Osborne 1, der tragbare Computer

Geschrieben am 01.04.2021 von

Der Osborne 1 war ein kompletter Acht-Bit-Rechner mit umfangreicher Software und einem vernünftigen Preis. Mit etwas Mühe konnte man ihn an jeden beliebigen Ort bringen. Der englische Technikautor Adam Osborne stellte den Computer am 3. April 1981 in San Francisco vor. Er verkaufte sich glänzend; zweieinhalb Jahre später ging Adam Osbornes Firma aber in Konkurs.

Der SPIEGEL entdeckte den „Amerikaner Dr. Adam Osborne“ schon im April 1979 als einen erfolgreichen Autor von Einführungen in Computertechnik und Programmieren. Das war er wirklich, doch stammte Dr. Osborne aus dem britischen Weltreich. Unter den Pionieren der Mikrocomputerzeit besaß er den wohl exotischsten Lebenslauf.

Adam Osborne um 1980 mit dem Ingenieur Gordon French (links) und Jim Warren, Gründer der „West Coast Computer Faire“ (Foto Computer History Museum)

Geboren wurde Adam Osborne am 6. März 1939 in Bangkok; dort lehrte sein Vater Arthur Englisch an einer Universität. Seine Frau Łucja war Polin. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte sie mit ihren Kindern in Südindien; in dieser Zeit hatte sie engen Kontakt zum Guru Ramana Maharshi. Arthur Osborne kam 1942 für drei Jahre ins Internierungslager. 1950 zog er mit der Familie nach England. Dort studierte Adam Osborne später Chemie. 1961 emigrierte er nach Amerika; 1968 erwarb er den Doktorgrad und die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Einige Zeit arbeitete Osborne in Kalifornien für den Shell-Konzern. Er interessierte sich für Computer und konnte gut schreiben. 1972 gründete er mit Partnern einen Verlag für Computerbücher und verfasste selbst mehrere. Seine „Einführung in die Mikrocomputertechnik“ von 1976 gilt als Klassiker. Damals besuchte er auch die Treffen des Homebrew Computer Club. Osborne betrieb dann einen eigenen Verlag, den er 1979 für viel Geld an den Bücherriesen McGraw-Hill verkaufte. Nun konnte er ein neues Projekt angehen.

Der Monitor des Osborne 1 war klein aber lesbar. Der Screenshot zeigt die Seite eines Textabenteuers. (Foto Celcom CC BY-SA 3.0 seitlich beschnitten)

Im März 1980 fand Adam Osborne den Mann, der für ihn einen Computer schuf – Lee Felsenstein. Er war sechs Jahre jünger, aber erfahrener Ingenieur und überdies Moderator des Homebrew-Club; er hatte schon den Acht-Bit-Rechner Sol-20 entwickelt. Das Resultat der Zusammenarbeit war ein elf Kilo schweres, aber im Prinzip tragbares Gerät mit einem kleinen Monitor und zwei Disketten-Laufwerken. In der Deckklappe saß die Tastatur; im Inneren steckte der Z80-Prozessor von Zilog mit einem Arbeitsspeicher von 64 Kilobyte.

Der Grundaufbau war nicht völlig neu. 1978 entstand im Forschungszentrum Xerox PARC der ähnlich aussehende NoteTaker mit einem Intel-8086-Chip. Er wurde jedoch nie in Serie gebaut. Adam Osborne startete dagegen Anfang 1981 die Osborne Computer Corporation im kalifornischen Ort Hayward. Investoren gaben eine Million Dollar als Anschubfinanzierung, und am 3. April 1981 erschien auf der „West Coast Computer Faire“ in San Francisco der Osborne 1. Er ist oben im Eingangsbild zu sehen.

Nach dem Osborne 1 kam 1983 der Executive. (Foto Casey Fleser CC BY 2.0 seitlich beschnitten)

Im Juli 1981 konnte man den Computer für 1.795 Dollar im Handel erwerben. Im Preis inbegriffen waren ein Programm zur Tabellenkalkulation, eine Textverarbeitung und zweimal die Sprache BASIC; als Betriebssystem fungierte CP/M von Digital Research. Acht Monate nach Verkaufsbeginn hatten 11.000 Osbornes einen Käufer gefunden; 50.000 Bestellungen standen auf der Warteliste. Nach einem Jahr arbeiteten 3.000 Menschen für die Osborne Computer Corporation; der Umsatz lag bei 73 Millionen Dollar.

Adam Osbornes Firma war der am schnellsten wachsende Computerhersteller im Lande. Das Software-Angebot vergrößerte sich, und das erste volle Geschäftsjahr erbrachte im Februar 1983 Einnahmen von 100 Millionen Dollar. Die Konkurrenz schlief aber nicht. Im Herbst 1982 kam der portable Kaypro II heraus. Er besaß ein ähnliches Programm-Paket, einen größeren Bildschirm und einen Preis von nur 1.595 Dollar. Noch weniger kostete die Grundversion des IBM PC, die im August 1981 enthüllt wurde.

Das Modell Osborne Vixen war 1984 nur kurz auf dem Markt. (Foto DWmFrancis CC BY-SA 3.0 seitlich beschnitten)

Keine gute Idee waren auch Äußerungen von Adam Osborne zu einem Nachfolgemodell seines Computers. Händler und Kunden hielten sich nun bei der Nummer 1 zurück, und die Verkäufe brachen ein. Der neue Osborne Executive, im April 1983 eingeführt, konnte den Hersteller nicht mehr retten. Am 13. September 1983 meldete er Konkurs an, und Adam Osborne schied aus. 1984 versuchte die Firma einen Neustart mit dem Osborne Vixen, doch war das Ende unausweichlich. Den Markennamen kaufte ein finnisches Unternehmen.

Adam Osborne veröffentlichte 1984 ein Buch über seine Karriere. „Hypergrowth“ kann man nach Anmeldung auf archive.org durchlesen. Im gleichen Jahr gründete er eine Software-Firma namens Paperback. Sie schloss 1990 nach einem verlorenen Copyright-Prozess. Auch seine nächste Firma im Feld der Künstlichen Intelligenz scheiterte. Gesundheitsprobleme bewogen Osborne dann zur Übersiedlung nach Südindien, dem Land seiner Kinderjahre. Am 18. März 2003 starb er in der Stadt Kodaikanal.

Der Osborne von Nixdorf: Modell 8810 M25, baugleich zum Panasonic RL-H7000W. Der 15 Kilo schwere 16-Bit-Computer – ein echter „Schlepptop“ – erschien 1984.

Adam Osbornes Nachlass liegt im Computer History Museum in Kalifornien; dazu gehört, erstaunlich für einen Computerpionier, ein Band mit Gedichten. Online überliefert ist ein Auftritt in den Computer Chronicles von 1984. Im Netz findet sich noch die Autobiographie seines Vaters. Schließen wollen wir mit einer Klarstellung. Der Osborne 1 war kein früher Laptop, aber der erste erfolgreiche Portable. Die Ahnenreihe der Laptops beginnt bei den Taschencomputern, wie 2016 im Blog geschildert.

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