Weihnachten mit Computer

Geschrieben am 20.12.2018 von

Vor 35 Jahren schwappte die große Welle der kleinen Rechner über die Bundesrepublik. Heimcomputer waren 1983 der Hit im Weihnachtsgeschäft; nach dem Fest standen eine Viertelmillion von ihnen in deutschen Haushalten. Sie kamen in der Regel von englischen oder amerikanischen Firmen. Mit ihnen begann eine neue Ära der Technik, die immer noch unser Leben prägt.

„Computer – das ist wie eine Sucht“, erkannte der SPIEGEL, und auch die ZEIT sprach von der „Droge Computer“. Gehandelt wurde sie in den Kaufhäusern und Elektronikläden von Westdeutschland zwischen Tannenbäumen und Rauschgoldengeln. Wir schreiben den Dezember 1983 und erleben das Weihnachtsgeschäft. Es ist anders als früher, denn das Christkind sucht Computer und besonders Heimcomputer aus. Die teureren Personal Computer lassen wir draußen, denn sie wurden meistens fürs Büro gekauft.

Kleine und bezahlbare Elektronenrechner mit 8-Bit-Prozessoren beschrieb das Hamburger Nachrichtenmagazin schon 1979. Danach vermehrte sich ihre Anzahl nur langsam, und einige Jahre galt die Bundesrepublik als elektronisches Entwicklungsland. Ende 1982 liefen bei uns 200.000 Mikros, in England dreimal so viele. 1983 bahnte sich ein Aufschwung an. Im April erzählte der SPIEGEL, was in einer wichtigen Firma passierte: „Im Nu waren die Lager für den ‚Commodore-Volkscomputer‘ VC 20 geräumt, die Lieferfristen lagen bei sechs Wochen.“

Im Oktober 1983 startete der Computerfilm WarGames in den westdeutschen Kinos, und Berichte über Hacker kursierten. Im November und Dezember ging es rund. Die Kaufhäuser wurden von Familien gestürmt, die Weihnachtsgeschenke für technikbegeisterte Kinder suchten. Da gab es vor allem eines, und das fing mit dem Buchstaben C an. Die hektischen Tage sind in SPIEGEL und ZEIT überliefert. Der Leser erfährt nebenbei die Anfangsgründe der Informatik. Am Jahresende stand in jedem hundertsten Haushalt – die BRD hatte insgesamt 25 Millionen – ein Computer.

Das SPIEGEL-Cover schmückte ein CBM 8032-SK der schon erwähnten Firma Commodore; seine barocken Formen entwarf der Designer Ferdinand Alexander Porsche, ein Spross der Auto-Dynastie. Unser Eingangsbild zeigt den normalen CMB 8032 und einen 8032-SK im Hintergrund. (Wir bedanken uns bei Stefan Höltgen für das Foto.) Im Weihnachtsboom lagen die aktuellen Commodore-Typen VC-20 und C64 ganz vorn bei den Verkaufszahlen. Der C64 entwickelte sich zum erfolgreichsten Computer aller Zeiten.

Auch das HNF besitzt Exponate aus den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren. Der junge Mann am Computer spielt gerade „Donkey Kong“.

Was gab es sonst im Laden? Natürlich die Rechner von Sir Clive Sinclair in Gestalt des pechschwarzen ZX 81 und des mit einem Farbstreifen verzierten ZX Spectrum. Aus Japan kamen der MZ-80K und der PC-1500 von Sharp, aus Wales der Dragon 32. Amerika steuerte die Geräte von Atari, Tandy und Texas Instruments bei. Der SPIEGEL wies allerdings darauf hin, dass die Texaner ihr Modell TI 99/4A aus dem Markt zurückzögen. Wer reiche Eltern hatte, der wünschte sich zu Weihnachten einen Apple II.

Aus Deutschland stammte nur ein Heimcomputer. Die Büromaschinenfirma Triumph-Adler bot den Alphatronic PC an; produziert wurde er im Fernen Osten. Mit dem IBM PC hatte er nichts zu tun, in seinem Inneren steckte ein 8-Bit-Prozessor, der Z80 von Zilog. Siemens und Nixdorf hielten sich spürbar zurück. Siemens-Chef Karlheinz Kaske meinte laut SPIEGEL, man würde kein Spielzeug herstellen. Die kritische Einstellung von Heinz Nixdorf zu kleinen Rechnern ist bekannt. In Braunschweig saß aber eine Commodore-Fertigung.

Außerdem florierten die Fachzeitschriften. 1983 lag die Gründung von CHIP fünf Jahre zurück. Auf das Münchner Magazin folgten 1981 „MC“, 1982 „TeleMatch“ und „Computer Persönlich“. Der März 1983 brachte den „Homecomputer“, und der November bescherte den Usern drei Titel: „c’t“, „Happy Computer“ und „PC Welt“. In Hannover zeigte die CeBIT die neuesten Personal- und Heimcomputer. Das Centrum für Büro- und Informations-Technik, wie es voll ausgeschrieben hieß, gehörte aber noch zur normalen Industriemesse.

Die Computerweihnacht kündigte sich also an, ihr Ausmaß war dennoch überraschend. Das Orwell-Jahr 1984 stand vor der Tür, viele Bürger sahen die Technologie eher skeptisch. Mitten im Advent, am 15. Dezember 1983, verkündete das Bundesverfassungsgericht das wegweisende Volkszählungsurteil. Kritik an Computern und Computernetzen ist bis heute nicht verstummt und sicher nicht unberechtigt. Die Rechner für alle – hier beziehen wir die Smartphones ein – setzten sich aber auf breiter Front durch.

Zum Schluss möchten wir auf einen Fernsehbericht von 1984 hinweisen, der den Anbruch der neuen Ära schildert. Wir sehen besorgte Eltern und computerverrückte Kinder, doch auch schon Aufnahmen zum frühen Internet. Unseren Lesern wünschen wir alles Gute für die Weihnachtstage und melden uns gleich danach wieder.

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