Urlaub im Computer-Camp

Geschrieben am 04.08.2020 von

In den 1980er-Jahren erfuhren wir vom Silicon Valley, von Personal Computern und von Computer-Camps. Dort konnten junge Leute in ihrer Freizeit das Programmieren lernen. Erfunden hatte die Camps der amerikanische Ingenieurprofessor Michael Zabinski; das erste eröffnete 1978. Fünf Jahre später kamen sie auch nach Deutschland. In modernisierter Form gibt es die digitalen Ferienlager noch immer.

Im Sommer 1983 ging es los. „Vor der verschlossenen Tür des Konferenzsaals Langenberg im Hotel ‚Sauerland Stern‘ warten elf Halbwüchsige ungeduldig auf Einlaß. Vorwurfsvoll gucken sie auf ihre Digital-Uhren. … Jede Minute ist kostbar. Denn hinter dieser Tür liegt das elektronische Schlaraffenland: das erste ‚Computer Camp‘ für bundesdeutsche Kinder.“

Das schilderte der SPIEGEL-Reporter in der Ausgabe vom 26. September 1983 näher. In jenem Jahr verbreiteten sich Rechner mit Mikroprozessoren auch in deutschen Landen; am Ende stand eine richtige Computer-Weihnacht. In den Camps lernten junge Leute den Umgang mit Acht-Bit-Systemen und der Programmiersprache BASIC. Der Kurs im schönen Hochsauerland dauerte sieben Tage und kostete mit Kost und Logis 550 DM. Im November 1983 berichtete ebenso die ZEIT vom neuen digitalen Phänomen.

T-Shirt von einem Original Computer Camp (Foto Computer History Museum)

Sein Erfinder heißt Michael Zabinski. Er lehrte und lehrt in der technischen Fakultät der Fairfield-Universität im US-Bundesstaat Connecticut.  Die Uni ist eine von 29 Hochschulen der USA, die den Jesuiten gehört. Zabinski gründete 1977 die National Computer Camps. Das erste fand 1978 statt. Zwei Wochen lang saßen zehn- bis vierzehnjährige Schüler in einem Klassenraum an Wang-Rechnern. Im nächsten Jahr installierte Zabinski 24 Computer des Typs TRS-80. Von diesem Camp existiert auch ein Foto.

1980 startete der Softwareentwickler Denison Bollay das „Original Computer Camp“ in Kalifornien. Berichte in der Presse und der Auftritt in einer Talkshow machten ihn landesweit bekannt. Das ist eine Broschüre seiner Firma aus dem Jahr 1983. Die Camps vermehrten sich, und der Computerhersteller Atari stieg ein. Hier geht es zu einer Internetseite über seine Projekte und die Zusammenarbeit mit dem Club Méditerranée. Dieser Link führt zu Atari-Videos zum Thema und der letzte zu einem Zeitschriftenartikel von 1984.

Werbung für ein Camp mit dem 1979 erschienenen Atari 800

1983 erfasste die Idee der Computer-Camps die Bundesrepublik. Wer nicht im Sauerland Programmieren lernen wollte, konnte sich beim Diners Club anmelden. Er bot im September Kurse im Sportzentrum Sciaccamare auf Sizilien an. Den Unterricht übernahm das „Computer Trainings Zentrum“ aus Frankfurt. Die Kosten lagen bei 1.650 DM oder darüber. Die Österreichische Computer Gesellschaft und die Gesellschaft für Bildungstechnologie organisierten auch zwei Camps. Näheres teilt ein Radiogespräch vom Juni 1983 mit.

Einen Überblick über die IT-Lager in der Mitte der 1980er-Jahre gibt der Artikel von André Eymann, wo wir das Hotel Sauerland Stern endlich im Bild sehen. 1986 machte eine Paderborner Firma beim Camping mit, die Systeg mbH. Ihre Kurse fanden in echten Zelten statt; es durfte gelötet, gebohrt und verdrahtet werden. Als Grundlage diente der WDR-1-Bit-Computer. Aus dem Jahr 1988 ist ein Camp der Angestelltenkammer Bremen überliefert. Die Teilnehmer lernten jetzt schon Desktop-Publishing und Computeranimation.

1988 organisierte die Sparkasse Bonn eine „Jugend-Computer-Schule“. (Foto Bundesarchiv, B 145 Bild-F077948-0006 / Engelbert Reineke / CC-BY-SA 3.0 DE seitlich beschnitten)

2020 treffen wir in Deutschland einen Anbieter von klassischen Computercamps; wegen der technischen Entwicklung sehen die Inhalte natürlich anders aus als 1983. Im August gibt es zudem, soweit es die Gesundheitssituation erlaubt, einen Sommerkurs des Potsdamer Hasso Plattner Instituts. Die Acht-Bit-Freunde können aber in jedem Fall nostalgische T-Shirts ordern, welche die goldene Zeit des „Trash Eighty“ zurückbringen.

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