallel dazu entdeckten wir im Internet noch einige Informationen und Dokumente zu Ada, die wir im Folgenden vorstellen.

Stephen Wolfram ist englischer Physiker mit deutschen Wurzeln und lebt in den USA. Er schuf in den 1980er-Jahren die weit verbreitete Software Mathematica und leitet die Firma, die sie produziert. Sein Buch über eine neue Art von Wissenschaft ist umstritten, verkaufte sich aber blendend.

Stephen Wolfram bloggt wie das HNF. Am 10. Dezember erschien von ihm ein langer Beitrag zum Geburtstag von Ada Lovelace. Illustriert war er mit einem Porträt der 20-jährigen Ada aus den Sammlungen der New Yorker Stadtbücherei. Zum Urheber lagen allerdings keine Informationen vor, und vielleicht zeigt das Bild sie auch nicht. Denn auf dem ein Jahr später entstandenen Gemälde von Margaret Sarah Carpenter – eine Kopie hängt in der HNF-Ausstellung – hat sie eine ganz andere Frisur.

Ada oder nicht Ada, das ist hier die Frage (Foto NYPL, The Carl H. Pforzheimer Collection of Shelley and His Circle)

Ada oder nicht Ada, das ist die Frage (Foto NYPL, The Carl H. Pforzheimer Collection of Shelley and His Circle)

Auf der sicheren Seite sind wir bei Adas Briefen, die das Clay Mathematics Institute im April veröffentlichte. Sie gehören zu ihrer Korrespondenz mit dem Londoner Mathematiker Augustus de Morgan aus den Jahren 1840 und 1841. Die schwerreiche amerikanische Stiftung zur Förderung der Wissenschaft erlaubt uns einen unverstellten Blick auf ihr mathematisches Talent. Am besten gelingt der Einstieg übers Inhaltsverzeichnis. AAL ist Augusta Ada Gräfin Lovelace, ADM Augustus De Morgan.

Adas intensiver Gedankenaustausch mit De Morgan endete im November 1841. Im Oktober 1842 erschien in einer Zeitschrift in Genf und auf Französisch die „Skizze der Analytischen Maschine von Hr. Charles Babbage“. Verfasser war der Italiener Luigi Federico Menabrea. Diesen Artikel übertrug Ada Lovelace ins Englische. Ihre Übersetzung kam im September 1843 in London heraus. Der Text und die sieben Nachträge von Adas Hand begründeten ihren Ruhm als Programmiererin Nummer 1.

Im Blogbeitrag zu Adas 200. Geburtstag gaben wir Auszüge des Textes in deutscher Sprache an. Inzwischen stießen wir im Netz auf eine komplette Version. Auf Deutsch liegt natürlich das Begleitbuch zur HNF-Ausstellung vor, das die Philosophin Sybille Krämer herausgab. Es enthält unter anderem einen Aufsatz von Kuratorin Doreen Hartmann über Ada. Die Wissenschaftsautorin Mary Somerville, die Ada inspirierte, stellt Annette Pohlke vor. Die Schweizer Informatikerin Nadia Magnenat-Thalmann schildert die Roboterfrau Nadine, die noch bis zum 10. Juli in der Paderborner Ausstellung sitzt.

Die „Rocket Girls“ an ihren Friden-Rechenmaschinen

Schon 1985 entstand die Ada-Lovelace-Biographie von Dorothy Stein, die in voller Länge online vorliegt. 1999 erschien in Berlin die deutsche Fassung „Ada – Die Braut der Wissenschaft“. Sonst ist uns keine Ada-Vita in deutscher Sprache bekannt, es gibt aber aus dem Jahr 2007 den Ada-Roman „Die Schatten ferner Jahre“ der  Schweizerin Anita Siegfried. Außerdem tritt sie seit 1990 in der Steampunk-Utopie „Die Differenzmaschine“ von William Gibson und Bruce Sterling auf. Zur Erläuterung: Steampunk ist eine alternative Technikwelt, die so aussieht wie unser Eingangsbild.

Im Internet findet man auch historische Quellen zu Ada Lovelace und ihrem Mentor, dem Mathematiker Charles Babbage. Sein Sohn Henry gab 1889 eine dicke Dokumentensammlung über die Rechner seines Vaters heraus. Das Buch enthält den Artikel von Luigi Menabrea plus Nachträge und bringt Auszüge aus den Memoiren von Charles Babbage, die Ada und ihre Übersetzertätigkeit ausdrücklich erwähnen. Es stimmt also nicht, dass sie, wie man manchmal liest, erst 1953 „entdeckt“ wurde.

In den Tiefen des Webs schlummert der wohl erste Text, den ein deutscher Forscher zu Ada erstellte. Eugen Kölbing war Anglistikprofessor in Breslau und gab die Zeitschrift „Englische Studien“ heraus. 1893 schrieb er dafür einen Aufsatz Ada Byron – so hieß sie vor ihrer Heirat im Jahr 1835. Der von ihm aufgespürte Sammelband, den Ada angeblich herausgegeben hatte, ist aber eine Fälschung.

Sydney Padua als Charles Babbage

Sydney Padua (Foto Ben Gilbert, CC BY 2.0)

Ein neues Buch zum Komplex Frau und Computer – das war ja auch ein Thema der Ada-Ausstellung – erschien im April in den USA. Die Autorin Nathalia Holt erinnert an den Aufstieg der Raketenfrauen. Das sind keine Astronautinnen, sondern die Rechnerinnen, die seit den 1940er-Jahren im kalifornischen Forschungszentrum JPL arbeiteten. Die Presse bejubelte das Buch, allerdings setzte die NASA, zu der das JPL seit 1958 gehört, bereits 2007 eine Notiz ins Internet. Einige Jahre später installierte sie eine umfangreiche Website über Frauen in der amerikanischen Luftfahrtforschung.

2010 startete in England ein Projekt Plan 28 zum Bau der Analytischen Maschine, des mechanischen Computers von Charles Babbage, für den Ada Lovelace Software erstellte. Die Fortschritte des Projekts lassen sich einem Weblog entnehmen, doch werden bis zum erfolgreichen Abschluss sicher noch einige Jahre vergehen. In der Zwischenzeit können wir uns mit der Animation und dem Comic-Buch der Grafikerin Sydney Padua trösten. Eine nette Homepage hat sie außerdem.

Zum Abschluss der Ada-Nachlese sei auf das jüngste Heft der Zeitschrift LOG IN hingewiesen, das ihr gewidmet ist. Professor Michael Fothe von der Universität Jena befasst sich mit ihrem Leben und Werk. Rainer Glaschick aus Paderborn untersucht das Programm für die Analytische Maschine, das in einem der Nachträge von Adas Menabrea-Übersetzung steht. Otto Thiele, Informatik-Lehrer an einem Jenaer Gymnasium, sucht nach den Ada Lovelaces des 21. Jahunderts. Und damit heißt es LOG OUT.

Bild: www.log-in-verlag.de

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