Funkausstellung mit Fernsehen

Geschrieben am 28.08.2018 von

In Kürze startet in Berlin die Internationale Funkausstellung. Vor neunzig Jahren, am 31. August 1928, eröffnete am gleichen Ort die „Große Deutsche Funk-Ausstellung“. Das Schwergewicht lag beim Radio, doch an zwei Ständen konnten die Besucher schon das Fernsehen in Augenschein nehmen. Es war allerdings weit von der Technik entfernt, die sich nach dem Krieg ausbreitete.

Die Geschichte des Fernsehens ist verwickelt, sicher ist aber, dass die Technik in den 1920er-Jahren große Fortschritte machte. In jenem Jahrzehnt begann in Deutschland der Regelbetrieb des Radios. 1924 fand in Berlin die erste „Große Deutsche Funk-Ausstellung“ statt; sie umfasste eine Halle mit 242 Ständen. Die fünfte Funkausstellung – wir lassen jetzt den Trennungsstrich weg – füllte am 31. August 1928 drei Hallen. Dort stellten 369 Firmen und Organisationen aus. Der Rekord hielt bis 1979, als 525 Aussteller nach Berlin fuhren.

Die Funkausstellung von 1928 dauerte bis zum 9. September und lockte über 200.000 Besucher an. Sie sahen Rundfunk-, Lautsprecher- und Schallplattentechnik, die Fortschritte von Bildfunk und Tonfilm und auch Musiktruhen, die ein Radio und einen Plattenspieler vereinten. Die Reichspost bot eine Ausstellung zur Geschichte der Funktechnik an, eine kleine Ehrenhalle widmete sich dem Andenken von Heinrich Hertz, dem Entdecker der elektrischen Wellen. Und zwei Messestände zeigten zum ersten Mal Fernseher.

Funkausstellung und Funkturm im Jahr 1926. Man blickt nach Süden; am schwarzen Haus links oben beginnt die Avus. (Foto obs/Messe Berlin GmbH)

Sie basierten auf der mechanischen Bildzerlegung, die der Berliner Paul Nipkow 1884 zum Patent anmeldete. Die nach ihm benannte Scheibe enthält eine spiralförmige Reihe von Löchern und dreht sich um ihre Achse. So können Bildvorlagen aller Art gescannt werden. Die wechselnden Helligkeitswerte misst eine Fotozelle. Ihre Messwerte gelangen drahtlos oder per Kabel zum Empfangsgerät und steuern eine Lampe. Vor ihr rotiert eine zweite Nipkow-Scheibe im gleichen Rhythmus und baut zeilenweise das Fernsehbild auf.

In den 1920er-Jahren befassten sich Forscher in den USA, England und Deutschland mit dem Nipkow-TV. In der Universität Leipzig entwickelte der 1883 geborene Physiker August Karolus ab 1927 ein solches System; dabei unterstützte ihn der Elektroriese Telefunken. Karolus verwendete eine Scheibe mit 96 Löchern und tastete Fotos und Filmstreifen ab. Das Resultat auf der Empfängerseite waren Bilder zu 96 Zeilen und 10 x 10 Zentimetern Größe. Alternativ ließ sich eine Projektion von 75 x 75 Zentimetern realisieren.

Dénes von Mihály in den 1920er-Jahren

Beide Systeme führte Telefunken auf der Funkausstellung vor. Die Firma zeigte außerdem den Nachfolger der Nipkow-Scheibe, das Spiegelrad. Es reduzierte die Lichtverluste beim Scannen und arbeitete auch als Fernsehkamera. Das funktionierte aber nur im Nahbereich, etwa für die Aufnahme einer Person. Das Rad lenkte einen Lichtfleck über ihr Gesicht, während eine Fotozelle die Reflexe registrierte – das waren die Bildinformationen. Im Eingangsbild (CC-BY-SA 3.0) sehen wir August Karolus und sein Spiegelrad im Jahr 1930.

Ein drittes System konnten die Messebesucher auf dem Stand des Reichspost-Zentralamts studieren. Es war der Telehor – so heißt „Fernseher“ auf Altgriechich – des ungarischen Erfinders Dénes von Mihály. 1894 in der Nähe von Budapest geboren, lebte er ab 1924 in Berlin. Am 11. Februar 1928 übertrug er über eine Telefonleitung ein Standbild von seinem Haus zum Labor der Post. Technisch war der Telehor ein Nipkow-Empfänger mit 30 Zeilen und 10 Bildwechseln pro Sekunde. Die Bildgröße betrug nur 4 x 4 Zentimeter.

Manfred von Ardenne, der Erfinder des Fernsehers mit Bildröhre, im Jahr 1933. (Foto Bundesarchiv, Bild 183-K0917-501 / CC-BY-SA 3.0)

Auf der Funkausstellung hatte von Mihály eine Anlage mit einer großen Lupe aufgebaut, die das Betrachten des Mikrobilds erleichterte. Als Quelle diente ein Foto, das ein Helfer vor der aufnehmenden Nipkowscheibe in Bewegung hielt. Diese drehte sich hinter den Kulissen, die Fernsehwellen liefen von dort über Kabel zum Wiedergabegerät. 1929 orientierte sich die Reichspost bei ihren drahtlosen TV-Sendungen an Dénes von Mihálys 30-Zeilen-Norm. Die erste Übertragung gelang am 8. März 1929 vom Berliner Funkturm aus.

Der ungarische Erfinder bot auch Empfänger zum Verkauf an. Ab 1930 stellte die Firma TeKaDe Geräte nach seinen Patenten her. Letzten Endes war das mechanische Fernsehen, sei es mit Nipkow-Scheibe oder mit Spiegelrad, eine Sackgasse. Die Zukunft gehörte der Elektronenröhre, jedenfalls bis zum Sieg der CCD-Kamera und des Flachbildschirms. An die gute alte Zeit erinnert noch dieses Video, das auf einer Bildplatte – die gab es 1932 schon – des schottischen Fernsehpioniers John Logie Baird erhalten ist. Viel Spaß mit 30 Zeilen!

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