Happy Birthday, Computer Bild!

Geschrieben am 02.09.2016 von

Computerblätter gibt es schon lange. 1970 erschien die erste Computer Zeitung, 1974 startete die Computerwoche. Sie richteten sich vor allem an IT-Profis. Die neuen Rechner für jedermann führten ab 1978 zu einer Welle neuer Zeitschriften und zur Computer Bild. Nach einem Jahr Vorbereitung kam sie vor zwei Jahrzehnten, am 2. September 1996, auf den Markt.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am 24. Oktober feiern wir den 20. Geburtstag des Heinz Nixdorf MuseumsForums. Zur Einstimmung unternehmen wir eine Zeitreise in die Computerwelt von 1996 und zur ersten Nummer der Computer Bild. Sie startete siebeneinhalb Wochen vor dem HNF, am 2. September 1996.

Die Computer Bild ist das auflagenstärkte deutsche IT-Blatt, aber nicht das älteste. Vor ihr kamen 1970 die Computer Zeitung und 1974 die Computerwoche. Sie geht auf die amerikanische Computerworld zurück, die 1967 gedruckt wurde. Daneben gab es Fachzeitschriften wie die 1956 geborenen ADL-Nachrichten über Automatisierung der Datenverarbeitung oder die Elektronischen Rechenanlagen von 1959. Über CHIP und seine Erstausgabe von 1978 berichteten wir in unserem Blog.

CHIP richtete sich nicht primär an Leser aus Universitäten oder Chefetagen, sondern hauptsächlich an Besitzer und Benutzer von Kleinrechnern. Auf CHIP folgten weitere populäre Magazine, die Computer allgemein oder spezielle Fabrikate betrafen, und eine Flut von Taschenbüchern. Im Frühjahr 1995 erschien in Hamburg ein SPIEGEL-Sonderheft: „Abenteuer Computer“ schilderte die schöne neue Welt von Hardware, Software, neuen Medien und Datennetzen. Es ist denkbar, dass dieses Heft andere Hamburger Zeitungsmacher auf eine Idee brachte.

Ab dem 11. August 1995 arbeiteten Matthias Brix, Redakteur der HÖRZU, und Berndt Fischbek, Layouter der Bild, im 9. Stock des Axel-Springer-Hauses am Konzept einer neuen Computerzeitschrift. Man erstellte drei Nullnummern, die die Experten der Marktforschung noch mit Skepsis beurteilten. Im Frühjahr 1996 stieß Harald Kuppek, zuvor Chefredakteur von PC go!, zum Team. Am 10. Juni 1996 fand die erste Redaktionskonferenz unter seiner Leitung statt, aus Platzgründen im Stehen.

Gold Sheet

 

Bild macht Druck meldete am 26. August 1996 der SPIEGEL vor dem Start der Computer Bild. Mit einer Auflage von 1,4 Millionen und einem Kampfpreis von einer DM, so das Nachrichtenmagazin, wolle sie den Markt der EDV-Zeitschriften aufmischen. Was am 2. September 1996 mit dem allerersten Heft, offiziell Heft 18/96, auch gelang. Es stieß auf Platz 1 der europäischen Computermagazine vor und war schnell vergriffen. Was die Redaktion mit Schnittchen und Kuchen feierte.

Computer Bild hat nicht mehr die Auflage von einst, ist aber die verbreitetste deutsche Computerzeitschrift und die meistverkaufte in Europa und Russland. Die Erstausgabe liegt gratis im Internet und liefert einen lebensechten Blick in die Computerszene 1996. Damals lag der Scenic von Siemens-Nixdorf – nicht aus Paderborn, sondern aus Augsburg – an der Spitze der 2.500-DM-Klasse, siehe den großen Vergleichstest im Heft. Der Software-Test galt Auskunft-CDs. Hier siegte das „Telefonbuch für Deutschland“ von DeTeMedien zum Preis von 29,50 DM.

Das Internet war 1996 schon ein großes Thema. Computer Bild stellte die Homepages der Bundesliga vor, und man liest mit Staunen, dass sich die Seite des TSV 1860 München auf dem Server der Uni Paderborn befand. Für Online-Anfänger gab es einen Bericht über die 41 deutschen Internet-Cafés und zwei Seiten „Was Sie alles im Internet machen können“. Die Fortgeschrittenen erfuhren alles über Online-Banking und vom ersten Smartphone, dem Communicator 9000 von Nokia.

Das große Plus der Zeitschrift war die Menge der Tipps, Tricks und Erläuterungen. Wo „Bild“ draufsteht, dürfen aber Schreckensmeldungen nicht fehlen. Auf den Artikel zum Konkurs der Handelskette Escom folgte eine Gesprächsrunde „Ist der deutsche Computermarkt in der Krise?“. Später hieß es sorgenvoll „Ist im Apple der Wurm drin?“ und „Hacker: Die neue Gefahr?“. Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Wem die Probleme mit Händlern und Herstellern über den Kopf wuchsen, der konnte sich hilfesuchend mit Brief oder Fax an die Hamburger Redaktion wenden.

Damit sei unsere kleine Zeitreise beendet. Computer Bild kostet 2016 nicht mehr eine Mark, sondern 2,20 Euro, das heißt in der Grundversion ohne CD oder DVD. Es gilt aber nach wie vor der schöne Spruch, der das Inhaltverzeichnis der Startausgabe schmückte: „Was Sie schon immer über Computer wissen wollten, bisher aber nicht zu fragen wagten: ComputerBILD verrät das Wichtigste.“

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