Bill Gates an die Computerfreaks
Geschrieben am 03.02.2026 von HNF
Ein Hobbyist ist im Englischen das Gegenteil eines Profis, er ist ein Amateur, ein Bastler oder der Liebhaber einer Technik. Ab dem 3. Februar 1976 verschickte der zwanzig Jahre alte Bill Gates einen offenen Brief an Hobbyisten. Darin forderte er die Bezahlung der Sprache BASIC seiner Firma Micro-Soft; die schrieb sich damals noch mit Bindestrich.
„Wie die Mehrheit der Hobbyisten wissen dürfte, stehlen die meisten von Euch Eure Software. Hardware wird bezahlt, aber Software gibt man weiter. Wen interessiert es schon, ob die Leute, die sie geschaffen haben, bezahlt werden. Ist das fair?“
Most of you steal your software. Diese Worte bildeten die zentrale Aussage eines offenen Briefs, der am 3. Februar 1976 verfasst wurde. An Open Letter to Hobbyists stammte vom zwanzigjährigen Bill Gates, mit den Hobbyisten im Titel meinte er die Mikrocomputer-User, die sich seit einem Jahr im Lande ausbreiteten. Gates war daran nicht unbeteiligt. Die von ihm und seinem Freund Paul Allen gestartete Firma Micro-Soft – sie trug zu jener Zeit einen Bindestrich – lieferte auf Kassette oder einem Lochstreifen die Programmiersprache BASIC. Der Preis lag zwischen 150 und 200 Dollar.
Die schlechte Nachricht war, dass kein Kopierschutz existierte. Wer eine BASIC-Version besaß, konnte sie leicht reproduzieren und weiterverteilen. Als wichtiger Umschlagplatz fungierte der Homebrew Computer Club, dessen Mitglieder sich jeden Monat im Silicon-Valley-Ort Menlo Park trafen. Gates hatte einen Vertrag mit dem Hersteller MITS, der in New Mexico den Altair 8800 produzierte und seit 1975 die Mikrocomputer-Revolution antrieb. Gates wusste aber, dass weniger als zehn Prozent der Altair-Nutzer auch sein BASIC gekauft hatten, das den Rechner erst praktisch nutzbar machte.
In dem offenen Brief schilderte er die Situation und klagte sein Leid. Dabei brachte er keine juristischen Argumente vor, sondern appellierte an die Vernunft der Software-Diebe: „Eine Sache, die Ihr erreicht, ist gute Software zu verhindern. Wer kann professionelle Arbeit umsonst machen? Welcher Hobbyist kann drei Mannjahre in die Programmierung stecken, Fehler finden, das Produkt dokumentieren und es dann kostenlos vertreiben? Tatsache ist, dass niemand außer uns eine größere Menge Geld in Mikrocomputer-Software investierte.“
Der letzte Ausdruck ist unsere Übersetzung von „hobby software“. Am Ende des Briefes forderte der Autor die Leser zur Bezahlung und zur Diskussion auf und schloss mit dem schönen Satz: „Nichts würde mich mehr freuen, als zehn Programmierer einzustellen und den Hobby-Markt mit guter Software zu überschwemmen.“ Hier muss man wissen, dass die Firma Micro-Soft Anfang 1976 nur aus Bill Gates bestand, der formal Student der Harvard-Universität war. Sein Freund Paul Allen arbeitete für den Altair-Produzenten MITS.
Ab dem 3. Februar 1976 brachte Gates seinen Brief in Umlauf, die Erstfassung dürfte in den Computer Notes von MITS erschienen sein. Es folgten der Abdruck in dem Newsletter des Homebrew Computer Club und in einigen anderen Nachrichten-Blättern. Die meist in New York sitzenden Elektronikzeitschriften hielten sich zurück, der Text landete aber unter den Leserbriefen des Magazins Radio-Electronics. Offenbar schickte Gates das Schreiben auch an die New York Times, wobei er seinen vollen Namen William Henry Gates III verwendete. Gedruckt hat es die Zeitung wahrscheinlich nicht.
Am 27. und 28. März 1976 richtete MITS im Flughafen-Hotel von Albuquerque die allererste Mikrocomputer-Tagung aus. Es kamen mehr als siebenhundert Personen aus sieben Ländern. Im ersten öffentlichen Vortrag seines jungen Lebens wetterte Bill Gates gegen die Software-Piraten. Im April publizierte er in den Computer Notes einen zweiten Brief, in dem er noch einmal sein Anliegen erläuterte, sich aber ansonsten recht versöhnlich gab. Ein letztes Mal äußerte er sich in einem Fernsehbericht, der 1977 entstand, man sieht ihn bei Minute 0:37 und 1:12.
Unsere Geschichte endet happy. Im April 1976 stellte Bill Gates seinen ersten Vollzeit-Untergebenen Marc McDonald ein, Ende 1978 umfasste die Belegschaft dreizehn Köpfe. Micro-Soft wurde zu Microsoft und einer Weltfirma; die Software-Piraten entdeckten derweil die Computerspiele. Viele Informationen zur Brief-Affäre liefern Wikipedia und Grokipedia; diese Seite beleuchtet die Copyright-Historie. Das ist der deutsche Wikipedia-Artikel über Raubkopien, hier geht es zu einem Buch zum gleichen Thema.
