Dragon

Dragon – die digitalen Drachen aus Wales

Geschrieben am 16.01.2026 von

Im August 1982 brachte die walisische Firma Dragon Data den Computer Dragon 32 auf den Markt. Er enthielt einen Acht-Bit-Prozessor von Motorola; 1983 folgte das Modell 64. Die Drachen wurden auch bei uns verkauft; im Oktober 1984 bewertete die Stiftung Warentest den Dragon 32 als zufriedenstellend. Zu diesem Zeitpunkt war der Hersteller aber schon insolvent.

Wales ist keine Großmacht in der Informatik. Talentierte Landeskinder zog es meist ins benachbarte England wie Donald Davies, der Vater der Paketvermittlung, oder Eben Upton, Erfinder des Kleinstcomputers Raspberry Pi. Der in Cardiff geborene IT-Historiker Brian Randell lehrte lange im nordenglischen Newcastle.

1982 stoppte der Trend für kurze Zeit. In jenem Jahr startete in der Hafenstadt Swansea das Computerunternehmen Dragon Data; der Drache ist das walisische Wappentier. Die Firma war eine Tochter des Spielzeugherstellers Mettoy, den 1934 der deutsche Einwanderer Philipp Ullmann in England gründete. Er fertigte später die auch bei uns populären Corgi-Autos. 1949 eröffnete Mettoy eine Fabrik in Swansea, wo 1952 die Geschäftsleitung hinzog. Die Wochenschau bietet einen Einblick aus dem Dezember 1955, man beachte die Kinderschreibmaschinen.

Mettoy-Schreibmaschine von 1955 (Foto Museum Victoria CC BY 4.0 seitlich beschnitten)

Ab 1980 verbreiteten sich im Vereinigten Königreich die Sinclair-Modelle ZX80 und ZX81. Mettoy sah ebenfalls eine Chance in der Informatik und ließ in der englischen Computer-Hauptstadt Cambridge einen Acht-Bit-Rechner entwickeln. Im November 1981 lag ein Prototyp vor, im Juli 1982 lief die Produktion an. Die walisische Firma RACE Electronics erstellte die Grundplatinen und Mettoy die Kunststoff-Verkleidung. Die neu gegründete Dragon Data Ltd. übernahm die Endmontage und die Tests des gesamten Systems.

Im August 1982 erschien der Dragon 32 im Handel, er kostete 199,50 Pfund. Die Zahl 32 wurde durch den 32 Kilobyte fassenden Arbeitsspeicher inspiriert. Im Inneren steckte ein Mikroprozessor Motorola 6809E. Er trat im Heimcomputermarkt selten auf, bekannt sind Anwendungen im Color Computer der TRS-80-Familie und in der Spielkonsole Vectrex. Mit dem Drachen kam die Sprache BASIC, die der Hersteller bei Microsoft kaufte. Im September 1982 zeigte er den Dragon 32 auf einer Fachmesse, siehe den Artikel des Magazin BYTE.

Der Rechner war auch hierzulande erhältlich; er kostete zwischen 595 und 799 DM. 1983 erwarb die Stiftung Warentest ein Exemplar und sechs andere Heimcomputer und prüfte sie auf Herz und Nieren; die Ergebnisse wurden im Oktober 1984 veröffentlicht. Der Dragon 32 erhielt wie der Atari 600 XL und der Sinclair ZX Spectrum das Prädikat „Zufriedenstellend“. Die Tester bemängelten stumpfe Farben und störende Farbränder sowie wacklige Stecker. Der ebenfalls im Test befindliche Color Computer erntete sogar ein „Mangelhaft“.

Der Dragon 64 besaß einen Arbeitsspeicher von 64 Kilobyte und eine hellgraue Verkleidung. (Foto Miguel Durán CC BY-SA 2.5 seitlich beschnitten und retuschiert)

1982 liefen 30.000 Dragons vom Band. Der Mutterfirma Mettoy ging es jedoch finanziell schlecht, und sie reduzierte ihre Beteiligung auf 15,5 Prozent. Ab dem Frühjahr 1983 baute Dragon Data in einen neuen Fabrik fünftausend Computer pro Woche. Am 26. August lag der Dragon 64 mit verdoppeltem Arbeitsspeicher vor; im September begann auch eine Fertigung in den USA. Im Juni 1984 – vier Monate vor dem Stiftung-Warentest-Artikel – meldete das Unternehmen Insolvenz an. Bis dahin entstanden insgesamt 200.000 Drachen.

Die Produktion wurde in Spanien fortgesetzt und 1987 für immer beendet. Heute floriert eine Dragon-Fangemeinde im Internet, dieser Link führt zu einem Archiv, dieser zu einem zweiten. Hier und hier lassen sich deutsche Seiten aufrufen, für die ganz großen Experten wartet im Netz ein Handbuch von 1983. Schließen möchten wir aber mit Philipp Ullmann. Er kehrte 1948 nach Deutschland zurück und leitete in Nürnberg wie vor dem Krieg die Spielzeugfirma Tipp & Co. Zu ihren Produkten gehörte auch eine Schreibmaschine.

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